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Radsonstnix

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Montag, 16. Dezember 2019, 10:31

Reisebericht Radtour Sommer 2019

Ich möchte ja den Reisebericht von der Sommerradtour wenigstens noch in diesem Jahr beginnen. Die Absicht war ja, von unserem Feriendomizil in der Fränkischen Schweiz nach Hause zu radeln:

Tag 1 (Bauernhof - Weißenstadt)

Der erste Tag unserer Radreise begann mit einem weinenden und einem lachenden Auge: Leider waren zwei wundervolle Wochen Urlaub auf unserem Lieblingsbauernhof zu Ende. Dafür stand uns nun eine hoffentlich tolle Radreise bevor.

Unsere Taschen hatten wir bereits am Abend vorher gepackt, eine gewisse Aufregung und Vorfreude machten sich breit (außer bei meiner Frau, für sie bedeutete es, die motorisierte Familienkutsche alleine nach Hause fahren zu müssen).

Die Bauernfamilie hatte ja zu Beginn nicht so ganz an unser Projekt geglaubt. Mit einem Stirnrunzeln hatte der Bauer bei unserer Anreise die Fahrräder auf der Anhängekupplung bemerkt. Aus vorangegangenen Jahren kenne ich seine Kommentare dazu: „Die werden höchstens einmal benutzt - dann stehen sie nur noch nutzlos in der Scheune herum!

Ja, die Fränkische Schweiz hat es in sich, da überschätzt sich so Mancher aus flacheren Landen. Und nun also kommen wir, Stammgäste im 9. Jahr zu unserem 10. Besuch, und haben jetzt auch Räder dabei…

Herrlich das Gesicht, als wir unseren Rückreiseplan offenbart hatten. 8)

Immerhin habe ich dann mein Rad an drei Tagen schon vor der Rückreise genutzt, insgesamt kamen so schon knappe 70 Km zu Stande, und 1130 Höhenmeter. Wenigstens noch ohne Gepäck, aber leider auch ohne Tochter, sie wollte nicht.

Nach diesen Ausflügen hatte ich dann doch Sorge, ob wir die bevorstehenden Steigungen würden bewältigen können. Aber Kneifen gilt nicht - jetzt gab es kein Zurück mehr. Auch die zwischenzeitlich eingetroffenen Radkarten brachten keine besseren Routen hervor, schließlich waren die Unterkünfte fest gebucht. (Wir hatten noch ADFC-Karten besorgt. Zum einen sollte meine Tochter auch lernen, wie wir früher navigiert haben, zum anderen lässt sich eine Route am Handy-Display nur sehr unkomfortabel um planen).

Am Tag der Abreise begann es ganz leicht zu regnen. Grrr. Also die sorgfältig verpackten Regenklamotten wieder rausholen und rein in die Pelle.

Nun sollte es also endlich losgehen. Das Auto und die Räder wurden gepackt, eine Menge Hände geschüttelt, ein paar Fotos gemacht: Und ab ging die Post.



Vom Bauernhof weg nahmen wir einen Feldweg, leicht abschüssig. Meine Tochter war hochmotiviert, sie legte ein atemberaubendes Tempo vor. Ich musste sie ein wenig bremsen, fehlte ihr doch die Erfahrung, mit einem schwer beladenen Rad auf losem Untergrund so schnell zu fahren. Und die teils großen Steine können ein Rad ganz schön tückisch zur Seite schlagen.



Und dann viel mir auf, dass ihr Rücklicht nicht funktioniert. Toll, der erste Defekt nach noch nicht einmal einem Kilometer! Aus taktischen Gründen sind wir aber noch so weit gefahren, bis wir vom Bauernhof aus nicht mehr zu sehen waren.

Immerhin war der Fehler schnell gefunden und noch schneller behoben: Offenbar beim Einklicken der Taschen war das Kabel herausgerissen worden.

Bei leichtem Nieselregen ging es nun recht flott Richtung Osten, Richtung Bayreuth, welches wir im Norden, vorbei an der Bayreuther Klinik und am Festspielhaus, durchfahren haben. Nach ca. 15 Kilometern, an einer Ampel in Bayreuth passierte dann ein kleines Malheur. Wir hatten nicht den richtigen Abzweig genommen und mussten ein Stückchen zurück. Dabei ist meine Tochter mitsamt dem Rad umgekippt und hat sich recht schmerzhaft das Knie blutig angeschlagen.

