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21

Samstag, 7. Januar 2012, 18:24

Teil 21:

Meine Pause ist beendet, ich rausche den wunderbar zu befahrenden Wirtschaftsweg hinab. Schade nur, daß ich manche Passagen wegen fehlender Streckenkenntnis und/oder der Unübersichtlichkeit regelrecht kaputtbremsen muß. Meine Vorsicht wird mit einem in einer Rechtskurve entgegenkommenden Trecker belohnt. Er fährt in der Mitte des ohnehin schon schmalen Weges. Ich quetsche mich zwischen ihm und den Rebstöcken durch. Rebstöcke ! Ein Stückchen weiter halte ich kurz an, pflücke fachmännisch die eine oder andere Weintraube und prüfe neugierig den Öchslegrad. Eigentlich könnte man hier direkt wieder ´ne Pause machen, aber es gibt keinen Schatten. Und ich will nicht unangenehm auffallen, so zwei- oder dreihundert Trauben wären bestimmt kein Mundraub mehr. Sowas ist Gier.

Bei Trauben ist es nämlich so - zumindest bei mir ist es so -, daß man immer weiter essen muß, um mit neuem Traubensaft den bitteren Geschmack der zerkauten Kerne (oder wie die Dinger heißen) abzutöten. Und so weiter. Ich trinke einen Schluck Apfelschorle und setze meine Reise fort. In einem kleinem Ort (Hessigheim ? Ingersheim ? Oder Pleidelsheim ?) rufe ich endlich bei meiner Cousine an, damit sich die Leute (ihr Mann Thilo und die beiden Söhnchen Felix & Robin) auf meine Ankunft einstellen können. Petra beschreibt mir den Weg vom Neckar hoch nach Ludwigsburg-Oßweil noch einmal genau. Ich kalkuliere meine Ankunftszeit sehr großzügig, um mir so ein vernünftiges Polster für Verfahrer und Pausen zu verschaffen. Jedoch verfranse ich mich nicht mehr, lege dafür aber noch zwei überflüssige Pausen ein. In einer Bäckerei treffe ich das Frankfurter Pärchen wieder, das in der letzten Nacht zwei Zelte neben mir campiert hat.

Sie waren eine gute halbe Stunde vor mir gestartet - mit ihren flatschneuen Trekkingbikes mit Deore LX-Ausstattung. Sooo langsam bin ich also doch nicht. Ich kaufe mir zwei Käse-Schinken-Croissants (wozu jetzt eigentlich noch ?) und mache mich wieder auf den Weg. An der - von meiner Cousine genau beschriebenen - Schleuse hinter dem Freibad frage ich trotzdem noch einmal nach dem Weg nach Oßweil. Ja, ja, genau dort ginge es hoch. Die Hälfte des ca. eineinhalb Kilometer langen Anstiegs fahre ich hoch, danach muß ich schieben. Unwissentlich sofort nach dieser Steigung in Oßweil angelangt, frage ich NOCH EINMAL nach dem Weg. Ich sei bereits da, gibt man mir lachend zu verstehen. Bei der Suche nach der Aalenerstraße verfahre ich mich zum krönenden Abschluß ein letztes Mal und treffe dann zufällig auf dem in der Nähe gelegenen Spielplatz ein, wo ich Petra schon neben einer anderen Mutter auf der Bank sitzen sehe.

Es folgt das übliche Begrüßungsritual. Und es folgen zwei Relaxer-Tage, an denen ich es mir richtig gutgehen lasse. Nur am Samstag unternehme ich mit Felix (knapp 7) und Robin (5) noch eine kleine Ortsrundfahrt, da sie mir mit ihren Kinderrädern natürlich unbedingt ihre Heimat zeigen müssen. Insgesamt - also ohne die Ortsrundfahrt - waren es 567km von Duisburg bis hier. Nur 69km am letzten Tag. Während der zwei Day-Offs kommt hin und wieder das Gespräch auf die Rückfahrt, denn wie könnte ich wohl am besten (ohne große Steigungen) nach Aschaffenburg kommen ?! In Schöllkrippen (ca. 20km nordöstlich davon) wohnt nämlich mein alter Lehrlingskumpel Sera, den ich schon im letzten Jahr (auf der Tour mit Konni und Ernst) besuchen wollte.

Was allerdings nicht so ganz klappen sollte. Na, ja, im Internet sind keine Routen von Ludwigsburg bis Schöllkrippen zu finden - jedenfalls nicht für Biker. Thilo läßt aber noch den kürzesten Weg für Autofahrer ausdrucken, bei dem immerhin die letzten Kilometer mit meiner Strecke identisch sein dürften. Die Autobahn führt schließlich nicht direkt am Haus in der Holzgasse 4 vorbei. Ach, irgendwie werde ich da schon hinkommen, hat bisher ja auch immer geklappt. Außer im letzten Jahr, aber da war´s ein zeittechnisches Problem. Wir hätten es ja geschafft, nur eben zu spät.

