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Anrados

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1

Dienstag, 12. November 2013, 20:36

Der Berg ruft - Stilfserjoch

Es ist Freitag der 13.September und da ich in Südtirol ein wenig urlaube und nicht
abergläubisch bin bietet es sich natürlich an das Stilfserjoch mit
dem Rad zu erklimmen - nein nicht nur anbieten, es zwingt sich mir praktisch auf. :)

Da ich in der Nähe von Meran campiere dauert die Anfahrt leider etwas länger als gedacht
und so parke ich den Wagen erst gegen 12 Uhr kurz hinter Prad
am Stilfserjoch auf etwa 900Hm und mache den Crosser startklar.
Es ist sonnig bei etwa 20 Grad und es sind ja nur 25 Kilometer denkt der Flachland Radler.
Die ersten Kilometer sind auch nur mit einer geringen Steigung von schätzungsweise 6 bis 8 Prozent
gut zu fahren die Sonne knallt ganz gut und mir wird klar
dass ich die Sonnencreme vergessen habe. Ich denke das wird schon nicht so schlimm
da zwischendurch ein paar Wolken die Sonne immer wieder verdecken.



Das Alpen Panorama ist wirklich beeindruckend und irgendwann fällt mir auf dass die Kehren nummeriert sind. Später erfahre ich dass es im ganzen 48
Kehren sind - wenn ich das vorher gewusst hätte... :huh:
egal jetzt bin ich am Berg und muss da rauf.



Da ich ja jetzt nicht so der Berg Spezialist bin habe ich an das Rad vorher noch ein neues kleineres 22 Zähne Kettenblatt angeschraubt damit ich selbst
bei 6 km/h noch eine einigermaßen optimale Trittfrequenz habe. Schnell wird klar dass das eine gute Entscheidung war denn schon bald
bin ich im kleinsten Gang und quäle mich den Berg rauf.
Der Verkehr hält sich heute in Grenzen. Auf einigen Abschnitten ist es überraschend
ruhig. Viele (Renn)Radler kommen mir schon entgegen aber auch einige (wenige) überholen mich.
Die Motorradfahrer fahren überwiegend gemütlich und so fahre ich von Kehre zu Kehre halte zwischendurch
mal an um das atemberaubende Panorama zu fotografieren und weiter geht’s. :thumbup:
Langsam wird es anstrengend laut Wiki hat der untere Teil im Mittel zwölf Prozent Steigung weiter oben werden es durchschnittlich 15 Prozent !



Hin und wieder kommen ein paar Sportwagen vorbei oft in einer Gruppe was sehr beeindruckend aussieht und sich auch entsprechend anhört wenn
mehrere Ferraris, Porsches oder Lotus an einem vorbeiziehen.
Da die Passstraße recht eng ist und auch der Straßenbelag nicht der beste ist versucht
hier keiner Bestzeit zu fahren zumal die Kehren sehr eng und praktisch nicht einzusehen sind (gerade aus Sportwagenperspektive) so
das man ab und zu auch mal warten muss.
Wieder andere Autofahrer sind wohl nicht ganz so Berg erprobt und malträtieren
ihre Kupplungs und Bremsbeläge extrem und das stinkt dann einige
hundert Meter weit. Wer mal verbrannte Kupplung gerochen hat weiß was ich meine, sehr unangenehm in der Nase.

Unangenehm findet es auch mein Kreislauf so ab 2000 Höhenmetern.

Ob es nun an der dünneren Luft, dem Bierbauch dem Alter oder mangelndem Training oder
an allem zusammen liegt – mir geht jedenfalls zunehmend die Puste aus. :fie:
Irgendwie muss eine andere Strategie her sonst kipp ich noch vom Rad.
Also wird an jeder zweiten oder dritten Kehre kurz angehalten ein Schluck Iso Drink mit
Cola oder Wasser getrunken ein Foto gemacht wenn die Aussicht grad passt und weiter zur nächsten Kehre.
Die Taktik scheint ganz gut zu funktionieren.