Für die äußere Verletzung gab es ein Pflaster, für die innere Heilung gab es etwas von den Süßigkeiten, die uns die Bäuerin zum Abschied mitgegeben hatte.



Dann die Frage: War die Tour hier bereits am Ende?
Dieselersparnis: 2013 bis Januar 2018 ca. 965L; Benzinersparnis 2018: 121L; 2019: 281L; 2020: 298L

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Dienstag, 17. Dezember 2019, 11:29

Jetze macht der Kerl datt wieder so spannend! 8|

Ich drücke die Daumen für deine Tochter und uns, dass es weitergeht. Aber ich bin guter Dinge, bisher haben wir deine Tochter hier ja als zähes Mädel kennen gelernt :thumbup:

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Montag, 23. Dezember 2019, 10:43

Ja, zäh ist mein Kind. Das Knie war funktionell nicht beeinträchtigt, auch nicht geschwollen. Mein Kind wollte auf jeden Fall weiterfahren! Wenigstens hatte es inzwischen aufgehört, zu regnen.

Nach diesem ungeplanten Stopp ging es weiter, jetzt erstmals Richtung Norden. Als erste echte Herausforderung wartete nach ca. 20 Kilometern der Bindlacher Berg, direkt neben der A9 gelegen, auf uns. Und mit der „Alte(n) Bergstraße“ auch die erste Rampe (14% Steigung), die wir dann auch nur schiebend bezwingen konnten. Mann, das war vielleicht eine Mordsplackerei.

Jean Paul schrieb in seinem „Siebenkäs“ dazu: „Spät erblickte er ihn auf der hinter dem Dorfe Bindloch aufsteigenden langen Anhöhe, einer Bergstraße im eigentlichen Sinne, auf der weder ab- noch aufwärts zu eilen war.“ Das Stück war so steil, dass ca. alle 20 Meter eine Querrinne zum besseren Regenwasserabfluss vorhanden war.



Schon bald pendelte sich der Rhythmus „Schieben - Rinne - Pause - Schieben“ ein. Gute 20 Minuten für 800 Meter Strecke.

Endlich oben, waren wir beide satt.

Die verdiente Pause konnte aber nicht so richtig genossen werden, denn jetzt begann es wieder zu regnen. Hoffentlich würde das jetzt nicht die ganze Zeit so weiter gehen - ich fürchtete, dass es das dann gewesen sein würde mit der Radbegeisterung meiner Tochter.

Aber was half Jammern? Nichts! Eben. Also wieder rein in die Regenklamotten. Die tolle Landschaft, die traumhaften Aussichten (hinter uns die Fränkische Schweiz, vor uns das Fichtelgebirge) konnten wir gar nicht entsprechend würdigen. Es folgte eine sehr heftige Regenattacke - von dieser fiesen hinterlistigen Art, die das Wasser trotz guter Regenkleidung bis zur Unterwäsche vordringen lässt. Brrrrrr. Kein schönes Radeln. Die Stimmung war zu diesem Zeitpunkt ganz klar nicht sehr hoch.

Nach einem Kilometer waren wir richtig nass. Wir kamen an einen Kreisverkehr, der mit einem Buswartehäuschen gesegnet ist. Dort haben wir eine weitere Pause gemacht und unsere Vorräte geräubert (Eier, Nüsse, Schokoriegel, Äpfel und Wasser - ausgewogene Ernährung: genau mein Ding!).

Etwa 20 Minuten später ließ der Regen ein wenig nach - man konnte sich wieder raus trauen.



Am Ortsschild Röhrenhof habe ich dann dieses Foto gemacht:



Danach sind wir bis Bad Berneck gefahren. Dort haben wir uns zunächst eine Apotheke (Meersalzspray für die Nase) und dann einen Bäcker (warmen Kakao + Kuchen) gesucht. Der Regen hatte dann auch irgendwann endlich aufgehört.

Als wir Bad Berneck wieder verlassen haben, kam uns eine Familie entgegen, die auch auf Radreise war - aber so richtig: Die Mutter mit einem vollgepackten Fahrrad, zwei Kinder auf Fahrrädern (beide ohne Gepäck), der Vater mit einem vollgepackten Fahrrad und einem vollgepackten Anhänger - und noch einem Kind darin. Und alles ohne E-Antrieb: Respekt!