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

22

Sonntag, 8. Januar 2012, 04:45

Mensch klasse! Gestern noch gedacht, diesem Forum fehlen noch ein paar Tourenberichte, am besten vom Paule - und heut gibt's gleich unveröffentlichtes Material zu lesen! Macht Spaß, nur weiter! :)

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NMG

23

Montag, 9. Januar 2012, 20:18

Teil 22:

18.8.03: Erst um 6:46 stehe ich auf, womit leider nur noch Zeit für ein kleines Schwätzchen mit Thilo bleibt, der zur Arbeit muß. Petra bereitet mir eine ziemliche Menge an belegten Broten zu; ich habe meine liebe Not, alles in den Taschen unterzubringen. An flüssigen Nahrungsmitteln habe ich mich noch am Samstag mit unterschiedlichsten Säften eingedeckt. In einem Getränkemarkt, der noch selbst Säfte preßt. Birne, rote Traube, weiße Traube, Apfel-/Zitrone-Mix, Johannisbeere und watt weiß ich. Durch meine obligatorische Umfüllaktion weiß ich natürlich nicht mehr, welcher Saft in welcher Flasche ist, was gar nicht schlimm ist. Im Gegenteil: So wird´s unterwegs immer wieder geschmackliche Überraschungen geben. Petra schlägt vor, mich mit dem Auto (und Felix & Robin) zum Neckar zu eskortieren und eine Abkürzung zu fahren, die ich alleine sicherlich nicht finden würde.

So komme ich in den Genuß, die ersten vielleicht zehn Kilometer ohne Gepäck zurückzulegen. Ein wenig bergauf, doch überwiegend bergab. Einmal mit sagenhaften 69,2 km/h, mittreten kann ich schon ab 40 nicht mehr. Am Neckar bepacke ich den Zossen, es folgt das übliche Abschiedsritual. Auf geht´s. Auf zum gegenüberliegenden Neckarufer, wo ich feststelle, daß ich verkehrt bin. Ich muß grinsen und kehre um. Es dauert nicht lange, bis ich mich wieder zurechtfinde. Die Strecke kommt mir immer bekannter vor und es läuft richtig gut. Bis ich irgendwo falsch abbiege und den Neckar plötzlich auf der linken Seite liegen habe. Aber egal, solange die Richtung stimmt. In der Nähe von Horkheim lege ich eine erste Rast ein, sitze auf einer Bank und ziehe mir zwei Brote ´rein.

Als ich gerade meine Van Nelle zur Apfelschorle (die edleren Säfte hebe ich für abends auf) genießen will, vernehme ich rechts hinter mir ein fettes PLATSCH. Keine 20 cm von meiner Jeans entfernt sehe ich die Hinterlassenschaft eines Vogels, der mir beinahe einen Anschiß im Wortsinne verpaßt hätte. Argwöhnisch den Baum betrachtend, rauche ich die Kippe im Stehen zu Ende. Wo ich so viel im Wald unterwegs bin, ist es eigentlich erstaunlich, daß ich noch nicht getroffen worden bin. Aber so knapp war´s noch nie. Solche Ereignisse regen mich oft zum Nachdenken an: Wenn einen solche Vogelkacke schon beinahe trifft - und da es sich ja nicht so verhält, daß alle Vögel permanent von den Bäumen scheißen, ist es eher unwahrscheinlich, getroffen zu werden -, um wieviel wahrscheinlicher ist es dann, z.B. von einem Auto plattgefahren zu werden ?!

Oder: Wie wahrscheinlich ist es wohl, daß ich mich noch mal verfahre ?! Da es eher selten ist, daß ich mich nicht verfahre (ebenso selten wie fast von Vogelkacke getroffen zu werden!), ich aber gerade beinahe getroffen worden wäre, und wenn ich die Situation vorhin als eine Art gutes Omen deute, dann könnte es glatt passieren, daß ich mich heute nicht mehr verfahre. Seltsame Gedankenkonstruktion, ich weiß, aber lassen wir uns überraschen.

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

24

Montag, 9. Januar 2012, 20:22

Teil 23:

Ziemlich rasch (und ohne Verfahrer!) bin ich an Heilbronn und Neckarsulm vorbei, darf mich also wieder auf ländliche Idylle freuen. Irgendwo in der näheren oder auch weiteren Umgebung von Obrigheim ist es mal wieder an der Zeit, eine ausgedehntere Rast einzulegen. Ich habe noch Zeit satt, denn meine weitere Tourenplanung steht eigentlich schon fest, doch dazu später mehr. Eine arg verwitterte Bank am Rande des Wirtschaftsweges, der sich durch eine große Obstplantage windet, empfängt mich mit offenen Armen. Ziemlich weit weg und auch ziemlich tief unten fließt der Neckar; auf die geschafften Höhenmeter will ich mir nun die zwei Stückchen Kuchen gönnen, die vom gestrigen Kaffeetrinken übrig geblieben sind.