So ab Kehre 30 hat man dann schon das Ziel die Bergstation vor Augen – den Weg dahin
leider auch. Da tut sich praktisch eine Wand auf an der in :golly:
abenteuerlichen Linien die Passstraße angeklebt wurde. Chapeau an
die Straßenbaumeister. Das Teufelchen auf meiner linken Schulter
versucht mir einzureden dass ich einfach nur umdrehen muss und runter
rollen kann ohne ein einziges Mal zu treten, das Engelchen rechts
kontert und will da hoch.




So geht es dann weiter Kehre - kurze Pause - trinken - Aussicht genießen und gucken
und was sich sonst noch so am Berg tummelt als da wären vom
Supersportwagen bis zum antiken Motorrad alles dabei.

Es wird zunehmend kälter die Beinlinge habe ich schon an und auch die Windjacke.

Da verlangt das interne Power Management nach mehr Kalorien, da habe ich mich wohl
etwas verschätzt, die Banane und der Müsliriegel sind längst
verbrannt. Wie soll man das als Flachland Radler auch einschätzen,
für 25 km Strecke macht man sich eigentlich keine Gedanken über
Kaloriennachschub. Ich versuche den Hungersensor mit dem Gedanken an
lecker heiße Suppe und Kakao auf der Passhöhe zu besänftigen. ;)

Wasser ist übrigens kein Problem da es in regelmässigen Abständen glasklare
Gebirgsbäche gibt die sogar teilweise in Brunnen geleitet werden.
Hier habe ich keine Bedenken was von zu trinken und man spart sich
Ballast den man hochschleppen muss.

Nach viereinhalb Stunden gefühlt kürzer ist es endlich geschafft und ich stehe auf
2760 Meter Höhe am Passo dello Stelvio. Es ist schon ein erhabenes Gefühl und eine
ebensolche Aussicht hier oben. :thumbsup:
Aber auch die Tourihändler wollen was vom Kuchen und so ist hier oben fast Kirmes.
Einige Andenken Läden mit Tshirts und anderen nutzlosen Utensilien sowie einige Wurstbuden.
Die Italiener scheinen auf Würstchen zu stehen denn auch in Meran und Bozen sind die allgegenwärtig.



Leider haben die meisten Restaurants hier oben schon geschlossen aber eins hat noch geöffnet und so kann ich mich
bei Gulaschsuppe und heißer Schokolade die ihre Namen wirklich
verdient weil der Löffel fast drin stehen bleibt am Kaminfeuer aufwärmen. :lecker:

So gegen 17.30 Uhr mache ich mich auf dem Weg zur Abfahrt.

Es ist wirklich schweinekalt, ein Thermometer in Eingangsnähe des Restaurants zeigt
noch 5 Grad an aber die Schneereste auf einem Stuhl der Außenterrasse deuten eher auf 0°C. :huh:
Noch schnell die Regenjacke drübergeworfen den Buff unter den Helm gezogen kurzer
Bremsen Check und los geht’s.

Die Strecke ist zum Glück und wohl auch wegen des späten Nachmittags relativ leer und
so kann ich es gut rollen lassen.

Von oben kommend hat man auf dem Rad eine ganz gute Übersicht und so kann ich die Kehren
mit hohem Tempo außen anfahren kurz und knackig bremsen um die Ecke zirkeln und weiter rollen.

Temperaturprobleme der Bremsen sind so nicht zu erwarten, die traten an anderer Stelle auf.
Nach etwa 5 Kehren werden die Finger merklich kalt und mir schmerzlich bewußt das die
langen Handschuhe 2000 Meter tiefer im Auto nicht wirklich günstig liegen. ;(
Das sind zwar auch nur so dünne Montagehandschuhe aber besser als gar nix.
Nach weiteren 5 Kehren muss ich anhalten da mir zunehmend dasGefühl aus den Fingern
entweicht. Beim Bremsen könnte das fatal sein, ich muss mir was einfallen lassen.
Also nochmal die Satteltasche durchwühlt und eine Tüte und eine Sattelregenhaube
gefunden.
Funktioniert erstaunlich gut und so kann ich an einem Radlerduo und auch einem PKW vorbeiziehen.