Es folgte eine im Grunde sehr schöne Strecke am Weißen Main entlang bis Bischofsgrün. Sieben Kilometer traumhafter asphaltierter Radweg durch den Wald, OHNE Regen.

Und doch musste meine Tochter hier - wo es endlich anfing schön zu werden – heftig weinen.
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Donnerstag, 13. Februar 2020, 12:17

Sorry, komme zurzeit nicht so zum Schreiben, ...

… aber heute geht es weiter:

Ja, ein schöner Weg - aber stetig bergauf. Nicht sehr steil, wir konnten es beide gut fahren, Tempo immer so um die 10 Km/h, aber eben doch sehr anstrengend. Nicht ein einziges Mal auch nur der Hauch einer Ebene. Nach 5 Kilometern wurde es meinem Kind dann zu viel, die Tränen ließen sich nicht mehr zurückhalten.

Da half nur eine Pause und Traubenzucker.

Während dieser Pause kam ein weiterer Radreisender daher, gleiche Richtung wie wir, also bergauf. Vorne und Hinten volle Packtaschen (alle in rot) - und mit einem Tempo, dass wir gerade mal zum Grüßen gekommen sind - dann war er schon wieder weg. Irgendetwas hatte er uns zugerufen – wir haben es beide leider nicht verstanden. Sozusagen ein Roter Blitz. Genau die richtige Motivation in dieser Lage …

Wir konnten dann weiterfahren, nachdem ich mühsam auf dem Handy-Display herausgefunden hatte, wie lange die Steigung noch gehen würde („Schau mal Schatz, nur noch 2 Kilometer, und 5 sind wir schon bergauf gefahren!“).

Seit diesem Moment gehört das Streckenprofil meiner bevorzugten Navigations-APP fest zum Bestandteil einer Tour. Jeden Morgen, unmittelbar vor dem Start – wurde von nun an zuallererst geprüft, wie viele und was für Steigungen uns erwarten würden – und welche davon eventuell sogar rot markiert waren. Zu wissen, was vor ihr liegt, hilft meiner Tochter.

In Bischofsgrün, die Steigung lag nun hinter uns, besserte sich die Stimmung. Wir haben ein altes Sägewerk bewundert - und dann ging es auch mal wieder bergab! Das zauberte endlich wieder ein Lächeln, nein, ein Grinsen ins töchterliche Gesicht.



Nur das mit dem Regen - das wollte an diesem Tag einfach nicht aufhören. Bei unserer letzten Pause haben wir Zuflucht unter dem Marlboro-Baum gesucht - gegenüber von einer Reha-Klinik, auf deren Gelände komplett das Rauchen untersagt ist - noch Fragen?

Ein wenig traurig war ich schon, es hätte einige interessante Highlights gegeben (Flussquellen, Panoramaausblicke), aber aufgrund des miesen Wetters haben wir diese Umwege gestrichen. Jetzt wollten wir nur noch ankommen. Und nach gut 49 Kilometern (darüber ärgere ich mich heute noch, in meiner persönlichen Statistik führe ich ja Tagestouren über 50 Km extra auf) haben wir dann unsere erste Unterkunft (Schönlind bei Weißenstadt) erreicht.

Endlich raus aus den nassen Klamotten, eine heiße Dusche, trockene Klamotten, das ließ sich schon mal gut an. Dann rüber in die Gaststube und Essen. So der Plan. Denkste! Es war grad spontan eine Hochzeitsgesellschaft zu einem Zwischenstopp (Druckbetankung) eingefallen. Für uns gab es keinen Sitzplatz. :cursing: Unsere Gesichter müssen Bände gesprochen haben. Ich habe auch aus meiner Begeisterung, dass man offensichtlich als vorgeplanter Pensionsgast einen Tisch reservieren müsse, keinen Hehl gemacht. Man versprach uns einen Tisch in ca. 45 Minuten. Nun gut, so lange haben wir uns auf unser Zimmer getrollt. Und dann wurde der Abend noch ganz nett, es gab richtig was auf den Teller (Spätzle, Medaillons, Pilze - ich habe den Verdacht, dass die Portionen ungewöhnlich groß waren - ein Versöhnungsangebot, für das ich durchaus empfänglich sein kann) - und ins Glas (Mönchshof und Malzbier). Beide waren wir jetzt wieder rundum glücklich!