Als ich gerade mit dem Schmaus begonnen habe, gesellen sich zwei Wespen zu mir. Nein, so kann man nicht anständig genießen ! Na, ja, bei dem ganzen Obst hätte ich eigentlich damit rechnen müssen, derart belästigt zu werden. Als mein Blick auf einige am Boden liegende - und von den Treckern plattgefahrene - Äpfel fällt, kommt mir eine Idee: Die Viecher haben doch bestimmt nur deswegen keinen Bock auf das Fallobst, weil´s von der Sonne ausgedörrt - also nicht mehr saftig - ist. Ich zertrete zwei, drei - sinnigerweise noch nicht platte - Äpfel und setze mich wieder auf die Bank. Vielleicht funktioniert´s ja ?! Und Taaatsache: Sofort interessieren sich die Tiere nicht mehr für meinen Kuchen, sondern fliegen zum frischen Apfelmatsch. Ein Meilenstein des biologischen Verständnisses für jemanden, der immerhin einmal eine glatte Sechs in Bio auf dem Zeugnis stehen hatte.

Doch das nur am Rande. Um diesen Reisebericht etwas aufzulockern. Nach der üblichen Van Nelle zware schwinge ich mich wieder auf den Brooks und nehme die letzten Kilometer nach Zwingenberg unter die Marathons, die zwischen den Profilblöcken ebenfalls ein paar Vitamine abbekommen haben. In Zwingenberg gibt´s nämlich ein Naturfreundehaus UND einen Campingplatz; außerdem zweigt dort der sogenannte Odenwald-Madonnen-Radweg ab. Und der führt in die Richtung, in die ich morgen fahren will. Durch den Odenwald zum Main, und da dann weiter bis nach Aschaffenburg und Schöllkrippen.

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

25

Montag, 9. Januar 2012, 20:25

Teil 24:

Mit einer kleinen Fähre setze ich über zur anderen Neckarseite, der Fährmann erzählt mir etwas von zwei Campingplätzen. Ach,egal, irgendwas werde ich schon finden. Direkt am Beginn des Weges befindet sich ein Platz, auf dem nur Wohnwagen zu sehen sind. Ca. einen Kilometer weiter stoße ich bereits auf den Campingplatz, der in der Karte gemeint sein dürfte. In der - im Haus gelegenen - Rezeptionskneipe gibt man mir zu verstehen, daß es sich hier um ein Naturfreundehaus handelt. Mit Zeltgelegenheit eben. Ich könnte auch ein Zimmer haben, lehne aber dankend ab, denn der direkt am Neckar liegende Campground ist viel zu schön, um nicht dort zu übernachten.

Neben dem Zelt eines Münchner Pärchens, das ebenfalls mit Bikes unterwegs ist, schlage ich mein Lager auf. Ein Stückchen weiter stehen noch zwei kleine Zelte, die irgendwie den Eindruck erwecken, als seien sie fluchtartig verlassen und dann vergessen worden. Bei einem liegt das Überzelt auf dem Rasen, und auch das Innenzelt scheint nicht richtig aufgebaut zu sein. Hah, daß ausgerechnet MIR solche Gedanken kommen, wo ich doch selbst ein leicht gespanntes Verhältnis zu Zelten (und ihrem Aufbau) habe. Nun, es folgt das übliche Abpacken, der übliche Zeltaufbau, die übliche Zeltinnengestaltung, das übliche Duschen. Vom Münchner-Zelt zieht ein angenehmer Knoblauchduft herüber, die kochen fein. Ich sitze vorm Zelt und ziehe mir belegte Brote ´rein. Nein, es kommt kein Futterneid oder sowas auf. Ich esse gerne gut belegte Brote - die sind lecker (on the road sowieso) und unkompliziert (on the road sehr wichtig für mich).

Doch es passiert genau das, was passieren muß. ,,Willste auch was essen ? Wir haben viel zuviel gemacht.‘‘, ruft das Mädel ´rüber. ,,Nee, echt viel´n Dank. Riecht au´ lecker, abba ich hab´ selps 20.000 Brote dabei. Und die müss´n au´ weg.‘‘, ziehe ich mich aus der Affäre. Im Schein der - mit Hilfe von Thilo frisch beglühstrumpften - Gaslampe erledige ich meine Tagebucheintragungen. 99km waren´s heute, insgesamt sind es apokalytische 666km. Allerdings ohne die vier Kilometer mit Felix & Robin. Der Wind ist stark aufgefrischt, der Himmel nicht sternenklar, als ich in den Schlafsack krieche. Etwas später rollt ein LKW auf den Platz; das müssen die Freaks mit dem Ex-Feuerwehrwagen sein, von denen der Platzwart vorhin sprach. Erste dicke Tropfen klatschen auf´s Zelt, ich schlafe ein.

