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joka011

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1

Dienstag, 28. Juli 2020, 10:20

ich suchte ein neues Fahrrad

Hallo zusammen,


ich fahr nun schon seit 58 Jahren Fahrrad, aber was mir
gerade in den letzten Jahren immer mehr auffällt ist das sich das Fahrrad immer
mehr weg von einem praktischen Transportmittel zu einem Lifestyle Produkt entwickelt
hat. Natürlich erinnere ich mich noch an die Zeiten wo man ohne einen
Bananensattel und einer Antenne mit Fuchsschwanz nicht dazu gehört, aber
heutzutage hat sich dieser Trend auch massiv in den Köpfen der Fahrradhändler
festgesetzt. Geht man in einen Fahrradladen und möchte ein Fahrrad kaufen, das
nur für die Fahrt zum Brötchen holen oder zum Supermarkt, mal eben Butter holen
dienen soll, kommen die Kollegen mit Preisen jenseits der 800 EUR um die Ecke.
Der Rest darunter ist alles nur Schrott, so die Aussage. Kommt aus China oder
Fernost heisst es dann mit billigen Komponenten die taugen rein gar nichts.
Schaut man dann aber hinter die Kulissen, kommen auch alle Einzelteile in dem
vom Händler angepriesenen Marken Fahrrad aus der gleichen Fabrik in China, oder
aus der Fabrik in Taiwan. Ja, die Qualität der zu Grunde liegenden Werkstoffe
ist unterschiedlich, nur die Frage ist brauche ich das, will ich diese
Mehrqualität teuer bezahlen oder reichen für meine Ansprüche nicht auch die
„billigen“ Baumarkträder aus. Ich habe dieses Thema gerade lang und schmutzig
hinter mir. Ich wollte mein 6 Jahre altes Cube town ersetzen. Wollte aber keine
Kettenschaltung mehr, aber auch nicht auf Scheibenbremsen verzichten. Und ich
fahre eigentlich ein HASE Delta Trike, also das neue Rad war nur für kurze
Strecken und mal eben schnell gedacht. Also ab zu den zwei Händlern in meiner
Nähe…… Preise beginnen so ab 800EUR, darunter ist alles nur Murks. Probefahren
schwierig weil ich, bedingt durch einen Knie OP, ohne Pedalarmverkürzung nicht
fahren kann. Daher erstmal Termin vereinbaren und Pedaladapter selbst
mitbringen, ist für mich nicht das Problem hab immer einen rumliegen. Aber
meine Erklärung ich suche ein günstigeres Rad so für max. 500-600EUR ging
einfach komplett unter. Nun ja der eine Händler war dann noch bereit auf 750EUR
runter zu gehen, aber als es um das Gesamtgewicht ging war plötzlich Schluss.
120Kg = Fahrrad + ich (104Kg) + Gepäck, das geht gar nicht. Der eine winkte ab,
der andere meinte das sei ja nur ein Richtwert und ohne Bedeutung. Aha, nur
sehen das die Hersteller im Garantiefall etwas anders. Also beschloss ich es
mal in den einschlägigen Großmärkten (BOC, Mega..) zu versuchen, zum Glück
haben wir in Hamburg davon ja eine ganze Menge. Davon. Hier war zwar das Angebot von Fahrrädern in
der angestrebten Preisklasse vorhanden, aber das Problem mit dem zul.
Gesamtgewicht war auch hier das Gleiche. Übrigens auch die Antworten der
Verkäufer, sowohl was das Gewicht als auch das Probefahrten mit
Pedalarmverkürzungen anbelangte. Am Ende habe ich mich entschieden, meine
allgemein bekannten Daten wie Schrittlänge, Armlänge usw. zu nutzen und im www selber
nach einem passenden Fahrrad zu suchen. Wenn nötig eben auch ohne ein
Probefahrt machen zu können. Mindestens 140Kg Zul. Gesamtgewicht war dabei die
Ausgangsposition und nicht teurer wie 600EUR. Ich stieß auf nur sehr wenige
Räder wie z.B. das Kalkhoff Agutta 8R nur überzeugten mich dessen Testberichte