Einen kleinen Stich gab mir allerdings die Bemerkung meiner Tochter, dass sie sich schon so auf zu Hause freuen würde - alles in allem war der Tag in der Summe nicht so schön gewesen - wegen des Regens und der doch recht heftigen Steigungen. Wie würden die nächsten Tage werden? … Ich werde berichten ...

Statistik Tag 1:

Strecke: 49,77 km
Fahrzeit: 4 Stunden 28 Minuten
Unterwegs: 6 Stunden 33 Minuten
Höhenmeter: 810 Meter hoch
600 Meter runter
Gerollter Schnitt: 11,13 km/h
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Donnerstag, 13. Februar 2020, 23:22

Ohje, das war ja ein dramatischer Tag.

Aus eigner Erfahrung kann ich nur empfehlen, die gleiche Strecke in drei, vier, fünf Jahren nochmal zu fahren. Was haben wir bei meiner ersten Radreise auf eigene Faust geflucht, als wir über den Teutoburger Wald mussten - jedenfalls die ersten Meter, danach war die Luft dazu zu kostbar: Nur Heckgepäckträger, dieser total überladen mit der geliehenen Haberland-Taschenkombi (ja, das Ding mit dem Koffer quer oben drauf), mega-steil (aus niederrheinischer Perspektive), das Vorderrad will immer hochsteigen, heiß, Steigung nimmt kein Ende… ein paar Jahre und viele Erfahrungen später stand der gleiche Anstieg wieder auf dem Programm. Was hatte ich Respekt vor dem Ding. Und dann waren wir oben, bevor ich außer Puste kommen konnte. Geiles Gefühl :)

Für diese Reise drücke ich aber die Daumen, dass das Wetter ab jetzt mitspielt!

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Freitag, 14. Februar 2020, 09:27

"Aus eigner Erfahrung kann ich nur empfehlen, die gleiche Strecke in drei, vier, fünf Jahren nochmal zu fahren. "

Coole Idee. Zumal wir regelmäßig auf diesem Bauernhof sind. Allerdings gäbe es auch sehenswerte Streckenvariationen.
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Freitag, 14. Februar 2020, 11:44

Tag 2 (Weißenstadt - Taltitz):

Die bange Frage am nächsten Morgen: Was würde der heutige Tag bringen? Jedenfalls wurde erst einmal das Höhenprofil gecheckt. Dazu erhielt ich von meiner Tochter ganz genaue Ansagen, wann ich ihr mitteilen dürfe, dass es wieder bergauf gehen würde, wie lange das andauern würde, wie steil ungefähr, aber auch, wann ich lieber nichts sagen sollte. 8o Puuuhhhh

Ein ordentliches Standardfrühstück und mühsam wieder bepackte Taschen später wollte der zweite Tourtag dann in Angriff genommen werden. Oh Mann, schon wieder Regen! Den ganzen Sch… Sommer lang brutale Hitze, jammernde Bauern, austrocknende Seen - und wenn wir radeln, regnet es. :cursing: :cursing: :cursing:

Wenigstens heute nur ein leichter Nieselregen, wir entschieden uns lediglich für die Regenjacken.

Tröstend auch, dass es mit einer tollen Bergabetappe losging, Richtung Weißenstadt Zentrum. Am Weißenstädter See haben wir uns eine ältere Fischtreppe angesehen. Muss lustig sein, wenn da Fische hochklettern …



In dem Ort haben wir auch zwei Mountainbiker aus Plauen getroffen und uns ein wenig unterhalten. Sie gaben uns auch Routentipps. Der Weg zu unserem nächsten „Highlight“ war dann auch wunderschön. (Ich plane immer einige der bei komoot hinterlegten Highlights mit ein – das unterteilt die Tour so schön und es gibt einiges Spannendes zu entdecken).

Nach knappen 10 Kilometern haben wir eine längere Pause gemacht und im Epprechtsteiner Labyrinth u.a. den Unterschied zwischen Labyrinth und Irrgarten gelernt. In der angeschlossenen Gastronomie haben wir ein Kaltgetränk genossen.











Und wieder berührte meine Tochter mit einer spontanen Bemerkung mein Herz.
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Donnerstag, 16. Juli 2020, 10:20

Sieht toll aus!