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

26

Sonntag, 22. Januar 2012, 17:17

Teil 25:

19.8.03: Um 6:14 entschließe ich mich zum Aufstehen. Schnell zur Toilette, Wasser geholt, Gaskocher angeschmissen, Cappu zubereitet, Kippe gedreht und Feuerwehr-LKW (Opel Blitz 6 Zylinder, späte 50er Jahre) in Augenschein genommen. Mir gefallen fast alle alten Fahrzeuge auf ihre Art. Und ich bin stolz auf mich, gestern Abend nur anhand des Motorgeräusches auf den richtigen Fahrzeugtypen getippt zu haben. Ich bin 1970 bei meinen Großeltern in Besenfeld (Schwarzwald) mal in einem mitgefahren und muß mir den Sound wohl gemerkt haben. Okay, es hat in der Nacht gut geregnet; die Chance, das Zelt vernünftig trocknen zu lassen, ist eher gering, da die noch tief stehende Sonne langsam hinter den Bäumen verschwindet. Der Schatten reicht bis zum Ufer. Ich könnte natürlich bis zehn Uhr warten, aber dann würde es etwas knapp mit Schöllkrippen werden. Beim Frühstück widme ich mich zum ersten Mal so richtig dem Kartenstudium, denn ich werde mich in absolutes Neuland begeben - in den Odenwald.

Ich möchte dieses Gebiet bis zum Main möglichst so durchfahren, daß die Betonung auf FAHREN liegt. Und nicht auf SCHIEBEN ! Auf dem ersten Stück nach Schollbrunn sind zwei Steigungshinweise verzeichnet, in der Zeichenerklärung steht zu lesen:,,Beachtenswerte Steigung (etwa 3 – 7%).‘‘ Die Wegbeschaffenheit soll laut Karte okay sein, immerhin handelt es sich ja um den Odenwald-Madonnen-Radweg. Nun ja, am Anfang wird´s also etwas bergauf gehen, danach - laut Karte - wohl leicht hügelig sein und in Richtung Buchen soll´s sogar überwiegend bergab gehen. Nachdem ich den üblichen Kram erledigt habe, fahre ich zur Fähranlegestelle und quatsche den Fährmann auf den Madonnenweg an. Ob er da vielleicht was aufgeschnappt habe - von anderen Reisebikern. Er vermutet (!), daß der Weg leicht hügelig ist, versucht mir dann aber einen Weg schmackhaft zu machen, der auf einer Ex-Eisenbahntrasse verlaufen soll. Der sei natürlich schön eben. Er labert was von Mosbach. Nee, laß´ ma´ steck´n ! Da müßte ich ja wieder ein Stück zurück fahren.

Auf der anderen Seite angelangt, suche ich sofort die Auto-Werkstatt auf, die ich mir gestern als Anhaltspunkt gemerkt hatte. Links davon zweigt nämlich besagter Madonnenweg von der Hauptstraße ab. Nachdem ich die kleine Bahnhofsunterführung passiert habe, kann´s also losgehen. Die gut asphaltierte Nebenstraße steigt zwar schon recht beachtenswert an, aber mit 14 km/h befinde ich mich noch nicht in einer Trittfrequenz, die man als Quälerei bezeichnen könnte. Natürlich werde ich diese Geschwindigkeit keine zehn Kilometer durchhalten, aber ich denke, daß das auch nicht nötig sein wird. Der Madonnenweg zweigt von der Straße ab, die Oberfläche wechselt zu Schotter. Hinter einer 170-Grad-Spitzkehre geht´s weiter bergauf, der geschotterte Weg wird unebener, ich muß größeren Steinen ausweichen. Hier ist es vorbei mit dem Fahren. ,,Paule, du Trottel ! Man hätte sich nich´ fleicht denk´n könn´n, daddet ärßma´ ´n ganzet Stück bergauf geh´n MUSS, um aus´m Neckartal ´rauszukomm´n ?!?‘‘‘, denke ich mir während der ersten Schiebemeter.

Ich erwarte nämlich immer irgendwelche Schneisen, die extra für mich angelegt worden sind. Damals, von der Erosion, der Kontinentalverschiebung und was weiß ich - nur mit Rücksicht auf mich ! Oh, da hinten scheint es etwas flacher zu werden ! Trugschluß. Aber hinter der kleinen Wegbiegung - Trugschluß. Klar, wenn ich mir schon einen Irrtum eingestehen muß, dann flüchte ich mich meistens in topographische Fata Morganen und sehe Krümmungen, wo gar keine sind. Vielleicht liegt´s auch nur an der Brille; da ich ja überwiegend auf den Boden starre und nur hin und wieder nach vorne (also schräg von unten durch die gekrümmten 3,5 Dioptrien-Gläser), kann das mit zur Sinnestäuschung beitragen. Nach zwanzig Minuten Schieberei werde ich sauer. Meine Wut auf diese fuckige Steigung baue ich am besten dadurch ab, indem ich kräftig schiebe - HAHAAAH !

Nach einer halben Stunde gebe ich die Wut auf und halte kurz an, um einen Schluck zu trinken. Mir fällt etwas auf: Ich höre keine Geräusche mehr, die man mit Zivilisationslärm in Verbindung bringen könnte. Kein entferntes Auto, kein Flugzeug, keinen Zug. Der einzige, der hier Krach macht, bin ich ! Wann habe ich zum letzten Mal eine solche Ruhe erlebt ?! Hab´ ich das überhaupt schon mal erlebt ?!?

