Du bist nicht angemeldet.

Persönliche Box

Zur Zeit sind keine Benutzer aktiv.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: 2radforum.de - Das Fahrrad-Forum für Radfahrer und Rad. Falls dies dein erster Besuch auf dieser Seite ist, lies bitte die Hilfe durch. Dort wird dir die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus solltest du dich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutze das Registrierungsformular, um dich zu registrieren oder informiere dich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls du dich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert hast, kannst du dich hier anmelden.

grandsport

2radfahrer

Blog - Galerie
  • »grandsport« ist männlich
  • »grandsport« ist der Autor dieses Themas

Wohnort: Mössingen-Nord

  • Private Nachricht senden

1

Montag, 9. September 2013, 08:53

Radeln formt den Charakter

Freunde der Seelenforschung,

angeregt durch die Diskussion um Radfahren und seine Wirkung, wenn schlechte Stimmung bis hin zur Depression droht, interessiert mich, ob ihr folgende Erfahrung gemacht habt, auch kennt - oder zumindest ähnliche, oder ob es euch total fremd ist:

Durchs Radfahren habe ich gelernt wenigstens teilweise anders mit Menschen, mit Projekten und mir selbst umzugehen. Mehr nebenbei und per Zufall zwar, aber immerhin.
Gerade wenn man regelmäßig längere Strecken fährt - ich fahre, sofern es nicht zu kalt ist - fast täglich mit dem Rad zur Arbeit und muss dabei runde 57 km mit 800 hm hinter mich bringen. Das erfordert nicht nur körperlich Kondition, morgens stellt sich regelmäßig die Frage, "packst du es heute oder nimmst du doch besser die Bahn?". Der Kopf fährt eben mit und ventiliert die Frage, "wie fährst du das jetzt so, dass du gut ankommst und morgen auch noch genug Kraft hast, das zu wiederholen?". (Die Rückfahrt ist meistens Rad/Bahn-kombiniert.)

Zu den "Prinzipien", die mir helfen, das durchzuziehen, gehören:
Fahr dein Tempo. (Das Tempo anderer kostet nur Kraft, die dir selbst am Ende fehlt.)
Gehe es konzentriert, aber ruhig und gleichmäßig an. Mit gutem Rhythmus schafft man zig km, mit schlechtem ist man gleich am Ende.
In Steigungen mit gutem Tempo rein. Spart Kraft, weil man Schwung mitnehmen kann.
Am Beginn von Steigungen niemals Vollgas (auch wenn's manchmal dazu verleitet). Sonst bist du nach der Hälfte fertig.
Beweise dir nichts, auch nicht Berg ab. Dabei grinsen mich regelmäßig die 70 km/h an. Kostet aber unverhätlnismäßig viel Kraft.
Denk nicht an die nächsten fünf Steigungen, sondern fahre einfach die, die du gerade unter den Pedalen hast.

Für Job, mich und meine Familie ziehe ich daraus einiges:
Stressige Projekte schafft man besser, wenn man sie nicht aus dem Tiefschlaf startet, sondern mit Schwung beginnt.
Wer am Anfang alles gibt, wird am Ende tendentiell scheitern - und wenn nur deshalb, weil die Begeisterung nicht bis zum Ende durchhält und dann der Frust umso größer ist.
Arbeit in deinem Tempo, dann nutzt du deine Fähigkeiten am besten.
Arbeite für dich und nicht für das Schulterklopfen anderer.
Konzentriert bei der Sache bleiben - und es gehen Dinge, die man vorher schwer bezweifelt hat.
Wenn das Projekt zu groß erscheint, achte nur auf den nächsten Schritt bzw. den aktuellen.

Die Geduld, die man mit sich selbst aufbringen muss, ist beim Radfahrn die gleiche wie bei Projekten im Job. Auch im Umgang mit anderen sehr hilfreich zu wissen: Nur weil etwas nicht sofort klappt, lohnt sich ggf. das Dranbleiben trotzdem ungemein (Kinder können einen da ja manches an Geduld kosten). Erwarte von anderen nur, was sie in ihrer Art auch schaffen können (lass auch die anderen in ihrem Tempo arbeiten).