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Freitag, 17. Juli 2020, 07:53

Oh, wird Zeit, hier mal weiter zu schreiben ...

... zumal Corona-bedingt unsere diesjährige Radreise ausfällt. Einige der vorgebuchten Unterkünfte in Mecklenburg-Vorpommern öffnen erst wieder nächstes Jahr. :(
Getröstet habe ich mich mit der Anschaffung eines guten Fahrradträgers für die AHK. Wir werden einfach einige Tagestouren unternehmen, ein paar der Rundkurse vom Fläming-Skate erradeln.

Aber wie ging es letzten Sommer weiter?

So:

Dieses Mal aber freute mich die Äußerung, hier das Originalzitat meiner Tochter: „Bis jetzt hat es mir echt Spaß gemacht!“ Nach dem traurig geäußertem Heimweh am Abend des ersten Tages durchaus wohlfühlend für die väterliche Seele …

Vom Labyrinth ging es weiter in Richtung Schwarzenbach an der Saale, auf festen Wegen durch traumhaft schöne Wälder.






Beeindruckend auch der Blick von oben auf den Förmitz-Speicher. Vor allem, weil wir sehen konnten, wie lange es jetzt mehr bergab als bergauf gehen würde:



(O.k., ist jetzt nicht das tollste Foto – man muss halt dort gewesen sein).


In Schwarzenbach angekommen, haben wir an einem kleinem Teich Enten zugesehen, die ein kleines Wehr runtergerutscht sind. Lustig, nicht alle haben sich gleich getraut. Man konnte deutlich sehen, dass es einige mutige Draufgänger und einige vorsichtige Zögerer gab.




Kurz hinter Schwarzenbach ging es dann (endlich …) wieder bergauf. Dabei wurde uns ordentlich warm – und wir haben neben der Straße angehalten, um unsere Regenkleidung auszuziehen (die hatten wir kurz vor Erreichen des Labyrinths angezogen, weil es doch recht kühl war).
Dabei hielt ein VW-Bus an – der Fahrer fragte, ob wir ein Problem hätten und Hilfe bräuchten. Hatten wir nicht, brauchten wir nicht, ABER: Es gibt sie noch, die netten und hilfsbereiten Menschen!




Die Regenkleidung haben wir dann an diesem Tag und den folgenden 5 Tagen nicht mehr gebraucht. Erst am 7. Reisetag regnete es wieder leicht – nur so weit sind wir ja noch nicht.

Die nächste größere Pause haben wir dann am Badesee in Hof gemacht (Untreusee - würde mich interessieren, warum der so heißt. Ob da die Untreuen hinein ...). In Erinnerung an unsereHitzetour im Sommer 2016 habe ich die Route an vielen potentiellen Badestellen entlang geplant. Allerdings war uns heute nicht nach Baden zu Mute – dafür war es doch etwas zu frisch. So haben wir uns im Biergarten gestärkt und sind dann außen trocken, innen nun nicht mehr, weitergefahren.

Nach der Pause ging es dann östlich an Hof vorbei, den Wartturmweg entlang, ganz ordentlich bergauf.





Hinter Ullitz haben wir dann, nach gut 40 Tageskilometern, die erste Bundeslandgrenze passiert – hier die geschichtsträchtige Grenze zwischen Bayern (Franken!) und Sachsen.



Es ging dann überwiegend bergab ins schöne Vogtland hinein. Besonders beeindruckt hat uns beide die Elstertalbrücke bei Pirk




und die nahe gelegene Bahnstation Pirk mit ihrem alten Schuppen.
Ich komme an solchen Orten immer ins Träumen, versuche mir vorzustellen, wie es hier war, als noch reger Betrieb herrschte, der Schuppen noch gebraucht wurde, Dampfloks fauchten und zischten …





Ein weiterer Ort zum Träumen: Ein alter Bergwerkstollen, der Träume nicht erfüllte (bzw. nur ein Stollenmundloch – 1750 haben 3 Bergleute hier nach Eisenerz gesucht. Nach ca. 14 Metern wurde der Aufbruch dann abgebrochen).