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

27

Sonntag, 22. Januar 2012, 17:27

Teil 26:

Das wäre natürlich ein toller Platz für eine ausgedehnte Pause, nur leider habe ich bisher noch so gut wie nix an Strecke geschafft. Ich bezweifele schon jetzt, heute Schöllkrippen zu erreichen. Nach einer knappen Stunde schiebe ich aus dem Wald hinaus und müßte laut Karte in Schollbrunn sein. Eine Ansammlung einiger Häuser, mehr ist nicht zu sehen. Als ich aus dem Ort ´raus bin, wird die Madonnenweg-Beschilderung undurchsichtig. Das ist mir nun aber egal. Hauptsache, es folgen nicht noch weitere Steigungen dieser Art. Zum Fragen bietet sich hier am Dienstagmittag auch niemand an, so fahre ich aus´m Bauch ´raus einfach irgendwo weiter. Es ist richtig schön hier, auch die ruhigen Waldwege weisen eine so gute Beschaffenheit auf, daß man besten Gewissens 21 – 23 km/h fahren kann. Durch Felder und Wiesen rolle ich auf asphaltierten Wirtschaftswegen, leicht bergauf oder leicht bergab; schieben muß ich immerhin nicht mehr. Dann und wann erspähe ich sogar Radwegkennzeichnungen wie R3 oder R8, nur finde ich diese Renault-Typen nicht in der Karte.

In Mudau entere ich zur Abwechslung mal wieder eine meiner geliebten Bushaltestellen. Man kann prima sitzen, ist bei Regen (mitsamt Bike) geschützt und sieht viel. Zwei Berliner Motorradfahrer biegen in Richtung Amorbach ab. Welch Name für einen Ort aber auch ! Ein Bach, gefüllt mit Liebe, durchströmt die ganze Stadt - oder so. Ich werde sehr wahrscheinlich nach Buchen weiterfahren. Die große Uhr unweit der Haltestelle zeigt 12:48, mein Tacho aber 12:45. Und der ist nach meinem Funkwecker gestellt, geht jedoch meistens ein paar Sekunden vor. Aber egal, denn spät ist es allemal; auf dem Tacho hab´ ich noch keine 30 km. Der Schnitt liegt bei peinlichen 16,1 nochwas km/h - sonst orientiere ich mich (auch auf großen Touren) eher an 20 km/h. Als ich die ausgedehnte Pause beendet habe und aus der Ortschaft ´rausrolle, erkundige ich mich bei einem entgegenkommenden älteren Radfahrer, ob auf dieser Strecke noch mit ernsthaften Steigungen zu rechnen sei. Er meint, es ginge für längere Zeit nur noch bergab. Nur noch bergab klingt irgendwie zu fantastisch, und für längere Zeit ist auch ein dehnbarer Begriff.

Jedenfalls fahre ich momentan mit 28 – 30 km/h offensichtlich ein leichtes Gefälle hinab. Nach der nächsten Kurve trete ich bei 35 logischerweise nicht mehr mit; bei meiner Eingang-Übersetzung von 52:22 hätte ich dann ´ne Trittfrequenz von 110/min. Mit Gepäck und dem langen Rahmen eine derbe Schaukelei - und vollkommen überflüssig. Mann, tut das gut, die sattgrünen Bäume an sich vorbeifliegen zu lassen. Auf einer guten Straße, die kaum befahren ist. Manchmal schneidet ein entgegenkommender Autofahrer die Kurve, doch auf solche Idioten muß man halt gefaßt sein. Dann bleiben sogar Platz und Zeit, um in aller Deutlichkeit den linken Mittelfinger in Richtung Windschutzscheibe zu strecken. Schon seit zehn Minuten rausche ich - mit streckenweise 42 km/h - dahin; ich rausche wirklich, denn außer dem Reifenabrollgeräusch und Wind auf den Ohren ist nichts zu hören.

Nur wird es langsam echt etwas frisch; ein Gefühl, das ich gar nicht mehr kannte während der letzten Monate. Hin und wieder verdeckt eine Wolke die Sonne, ich bewege mich nicht und der Fahrtwind tut sein übriges. Außerdem ist es heute insgesamt nicht so warm. Ich denke an mein schwarzes Allroundhemd, das zu Hause im Schrank hängt. Bei der Ruhr-/Münsterland-Tour hatte ich es im Keller liegenlassen - beim Packen auf dem Gepäckträger des Göricke-Oldtimer-Bikes aus den 30ern vergessen. Aufgefallen war mir das schon an der Sechs-Seen-Platte, vielleicht zwei Kilometer von zu Hause. Zu einer Umkehr hatte ich aber keinen Bock mehr. Ach, Quatsch, sooo kalt ist´s auch wieder nicht; außerdem wird sich das schnell ändern, wenn ich erst wieder treten muß.