nicht wirklich. Bis ich….ich weiss jetzt geht ein Aufschrei durch die
Reihen….in der Ausgabe 1-2/2020 von „aktiv Rad fahren“ die Testberichte zu den
Urban-Bikes gelesen habe. Da war als eines der wenigen das Prophete Genießer
City Bike 28“ 20.BTC.10 mit „sehr gut“ bewertet worden. Zul. Gesamtgewicht
170Kg, Shimano 7 Nabenschaltung, Shimano Scheibenbremsen, Shimano Nabendynamo
und noch ein paar andere nette features mehr, wie z.b. starre Gabel, Rücklicht
mit Bremslichtfunktion, 70lux Frontbeleuchtung usw. Und dann das Ganze auch
noch für unter 600EUR zu haben. Gut der original Preis liegt bei 749EUR, aber
die Versender boten alle für unter 600EUR an. Nur konnte es, nach dem „sehr-gut“
Testergebnis in der „aktiv Rad fahren“ keiner mehr liefern, selbst der
Hersteller nicht. Am Ende habe ich noch eines in einem OBI Markt in Wittenberge
ergattert. 170Km von Hamburg entfernt. Nun höre ich die Gemeinde schon ….
Prophete was für ein Schrott, taugt nix ist billig usw. Nur ist das für meine
Anwendungsfälle und Nutzung von Relevanz? Ich habe das Rad soweit ich es übersehen kann
optimal auf meine Bedürfnisse eingestellt, die Kurbelverkürzung eingebaut, ein
paar Sicherheitsrelevante Schrauben (Eisen verzinkt) gegen VA getauscht und die
ersten Probefahrten und bereits 3x damit zur Arbeit fahren, vermittelten mir
ein gleiches, wenn nicht sogar ein besseres Fahrgefühl als mit meinem alten
Cube, das seit geraumer Zeit von unserer Tochter weiter gefahren wird. Ob die
Komponenten langlebig sind, das wird sich erweisen, jedenfalls gibt der
Hersteller auf Rahmen und Gabel 10 Jahre Garantie. Rückblickend muss ich leider sagen, die
Unterstützung aus dem Fahrradhandel, zumindest in meinem Fall war nicht das
Gelbe vom Ei. Am meisten stört mich aber, das obwohl man vorher auf die
geplante Nutzung hinweist, eine Preisgrenze nennt und auf das Bewusstsein
hinsichtlich der damit einhergehenden Qualitätsabstriche der Einzelkomponenten
hinweist, die Händler sofort Räder anbieten die zum Teil deutlich teurer sind,
mit dem Hinweis sie seien ja auch qualitativ hochwertiger. Für mich geht das an
den Bedürfnissen des Kunden einfach vorbei. Ich will kein Markenprodukt, wenn
ein preisgünstigeres meinen Anforderungen genügt ganz davon abgesehen das ich
in keinem Fall ein Livestyle Fahrrad für mehrere tausend EUR will, ich will nur
bequem von A nach B fahren können ohne einen Verbrennungsmotor starten zu
müssen. Und seinen wir mal ehrlich, wenn günstige Anbieter wie Prophete bereits
Anfang Juni keine Räder mehr liefern können und diese auch bei den Discountern
und Baumärkten vergriffen sind müssen ja wohl einige zigtausend Mitbürgerinnen
und Mitbürger mit ihnen auf der Strasse unterwegs sein, ohne das deren Rahmen
täglich reihenweise brechen oder deren „minderwertige“ Komponenten einfach aus-
wenn nicht gleich abfallen. Ich denke eher, die Nutzerinnen und Nutzer haben
einfach nicht den Anspruch an ihr Fahrrad das derjenige hat, der damit täglich,
bei jedem Wetter, lang Strecken zur Arbeit pendelt und das Rad auch sonst eben
ständig nutzt. Ich finde es nicht gut, das der Fahrrad Fachhandel dieses Feld
komplett den Discountern und Baumärkten überlässt, denn auch der Käufer eines
Rades unter 400 EUR hat meiner Meinung nach das Recht auf ordentliche Beratung.
Wobei wie in meinem Fall, auch hier nicht alles das Gelbe von Ei ist.