Schon kurze Zeit später erreichten wir die Talsperre Pirk . Laut komoot hätten wir auf der Staumauer entlang zum nördlichen Ufer des Stausees gelangen können. Glücklicher Weise ist vor Ort alles sehr gut ausgeschildert. So war klar, dass man die Staumauer nur zu Fuß erkunden konnte. Der dann erforderliche Umweg würde uns noch einen kleinen Berg mehr bescheren – na und – inzwischen konnte uns das nicht mehr schrecken!
<img src="http://www.2radforum.de/wcf/images/photos/thumbnails/medium/photo-4778-5d279359.jpg" alt="photo-4778-5d279359.jpg" title="photo-4778-5d279359.jpg" style="font-size: 0.8em;" />


Immerhin konnten wir von der Staumauer aus unsere nächste Unterkunft am gegenüberliegenden Ufer schon erkennen. Und so erreichten wir müde, aber glücklich die Jugendherberge Taltitz.




Die wurde ganz exklusiv nur für uns geöffnet – wir waren die einzigen Gäste! Wir konnten uns daher sogar aussuchen, was wir zum Abendessen haben wollten. Außerdem durften wir – vor dem Essen natürlich - vom Mitarbeitersteg aus Baden gehen.
Wer schon immer mal wissen wollte, wie ich hinter meinem
Dinosaurierkostüm aussehe, kann mich auf dem folgenden Bild – bekleidet lediglich
mit einer Badehose – bewundern (in der roten Markierung). :D 8)




Toll! Einen besseren Abschluss konnte der Tag gar nicht haben. Na ja fast. Beim (sehr üppigen) Abendessen und Tagebuch führen musste ich feststellen, dass sich mein geliebter 1609 endgültig verabschiedet hatte. Das Display ließ sich – auch mit frischer Batterie – nicht mehr aktivieren. :heul:
So gibt es für Tag 2 und Tag 3 nur die (weniger genauen) komoot-Daten.




Statistik Tag 2:




Strecke: 59,66 km
Fahrzeit: 4 Stunden 44 Minuten
Unterwegs: 8 Stunden 10 Minuten
Höhenmeter: 630 Meter hoch
890 Meter runter
höchster Punkt über NN: 730 Meter
Dieselersparnis: 2013 bis Januar 2018 ca. 965L; Benzinersparnis 2018: 121L; 2019: 281L; 2020: 298L

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Freitag, 17. Juli 2020, 19:29

Welch schöner Bericht! Danke dafür!
Zum Namen des Untreusees steht übrigens was in Wikipedia (klick).

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Radsonstnix

11

Freitag, 17. Juli 2020, 21:10

Hey, es geht ja doch noch weiter, super!

Die wurde ganz exklusiv nur für uns geöffnet – wir waren die einzigen Gäste! Wir konnten uns daher sogar aussuchen, was wir zum Abendessen haben wollten. Außerdem durften wir – vor dem Essen natürlich - vom Mitarbeitersteg aus Baden gehen.


Witzig, das scheint öfter vorzukommen, als man so denkt. Ich hatte das vor ein paar Jahren mal in der Eifel. Ich habe vorher das ganze Sauerland abtelefoniert und alle Jugendherbergen waren an dem Wochenende ausgebucht. Wenig zuversichtlich habe ich's dann mal in der Eifel probiert (mei, Mittelgebirg' is Mittelgebirg', zum Wandern wird's schon taugen :D und meine längere Anreise kompensierte eine entsprechend kürzere für meinen Mitwanderer) – und gleich beim ersten Versuch einen unglaublich netten Herbergsvater dran gehabt, der sich fast entschuldigte und meinte, ich könne schon zwei Betten kriegen, aber nur wenn es mir nichts ausmache, dass wir die einzigen Gäste sind. Gab dann zum Schlafsaalpreis ein Betreuerzimmer und individuelles Wunschfrühstück :reib:

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Radsonstnix

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Freitag, 17. Juli 2020, 21:51

Diese Exklusivität hatten wir schon zwei mal, ein mal in Cochem und ein mal in Bad Ems. War irgendwie spooky, aber spannend :D
Gruß, Astrid

Zweierlei eignet sich als Zuflucht vor den Widrigkeiten des Lebens: Musik und Katzen. (Albert Schweitzer)

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Dienstag, 11. August 2020, 14:29

Welch schöner Bericht! Danke dafür!
Zum Namen des Untreusees steht übrigens was in Wikipedia (klick).
Danke für den Link. Heutzutage steht aber auch wirklich alles in Wikipedia.
Ich finde meine Phantasie für die Namensherkunft aber schöner ...
Dieselersparnis: 2013 bis Januar 2018 ca. 965L; Benzinersparnis 2018: 121L; 2019: 281L; 2020: 298L