Doch seit einer Viertelstunde habe ich nicht mehr getreten; eine längere Gefällstrecke bin ich in meinem Leben noch nicht gefahren ! Ich muß vorhin möglicherweise ziemlich weit oben im Odenwald gewesen sein. Mein geographischer Scha(r)fsinn sagt mir, daß Flüsse die Angewohnheit haben, eher in Tälern zu fließen. Und da ich ja - grob betrachtet - auf den Main zufahre, ist es nur logisch, daß es bergab geht. Ehrlich gesagt, wünsche ich mir mittlerweile ein Stück ebener Strecke. Weniger deshalb, um mich auf normale Betriebstemperatur zu bringen, sondern vielmehr deswegen, weil ich einfach nur wieder in die Pedale treten will. Ich bin bewegungssüchtig; bei einem Kind würde man wahrscheinlich hyperaktiv dazu sagen.

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

28

Sonntag, 22. Januar 2012, 17:32

Teil 27:

Nach geschlagenen 24 Minuten findet die Abfahrt ihr Ende an einer Straßenmündung, ich biege in Richtung Amorbach ab. Zumindest vorerst, denn hin und wieder fahre ich einfach planlos genau da lang, wo es mir gefällt. Behalte aber - rein feelingmäßig - immer Kurs Aschaffenburg bei. Grob jedenfalls. Wo ich mich auf der Karte befinde, kümmert mich schon länger nicht mehr, da ich ja nach wie vor davon ausgehe, es heute sowieso nicht mehr bis Schöllkrippen zu schaffen. Irgendwann werde ich schon auf den Main treffen und mich später um einen Campingplatz bemühen. Bei einer Pause lasse ich mich von der Durchschnitts-km/h-Anzeige auf dem Display meines Tachos überraschen - 20,3 nochwas ! Da hat die lange Abfahrt vorhin auch meine numerische Macke zufriedengestellt. Es dauert nicht lange, und ich bin in Miltenberg. Miltenberg am Main ! Sooo schlecht liege ich gar nicht in der Zeit; von hier sind´s nur noch ca. 30 km (Luftlinie) bis nach Aschaffenburg. Und wenn ich auf dem Maintal-Radfernweg bleibe - ich wüßte im Moment nicht, was dagegenspräche -, dürften es auch nicht viel mehr Kilometer werden, bis ich WIRKLICH in Aschaffenburg bin.

Um mich ein wenig zu orientieren, halte ich an einer Straßenmündung und blicke desorientiert in der Gegend umher. Ich vernehme ein sich von hinten näherndes Ballern, Knallen und Krachen. Richtig getippt: Nach wenigen Sekunden biegt ein Harley-Chopper der kompromißloseren Art um die Ecke. Apehanger (extreeem hoher und breiter Lenker) dran, den man gerade noch eingetragen kriegt (oder auch nicht), sehr kurze Dragpipes (Auspuffrohre, die eigentlich nur etwas längere Krümmer sind) zeigen den Abgasen, wo´s langgeht - mehr aber auch nicht. Das i-Tüpfelchen stellt der Fahrer dar: Vollbart (tragen viele Harley-Fahrer), die Arme so tätowiert, daß man keine Hautfarbe mehr sieht (okay, haben auch viele), den kahlrasierten Schädel ebenfalls tätowiert. Das sieht man nicht sooo oft; vor allen Dingen aber sieht man bei Motorradfahrern diese Kopfpartie (normalerweise) gar nicht. Genau, wegen des Helmes !
Der Mann trägt einfach keinen Helm ! Dafür trägt er eine Kutte (Biker-Jargon für Club-Weste, früher Jeans, heute Leder), auf deren Rückenteil das Colour (Club-Abzeichen) des Outlaws MC zu sehen ist. Und wer ein echter Outlaw ist, hat mit Gesetzen - wenn´s nicht gerade die eigenen sind - naturgemäß wenig am Hut. Und trägt aus dem Grund wohl auch keinen. Gut, es gibt eine Helmpflicht-Befreiung, wenn einem ein Arzt Platzangst attestiert. Ein Outlaw mit Platzangst ?!? PROTTOTTATTATT – schalt´ hoch - PROTTATTATTATT zieht er von dannen. Die Arme zum Lenker - also gen Himmel - gestreckt, als wolle er nach der Sonne greifen.

Ich muß grinsen, gegen den seh´ ich aus wie der Schwiegermutter-Traum. Für einen Augenblick vermisse ich meine 500er Norton. Bis ich auf der anderen Straßenseite auf einen Weg gelange, der für Autos und Motorräder passé ist. Vielleicht nicht für Outlaws, aber ich bin eher ein Inlaw. Meistens jedenfalls. Doch jetzt muß ich erst mal den Main finden, was mir auch recht schnell gelingt. Leider kommt mir diese Main-Passage überhaupt nicht bekannt vor; oder sind wir im Mai ´02 erst später auf den Fluß getroffen ?! Kann eigentlich nicht sein, denn dann hätten wir ja von Süden auf ihn stoßen müssen. Aber wozu mache ich mir darüber Gedanken ? Ich muß jetzt auf diesen Radweg kommen ! Was nun passiert, dürfte klar sein: das alte Frage-und-Antwort-Spiel. Mal finde ich mich in irgendeiner Wohnsiedlung wieder, mal in einem Gewerbegebiet. Auf einem Supermarkt-Parkplatz erhalte ich von einem älteren Radfahrer endlich den entscheidenden Hinweis. Und brauche nur noch einmal eine weitere Passantin nach dem Weg zu fragen, um dann wirklich auf dem rechten Pfad zu sein. Puuh !! Koblenz, Neckarsulm und Miltenberg sind echt gefährliche Städte für Leute wie mich.

