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becki

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Samstag, 15. September 2012, 02:58

Sellarunde

Während unseres dreiwöchigen Urlaubs in Südtirol haben wir eine Reihe von schönen Touren zu Fuß und mit dem Rad gemacht. Höhepunkte waren die Passrunde Mendelpass-Gampenjoch, die wir in den vergangen Jahren auch schon gefahren waren und die Sellarunde, von der ich hier erzählen möchte.

Heute ist der Tag der Sellarunde in den Dolomiten. Der Wetterbericht verspricht wolkenlosen Himmel. Wir schnallen die Räder auf das Autodach und brechen früh am Morgen von Algund aus auf. Knapp zwei Stunden später sind wir in Plan Gralba, dem Schnittpunkt von Sellajoch und Grödner Joch oberhalb von Wolkenstein. Von hier aus wollen wir die Runde fahren, die insgesamt etwa 52 km lang ist, über 4 Pässe führt und gut 1.700 Höhenmeter überwindet.

Es ist noch ziemlich frisch. Die Temperatur liegt bei 14 Grad. Wir fahren mit Minirucksack, der uns die Möglichkeit bietet, zusätzlich zur Regenjacke noch ein Langarmtrikot mitzunehmen. Wir starten mit Ärmlingen und Windweste.

Der erste Pass ist das Grödner Joch (2121 m). Da wir in über 1850 m Höhe gestartet sind und die Steigung darüber hinaus sehr moderat ist, taugt die Auffahrt (knapp 6 km) perfekt zum Einrollen. Schon auf den ersten Metern nimmt uns die grandiose Kulisse der Dolomitengipfel gefangen. Weniger angenehm ist, dass ich auf dem etwa 2 km langen Flachstück, auf dem man sogar fast 20 m Höhe verliert, in den Schatten komme. Die Temperatur sinkt schnell auf 6 Grad! Da es hier auch recht schnell vorangeht habe ich das Gefühl, dass mir fast die Oberschenkel abfrieren. Zum Glück biegt die Route, nun wieder ansteigend links ab, und so kann ich das letzte Stück bis zur Passhöhe wieder in der Sonne fahren.

Oben warte ich auf Edith und ziehe mir für die Abfahrt die Windjacke an. Die Abfahrt nehmen wir gemeinsam. Sie ist gut 9 km lang und führt nach Corvara in Badia, etwa 1550 m hoch gelegen. Die Abfahrt hat nicht überall einen perfekten Belag, fährt sich aber wegen ihrer zahlreichen und nicht allzu engen Kehren mit dem Fahrrad wirklich toll.

Unten angekommen freuen wir uns über die gegenüber der Passhöhe deutlich höheren Temperatur. Es herrscht hier allerdings ein gewaltiger Trubel. Wir biegen rechts ab und wenden uns dem zweiten Pass, dem Campolongo zu. Edith fährt wieder voraus. Bis zur Passhöhe (1875 m) sind etwas mehr als 6 km zu fahren. Ich schlängle mich durch die Ausläufer des Orts. Es beginnt eine Kehrenanlage mit sehr kurzen aber recht giftigen (>10%) Passagen hinter einigen Rechtskehren. Ab und zu schaue ich auf den langsam versinkenden Ort zurück und lasse die hier völlig andere Dolomitenkulisse auf mich wirken. Nach gut zwei Dritteln der Auffahrt blitzt die höchste Berggruppe der Dolomiten, die Marmolada mit ihren weißen Gletscherflächen auf, wird wenige Augenblicke später wieder durch einen vorgelagerten Grat verdeckt. Die Passstraße legt sich nun recht angenehm zurück und erlaubt zügiges Rollen. Nach einer halben Stunde bin ich oben. Edith fotografiert ein wenig, bevor wir uns auf die nur 4 km lange Abfahrt nach Arabba (1590 m) machen.

Wir machen hier eine kleine Pause, gönnen uns einen Riegel und trinken. Es fällt mir immer schwer, mich bei Auffahrten zum Trinken zu zwingen, und bei den Abfahrten konzentriere ich mich lieber auf die Straße und die Kehren statt zur Flasche zu greifen.

Nun geht es auf das Pordoijoch (2239 m), das wir nach einem Anstieg von gut 9 km erreichen. Der Anstieg ist sehr gleichmäßig; die Steigungsspitzen erreichen kaum 9 %, die Durchschnittssteigung ist 7 %. Auch diese Auffahrt ist wunderschön; die Ausblicke lassen uns die Anstrengungen, die uns jetzt doch langsam in die Beine steigen, vergessen. Die Straße schlängelt sich in vielen Kehren über einen weiten begrünten Hang immer umrahmt von schroffen Felstürmen.

Auf der Passhöhe ist die Hölle los. PKW, Motorräder, Busse. Die Straße ist verstopft, die Restaurants überfüllt. Wir finden gerade noch einen freien Tisch auf einer der Terrassen und bestellen uns etwas zum Essen. Nach einer Stunde geht die Fahrt weiter. Nun geht es wieder etwa 6,5 km bergab.