Vielleicht werden die Parallelen zwischen Rad und sonstigem Leben nachvollziehbar. Mir hilft das Radfahren sehr, diese guten Raderfahrungen auch im Rest-Leben umzusetzen. Und es geht mir dadurch deutlich besser. Meinem Umfeld, glaube ich, auch (sofern ich darauf Einfluss habe).
Interssieren würde mich jetzt, ob ihr ähnliche Erfahrungen macht.

grandsport

Es haben sich bereits 10 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

3rd_astronaut, Harzrandradler, Marcus, Michihh, Prabha, Ronin01, Scetto, stilleswasser, ullebulle, XXLBaer

HotRod

2radfahrer

Blog - Galerie
  • »HotRod« ist männlich
  • »HotRod« ist ein verifizierter Benutzer

Wohnort: Nordhorn

  • Private Nachricht senden

2

Dienstag, 10. September 2013, 14:51

Ich gehöre zu den glücklichen Leuten, die Ihr Hobby zum Beruf gemacht haben und für die das Wort "Stress" ein Fremdwort ist. Na ja, ganz fremd ist es nicht, aber ich kenne nur positiven "Stress" der mich motiviert und den Arbeitstag schnell vorbei gehen lässt. Sobald ich meinen Arbeitsplatz verlasse, lasse ich auch die Arbeit zurück und ich kann mich voll und ganz auf meine freie Zeit freuen.

Ich fahre entweder Rad um von A nach B zu kommen oder um meine Bewegungslosigkeit vor dem Rechner auszugleichen. Es ist einfach ein schönes Gefühl völlig erledigt und bis oben hin mit Endorphinen auf der Couch zu fläzen und den Abend mit einem Erdinger Alkoholfrei ausklingen zu lassen.

Für mich hat Radfahren nichts philosophisches. Meisten denke ich während meiner Trainingstouren an nichts oder genieße nur die Natur. Wenn ich mit anderen fahre, wird über Gott und die Welt geredet oder gefachsimpelt. Nicht mehr und nicht weniger.


Ich kann Deine Erfahrung also nicht teilen ;)
"Nichts macht uns feiger und gewissenloser als der Wunsch, von allen Menschen geliebt zu werden."
Marie von Ebner-Eschenbach
"Gott ist eine vom Menschen erdachte Hypothese bei dem Versuch, mit dem Problem der Existenz fertigzuwerden."
Sir Julian Huxley, engl. Biologe, 1887-1975

felt_x

2radfahrerin

Blog - Galerie
  • »felt_x« ist weiblich

Wohnort: Frankfurt

  • Private Nachricht senden

3

Dienstag, 10. September 2013, 15:20

Auf kann Radfahren, je nach Grundstimmung, verschiedene Wirkungen haben. Wenn ich viel Stress habe und mit ellenlangen Gedankenketten im Kopf gar nicht mehr zur Ruhe komme, fahre ich den Problemen förmlich auf dem Rad davon. Ich fahre dann meistens schön geteerte, neue Straßen so schnell ich kann und habe danach das Gefühl, dass mir alle sinnlosen Gedanken aus dem Kopf gepustet wurden (siehe mein Avatar ;)).
An anderen Tagen geht es mir eher um die sportliche Herausforderung und dann stürze ich mich ins Gelände. Danach fühle ich mich körperlich einfach richtig positiv erledigt.

Prabha

km-Sammlerin

Blog - Galerie
  • »Prabha« ist weiblich
  • »Prabha« ist ein verifizierter Benutzer

Wohnort: Wuppertal

  • Private Nachricht senden

4

Dienstag, 10. September 2013, 23:05

... fahre ich den Problemen förmlich auf dem Rad davon ...


Meine Erfahrung geht in eine ähnliche Richtung: Wenn ich unten am Berg noch in sinnlosen Grübeleien bin, haben sich diese irgendwo beim Kampf auf die Höhe verloren. Ich habe noch keine Grübelei erlebt, die es bis auf den Berg geschafft hat. Der Biss, auf die Höhe zu kommen; die Freude, es zu schaffen und das Glücksgefühl, wenn ich es tatsächlich geschafft habe, verdrängen die Grübeleien. (Die suchen sich dann andere Eingänge in den Kopf - aber erstmal ist Ruhe!)

@Grandsport: Ich bin auch eine strikte Vertreterin der Devise: "Fahr dein Tempo". Dann bin ich eben vergleichsweise langsam - egal. Ich komme an, ich fahre, und am nächsten Tag fahre ich wieder.

Das Fahrradfahren ist für mich ganz bestimmt ein sehr wichtiger Ausgleich zu meinem Bürojob. Seit ich mich mehr körperlich bewege, ist es auch im Kopf beweglicher geworden. :)
„Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist“ (David Ben Gurion)

Ähnliche Themen