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

29

Sonntag, 22. Januar 2012, 17:38

Teil 28:

Es läuft wieder wie geschmiert, entgegen allen Erwartungen trudele ich bereits um 17:30 in Aschaffenburg ein. Ich rufe von einer Telefonzelle aus Sera an, der mir - ich höre das irgendwie ´raus - den weiteren Weg so einfach wie möglich zu beschreiben versucht. ,,In anderthalb Stund´n müßteste da sein.‘‘, sagt er. ,,Zwei Stund´n, Du kennz mich nich´.‘‘, erwidere ich. ,,Paule, ich hab´ ma´ 40 Minut´n für den Weech gebraucht - okay, ohne Gepäck.‘‘ - ,,Tja, ma´ kuck´n. Bis später !‘‘, verabschiede ich mich. Zuerst frage ich mich vom Main weg in Richtung Hösbach. Dort gabelt mich eine freundliche Radfahrerin auf und lotst mich aus dem Ort hinaus.

Sekretärinnen-Typ, Anfang 50, weltoffen, umgibt sich gerne mit dem Hauch von Abenteuer - erstelle ich ein Kurz-Psychogramm. Ich alter Profiler, ich. ,,Sie fahren diese Straße geradeaus und biegen bei der vierten, nein, fünften Straße rechts ab. Dann sehen Sie schon Wegweiser nach Mömbris. Top, Sie schaffen das schon.‘‘, sagt sie noch, als sich unsere Wege trennen. Ich bin froh, denn die Frau hat mir mit ihren 14 km/h gehörig den Schnitt versaut. Andererseits hätte ich mir ohne ihre Hilfe den Schnitt auch allein versaut, denn wenn ich unschlüssig bin, rase ich nicht mit 30 durch die Gegend, um möglichst viel zu übersehen. Acht Kilometer sind es noch bis Mömbris, dann dürften es noch 12 bis 13 km bis nach Schöllkrippen sein.

Die gut asphaltierte Straße hat zwar keinen Radweg, ist aber nur schwach befahren. Es geht mehr bergab als –auf. In der Steigung zwischen Feldkahl und Schimborn lege ich eine letzte und überflüssige kleine Pause ein. Ich erklimme die Kuppe des Hügels und rolle fortan nur noch bergab - bis nach Schöllkrippen ´rein. Dann geschieht ein wahres Wunder: Mit traumwandlerischer Sicherheit fahre ich die Hauptstraße durch bis zur Gaststätte Fegeisen, biege dort zweimal rechts ab und stehe vor dem Haus Nr.4 in der Holzgasse. So, als käme ich gerade von der Arbeit. Wie immer. Zufällig kommt Sera gerade mit seinem Ältesten (1 ½ Jahre) aus dem Haus und lädt mich ein, mit zum Hähnchenessen zu kommen. ,, Nee, danke, ich hab´ kein´n Bock auf ´ne größere Mahlzeit. Hab´ no´ Brote dabei, die müss´n au´ no´ weg.‘‘, lehne ich ab.

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

30

Sonntag, 22. Januar 2012, 17:44

Teil 29:

Sera zeigt mir mein Haus für die Nacht; es ist tatsächlich ein für sich stehendes kleines Häuschen von vielleicht 6 mal 4 Metern Außenmaße. Ein gemütlich ausgebauter Schuppen. Zwei Betten drin und allerlei Gedöns. Viele Bücher, ein Oldtimer-Pick-up-Modell, Fahrradteile - für meine Begriffe absolut gemütlich. Zum Duschen empfiehlt Sera mir den Gang in die Firma, in der er sich als - vermutlich leitender - Ingenieur den Kopf über die Zukunft der Wasserversorgung zerbricht. Nicht, daß er in seinem Haus kein fließendes Wasser hätte (wär´ bei dem Job auch der Hammer!), nur hat die Badewanne keinen Duschvorhang und man muß im Hocken duschen. Wenn man nicht das ganze Bad mitduschen will. Und warum sollte Sera hier noch einen Vorhang vergeuden, wenn er in Kürze in sein eigenes neues Häuschen zieht ?!

Tanja (Seras Frau) gibt mir ein Badetuch, ich raffe meine Klamotten zusammen (wobei das Duschgel gar nicht nötig wäre - ist in der Firma) und gehe mit Sera&Sohn die zwei Minuten zum Firmengebäude von "H20 – Solutions" (Name vom Autor geändert, da sowieso vergessen). Beim Betreten des WC-/Duschraumes treffen zwei harte Gegensätze aufeinander: das aseptisch-steril fluoreszierende Neon-Psychedelic-Weiß dieses sich in der Zwei-Dimensionalität zu verlieren scheinenden Anti-Raumes - und die Realität in meiner Person. Wie ein (weißes) schwarzes Loch droht mich das Ambiente zu verschlingen. Ich bin fast geneigt, mich für meine Anwesenheit zu entschuldigen - bei jeder unschuldig-weißen Fliese, die ich mit meinen Buffalos beschmutze. Nun gut, ich drapiere meine Klamotten so im unendlichen Raum, daß sie möglichst keine Spuren hinterlassen und komme mir spätestens beim Öffnen der Duschkabine vor wie Loriot in "Das Bild hängt schief" .