Die Abfahrt ist eigentlich toll, heute leider wegen des starken Verkehrs extrem nervig. Zuerst schleichen zwei PKW mit 30 Sachen vor mir die Geraden entlang. Kaum habe ich die beiden Kandidaten überholt, den einen in einer Rechtskurve, in der er förmlich Stehversuche unternommen hat, den anderen auf einer Geraden, laufe ich auf eine Schlange von Fahrzeugen auf, die von einem Bus eingebremst wird. Ich bin entnervt und mache 10 Minuten Pause. Besser wird es trotzdem nicht. Es gibt noch mehr Schnarcher. Endlich treffen wir auf die von Canazei heraufziehende Sellajochstraße.

Der letzte Aufstieg beginnt. Zunächst ist wieder Kleiderwechsel angesagt. Das Thermometer zeigt jetzt 24 Grad. Also weg mit der Windjacke. Das Sellajoch ist 2240 m hoch. Der Anstieg ist 5,5 km lang, trotz einiger Flachpassagen durchschnittlich 7,5% steil und hat Steigungsspitzen bis 11 %, die uns jetzt nach drei Pässen ziemlich weh tun. Ich versuche viel zu trinken und schiebe nochmal zwei Riegel nach. Die weiterhin monumentale Gebirgslandschaft tritt in meiner Wahrnehmung zu Gunsten meiner zunehmend schmerzenden Beine jetzt etwas in den Hintergrund. Unterwegs werde ich verdächtig schnell von einer Gruppe Mountainbiker überholt. Als ich oben ankomme sehe ich den Grund für den Speed: es sind Elektrobikes mit großen Akkus und einer Antriebseinheit im Tretlager. Ich glaube, da würde ich dann lieber Motorrad fahren.

Auf der Passhöhe macht Edith noch ein paar Fotos. Dann brechen wir zur letzten Etappe auf: Abfahrt nach Plan Gralba. Hier ist wenig Verkehr. Ein Auto muss trotzdem niedergekämpft werden. Nach weniger als 8 Minuten haben wir den Parkplatz erreicht, von dem wir losgefahren waren. Wir sind ziemlich euphorisch: es war ein wunderschöner Tag mit geradezu perfektem Wetter, einer tollen Fernsicht und einer Rundfahrt inmitten einer grandiosen Bergwelt.

Im Nutzhof, unserem Quartier während des Urlaubs, lassen wir uns am Abend von der Hotelchefin, Frau Obkircher, mit einer schönen Flasche Lagrein und Spaghetti Carbonara verwöhnen, um die Glykogenspeicher wieder aufzufüllen.

http://trainingstagebuch.org/map/show/1829820?v1

Zusammenfassend möchte ich jedem, der in dieser Region mal Urlaub macht oder vielleicht machen möchte und sein Fahrrad oder ein Fahrrad zur Verfügung hat, diese Runde sehr eindringlich empfehlen. Es sind 4 Pässe zu fahren, von denen drei deutlich höher sind als 2000 m, aber die einzelnen Auffahrten sind weder besonders lang noch besonders steil. Jeder, der einigermaßen regelmäßig mit dem Rad unterwegs ist, sollte diese Tour fahren und die umwerfend schöne Gebirgslandschaft genießen können.

Das Stilfser Joch zum Beispiel, von dem Zeuss gerade eindrücklich berichtet hat, ist als einzelner Pass deutlich anstrengender als die komplette Sellarunde, wie ich sie hier beschrieben habe.

Falls jemand ambitionierter unterwegs ist als wir an diesem Tag, kann er die Sellarunde natürlich auch ausdehnen und damit anspruchsvoller gestalten. Wenn man z.B. statt des Campolongo den Valparolapass fährt kommt man auf 82 km und etwa 2400 Höhenmeter. Wenn man nach dem Valparola an der Falzarego-Passhöhe links Richtung Cortina abbiegt und dann von Pocol über den Giaupass und den Colle Santa Lucia nach Arabba und damit zum Pordoi zurückkehrt, sind es nochmal gut 1000 Höhenmeter mehr. Niemand muss also hier unterfordert den Tag beenden…..

Becki

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Sonntag, 16. September 2012, 09:58

Hallo becki,

toller Bericht, Danke :thumbsup: Die Sellarunde wurde mir von einem gewissen Wolfgang Beckmann bereits 2010 empfohlen, diese hatten wir für 2011 geplant, dann kam aber die Tdf dazwischen so das wir umschwenkten und am Fuße des Galibier unser Quartier bezogen. Wir werden aber versuchen 2014 diese Runde zu fahren, da 2013 wieder im Zeichen der TdF (100) stehen wird.

Noch eine Frage sei mir gestattet, handelt es sich zufällig bei becki um Wolfgang Beckmann, wenn ja stand ich aber feste auf dem Schlauch :love: wenn nicht gibt es zwei Berliner die ähnliche Interessen und Schreibstile haben, dann *sorry*

LG Zeuss

becki

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3

Sonntag, 16. September 2012, 13:17

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »becki« (16. September 2012, 13:23)


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Sonntag, 16. September 2012, 20:23

Danke schön,

für die wirklich schönen Bilder, manchmal eben bin ich etwas oberflächlich wenn es darum geht 1 und 1 zusammen zu rechnen :o

LG Zeuss

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