Unterwegs passiere ich auch noch den vollgepackten Reiseradler den ich schon auf der
Auffahrt überholt habe. Unglaublich was der leistet. Wenn ich an meinen Reisetrekker denke –
den könnte ich wahrscheinlich nicht mal da rauf schieben.

Das Kurvengeschlängel nimmt kein Ende. Die Federgabel scheint aufgrund
der Temperatur und des hohen Tempos (auf den Geraden ca. 40-50km/h)
ihre Arbeit eingestellt zu haben so das man die Dämpfung selber
leisten muss. Auf die Dauer ganz schön anstrengend und in Verbindung
mit der Kälte ziemlich unangenehm.

Die Sonne ist längst hinter den Bergen und den Wolken verschwunden und das Panorama hatte
ich auf dem Hinweg schon ausreichend genossen.
So kann ich mich ganz dem Geschwindigkeitsrausch (und dem Wunsch nach wärmeren
Gefilden) hingeben
Nach etwa 40 Minuten erreiche ich wohlbehalten, frierend aber glücklich und stolz den Parkplatz. :D :D :D


Eine „Erfahrung“ im warsten Sinne des Wortes.




Gruß
Andy

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meusux

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2

Dienstag, 12. November 2013, 20:53

Klasse Bericht, den Stelvio werde ich mir auch mal antun

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Anrados

Kirsche

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3

Dienstag, 12. November 2013, 21:03

Irre, du bist manchmal aber auch etwas stur wenn du was willst. Finde ich klasse das du es durchgezogen hast :-)
Mit liebem Gruß,

Kirsche
------------------------------------
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Gene Krupa

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4

Dienstag, 12. November 2013, 21:20

Jo mei, Andy,

schön zu lesender Bericht, und Chapeau :thumbsup:

...ich wäre wohl noch unterwegs Richtung Gipfel :D

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Anrados

3rd_astronaut

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5

Dienstag, 12. November 2013, 23:48

Respekt, ich habe es bisher nur als Beifahrer/Passsagier im Auto/Bus dort hoch gebracht ;-)

Dort oben ist ja auch eines der wenigen verbliebenen Sommerskigebiete (und vermutlich das kultigste dazu). Aber durch das Zurückgehen der Gletscher sieht man die Skifahrer von der Straße nimmer so gut.

Zeuss

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6

Mittwoch, 13. November 2013, 00:32

Guten Morgen,

der Stelvio ist schon Einer der einen Radfahrer wirklich beglücken kann. Glückwunsch :thumbsup: Mein letzter Gang zum Pass war fast genau ein Jahr davor.

VG Zeuss

Opa Pit

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7

Mittwoch, 13. November 2013, 09:55

Ich habe Eure Tourenberichte gern gelesen, haben sie doch Erinnerungen an meine Bewältigungen dieser Passstraße geweckt.
Das war allerdings vor mehr als 30 Jahren. Mein Rennrad war mit der damals üblichen kleinsten Übersetzung von 42/25 bestückt. Damit hätte ich die Serpentinen im letzten Drittel kaum mehr geschafft. Die Rechtskurven haben dort im Innenbereich Steigungen von 30% und mehr. Ich bin dann vor diesen Kehren auf die linke Straßenseite ausgewichen und bin dann nach der Kehre wieder nach rechts rüber. So habe ich jede Kehre zu einer kurzen Erholungsphase gemacht. Heute wird das vom Verkehrsaufkommen gar nicht mehr möglich sein. Aber mit 34/28 muss man das auch nicht mehr.
Als sehr unangenehm habe ich die Abfahrt in Erinnerung. Man ist ja ständig am Bremsen und hat deswegen seine Hände nur am Unterlenker. Deswegen muss man den Kopf dauernd nach oben strecken. Das hat mir mit der Zeit solche Genickschmerzen bereitet, dass ich Genickerholungspausen einlegen musste. Normalerweise kann eine Abfahrt nicht lang genug sein – damals war ich froh, in Prad angekommen zu sein.
Noch ein Tipp: Aufs Stilfser Joch kann man auch über den Umbrail-Pass (Nordseite) fahren. Ich habe diese Auffahrt als angenehmer in Erinnerung. Und das Verkehrsaufkommen dürfte dort auch heute noch erträglich sein.

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