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Freitag, 21. August 2020, 11:52

Tag 3 (Taltitz – Birkhausen)

Am nächsten Morgen ist uns das Frühaufstehen leichtgefallen. Aus irgendeinem Grund, den nur Schülerinnen und Schüler verstehen können (ich habe mir wirklich Mühe gegeben, aber … :crazy: ) wollte meine Tochter gerne, dass wir abgereist sind, bevor der angekündigte Reisebus mit dem Inhalt einer Schulklassenreise vergleichbarer Klassenstufe wie meine Tochter eintrifft.

Es gab zunächst gegen 08:00 Uhr ein ordentliches Frühstück, die Taschen waren schnell gepackt, das Wetter versprach, endlich gut zu werden. Es war warm und bewölkt, aber kein Regen!



Nun ja, der erste Plan des Tages hat dann doch nicht geklappt. Als wir gerade dabei waren, die Räder zu beladen, fuhr der Reisebus auf den Parkplatz. In Sekundenbruchteilen war die nähere Umgebung von aufgeregten, lärmenden und herumwuselnden Kindern geflutet.
Irgendwo dazwischen waren zahlenmäßig deutlich unterlegene und hoffnungslos überforderte Lehrkräfte zu bemitleiden …

Da gab es nur Eines: Rauf aufs Rad und ganz schnell Land gewinnen.
Leider ohne meinen geliebten Tacho.
Die erhoffte Wunderheilung über Nacht hatte leider nicht stattgefunden. Mir blieb ja der Tacho am Rad meiner Tochter und das Smartphone. Trotzdem unbefriedigend. Ich hatte schon als 14jähriger einen Tacho am Rad (analog von VDO, riesen Teil, aber ich fand den toll).

Daher haben wir die Route hinter Kürbis etwas abgeändert und sind einen Abstecher nach Straßberg gefahren. Dort befand sich laut Internet der nächstgelegene Fahrradladen.
Den Laden haben wir dann auch tatsächlich gefunden. Aber was ich dort erlebt habe … 8o
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Montag, 24. August 2020, 07:47

Da kommen zwei Menschen am frühen Vormittag in ein Fachgeschäft für Fahrräder und Zubehör. Ganz eindeutig und Verwechslungsfrei als Radfahrer erkennbar. Mit zwei Rädern unmittelbar vor der Ladentür, die dick bepackt sind mit Taschen.






Und nach einiger (durchaus zumutbarer) Wartezeit kommt auch ein Verkäufer, ich vermute, der Inhaber. Aber so etwas Maulfaules habe ich in einem Geschäft ja schon ewig nicht mehr erlebt. Hilfe, Kunde droht mit Auftrag.
Ich hätte auch viel Geld für einen neuen Tacho ausgegeben, wenn er sich ein wenig Mühe mit der Beratung gegeben hätte (leider hingen die Tachos hinter seinem Tresen, ich konnte nicht gut selber schauen). Das war mir schnell zu blöd und ich habe den billigsten verfügbaren Sigma (ein BC 7.16) gekauft. Für den Rest der Tour würde der mir reichen, und zu Hause würde ich in Ruhe recherchieren, welches Modell dauerhaft den 1609 ersetzen soll.

Vor dem Laden habe ich den Tacho dann montiert. Für die Kalibrierung musste ich mich mit dem Internetwert meines Reifens zufriedengeben, der war aber gar nicht so schlecht, wie ich später zu Hause feststellte. Nach ca. 8km quasi „nackt“ hatte ich nun zumindest wieder einen Tacho am Lenker.

Nach dieser Episode ging es wieder ein Stückchen zurück in Richtung unserer alten Route, immer hindurch durch das schöne Vogtland.












Vormittags dann, bei immer noch trockenem Wetter, neben einem Autohof, bei dem ein paar alte Schätzchen vor sich hin rosteten, haben wir dann das Lunchpaket der Jugendherberge gekillt.






Wir wollten satt sein für unser nächstes Abenteuer, galt es doch, einen ganz besonderen Ort zu entdecken.
Dieselersparnis: 2013 bis Januar 2018 ca. 965L; Benzinersparnis 2018: 121L; 2019: 281L; 2020: 298L

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