Gruß aus Hamburg


Jörg

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Chasse Patate

Draht_Esel

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2

Dienstag, 28. Juli 2020, 12:42

Meiner Meinung nach ist der Unterschied zwischen einem 300 € Rad vom Discounter und einem 500 € Rad vom Fachhändler materialseitig eher zu vernachlässigen. Allerdings sollte man beachten: das Rad vom Fachhändler ist endmontiert, das Rad vom Discounter nur vormontiert. Und wer nun glaubt, er müsste bei einem vormontierten Rad nur das naheliegende und offensichtliche tun, um es fahrbereit zu machen - nämlich Pedale anschrauben und den Lenker grade zu montieren wird vorraussichtlich nicht lange Freude an dem Rad haben bzw. muss mit einem deutlich erhöhten Unfallrisiko leben.

joka011

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3

Dienstag, 28. Juli 2020, 14:37

Hallo aus hamburg,


also zum einen muss ich dir Recht geben, denn wenn ich mich
an die Beschreibungen gehalten hätte, die in der mitgelieferten
Bedienungsanleitung standen, hätte ich z.B. die Lenkerhöhe bei meinem Prophete niemals
einstellen können weil der verbaute verstellbare Vorbau in der Anleitung gar nicht
beschrieben war, dafür aber 4 andere Ausführungen. Wenn ich aber deine Aussage
hinsichtlich des erhöhten Unfallrisikos einmal aufgreifen darf, dann frage ich
mich wie denn alle die Käufer von Dicounter- und Bauhaus-Fahrrädern
einigermaßen unbeschadet durch den Fahrradalltag kommen. Ich sehe auch das
solche wichtigen Dinge wir Bremsen korrekt einstellen, Speichenspannung prüfen
usw. für die Fahrsicherheit wichtig sind, aber führt ein nicht beachten
wirklich zu dadurch ausgelösten Unfällen? Da bekomme ich schon eher eine
Gänsehaut wenn ein Übergewichtiger Fahrer, so wie ich, sich auf ein MTB vom
Discounter schwingt und einen Berg runtersaust. Aber der überwiegende Teil der
Käufer die sich so ein „preiswertes oder auch billiges“ Rad kaufen nutzt es
wohl eher für den ganz normalen Weg zum Einkaufen oder am WE um mal raus zu
kommen. Und genau da ist eben die Frage, warum werden eigentlich keine für
diese Zielgruppe adäquaten Angebote von den Fahrradhändlern gemacht. Oder
anders gefragt, um dein Szenario aufzugreifen, warum weigern sich fast alle Fahrradhändler
solche Dicounter- oder auch Baumarkt-Fahrräder korrekt einzustellen. Die
Aussage, dann tragen sie die Verantwortung lasse ich nicht gelten, denn wenn
das wirklich so wäre würden sie sie ja auch tragen für die Räder die man bei
ihnen gekauft hat. Aber hier gilt im Recht eben der Satz, „eine Gefährdung nach
den Erfahrungen des täglichen Lebens ist bei der Nutzung des Gegenstandes nicht
auszuschließen.“ Am Ende nimmt die Gefährdung eher dann zu, wenn der Nutzer
seinen Gegenstand, also das Fahrrad, nicht bestimmungsgemäß nutzt. Also z.B.

ein 110kg schwerer Erwachsener mit einen Fahrrad das 16,5Kg wiegt und 2 Packtaschen
zu je 10 Kg mit einem Rad das ein zul. Gesamtgewicht von 120Kg hat eine 500Km Tour

durch ein Mittelgebirge unternimmt. Dann denke ich auch, dass ein Unfall vorprogrammiert ist.Gruß Jörg

Chasse Patate

VPAPR member chapter Mark

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Unterwegs von: 34.8202°N 82.2720°W (zwecks Verpflegung)

Unterwegs nach: 稚内市 (lecker Fisch)

Unterwegs über: درّہ خنجراب (Erdnüsse & getr. Aprikosen)

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4

Dienstag, 28. Juli 2020, 21:42

ein 110kg schwerer Erwachsener mit einen Fahrrad das 16,5Kg wiegt und 2 Packtaschen
zu je 10 Kg mit einem Rad das ein zul. Gesamtgewicht von 120Kg hat eine 500Km Tour


GENAU

Nach der 100sten Tour bricht definitiv das Baumarktrad zusammen. Aber nach der Wahrscheinlichkeit eines Fahrraddiebstahls trifft es dann eher den Dieb.
Man muss schon mindestens 1000 € beim guten Fachhandel und mindestens 100 € für ein gutes Schloss investieren, damit man mehr als 100 Touren à 500 km machen kann; nur darf man die jährliche Wartung im guten Fachhandel niemals vergessen und sollte sich vor jeder Tagesetappe auf die Waage stellen, sonst geht die Rechnung von der unbeschwerten Urlaubstour nicht auf.

:airborne:

Eure Rita Iron Knee

KTFL racing team
man fährt oder schiebt

2020: ohne Tacho
Origirat: (15.09.1979)
Insgesamt: bestimmt einmal rum


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Draht_Esel

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5

Mittwoch, 29. Juli 2020, 09:47

Also, generell soll es vorkommen, dass man selbst auf dem Weg zum Einkaufen Bremsen muss. Und wenn diese nicht richtig funktionieren, weil sie schlecht eingestellt sind, sind das die entscheidenden Meter die man verschenkt zwischen grade-noch-mal-gut-gegangen und ich-brauch-ne-neue-Kauleiste. In diesem Zusammenhang erzähle ich auch gerne immer die Anekdote mit dem Bekannten, der sich ein wirklich schönes Poser-MTB aus dem Nicht-Fachhandel gekauft hat - weißer Rahmen, rote Felgen, halt schickes Ding für wenig Geld. Nur dass sich ungünstigerweise und aus unerklärlichen Gründen nach wenigen Monaten Gebrauch bei einer kleinen Abfahrt die Kette und die Schalteinheit plötzlich zu einer unlösbaren Verbindung kaltverformt haben, was zu einem veritablem Sturz geführt hat. Ich sage immer: Laien sollten aus eben solchen Gründen im Fachhandel kaufen.

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