Nach der ganzen Aktion inspiziere ich noch kurz alles auf DNA-technisch verwertbare Spuren, doch ich entdecke nichts. Ich bin praktisch nie hier gewesen. Beim Verlassen des Gebäudes sticht mir wieder das Firmenschild ins Auge, das mir bereits vor ein paar Wochen aufgefallen war, als ich mit Willy&Petra per Auto hier gewesen bin: Our global capability is growing (sinngemäß wohl: Unsere weltweite Kompetenz wächst ständig.). In der englischen Sprache schwingt jedoch - zumindest für mich - unterschwellig so was wie ein "Big brother is watching you" mit. Waren da vorhin Kameras im Unraum ?!?

Ich drehe mir eine Zigarette und schlendere zurück zur Holzgasse 4. Allerdings nehme ich einen anderen Weg. Nicht bewußt, sondern rein zufällig. Oder anders ausgedrückt: Nur weil der Straßenverlauf es nicht anders zuläßt, verlaufe ich mich nicht. Im Wohnzimmer angelangt, essen wir zu Abend. Sera&Familie Hähnchen mit Pommes, ich ein paar - mittlerweile 36 Stunden alte - belegte Brote. Ich rufe meine Bine an, um ihr die Sorge wegen ihres ständig irregeleiteten Glücksbikers zu nehmen. Danach quatsche ich recht lange mit meinen Gastgebern; zum Schluß sitze ich noch mit Sera im Garten, um die eine oder andere Van Nelle zu rauchen. 121 km waren´s heute, 787 nach sieben Fahrtagen. Sechs Tage hatte ich für die Rückfahrt veranschlagt, es verbleiben also noch vier Tage für - nach meiner Schätzung - gute 400 km. Zeit satt, also...

Gruise, Paule
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31

Sonntag, 22. Januar 2012, 17:53

Teil 30:

20.8.03: Dafür, daß es gestern so spät geworden ist, wache ich um relativ frühe 6:30 auf. Ich hole im Haus einen Schluck Wasser für den Cappu und bereite ihn im Garten mit dem Kocher zu. So gaukele ich mir ein wenig Zeltplatz-Atmosphäre vor. Sera ist schon unterwegs, kommt aber zwischendurch zurück und bringt Brötchen mit. Ich lange kräftig zu, denn es wird bis Duisburg das letzte vernünftige Frühstück sein. Sera versucht mir noch näher zu bringen, daß es mega-einfach sei, nach Mainz zu gelangen, wenn man sich nur am Fluß namens Kahl orientiert.

Der (oder die?) Kahl mündet irgendwo in den Main, der sich wiederum bei Mainz in den Rhein ergießt. Man könne sich eigentlich nicht verfahren. Meint er. Da es ohnehin schon sehr spät ist, lasse ich die Gelegenheit nicht aus, mit Sera zum Rohbau seines Hauses ´rauszufahren. Zuallererst hebt er die 28 qm-Garage hervor, die genügend Platz für die Motorräder und Fahrräder bietet. Sera hat da nämlich auch so ´ne Zweirad-Macke. Der Rest des Hauses macht ebenfalls einen ordentlichen Eindruck, sofern ich das mit meinen beschränkten Architektur-Kenntnissen beurteilen kann. Aber als Ingenieur wird man sich schon keine Bruchbude hinstellen. Zurück in der Holzgasse, packe ich meinen Zossen zu Ende und fülle die PET-bottles mit Apfelschorle auf.

Erst um kurz vor elf rolle ich über den Kirchplatz und erreiche schnell die Hauptstraße, von der der Kahlgrund-Radweg abzweigt. Sera hat mir vorhin noch gezeigt, wo ich einbiegen muß. Und schon geht´s wieder los: Wo war der verflixte Weg denn gleich ?! Nachdem ich zweimal Schöllkrippen durchmessen habe, finde ich das Teil endlich. Ein teils feingeschotterter, teils asphaltierter schmaler Weg windet sich malerisch durch Wald und Wiesen. Muß ich an einer Brücke, die über den Fluß führt, mal eine Straße überqueren, ist der weitere Verlauf so gut ausgeschildert, daß ich echt nichts verkehrt machen kann.

Gruise, Paule
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32

Sonntag, 22. Januar 2012, 17:57

Teil 31:

Auch als ich eine kleine Ortschaft durchfahre, läuft zunächst alles erfreulich. Bis mir plötzlich ein Unimog mit Sonderfahrgestell bekannt vorkommt. Als habe ich ihn schon einmal gesehen - vor einer Viertelstunde. Bei der Gelegenheit frage ich den Fahrer nach dem Weg, der den Kahlgrund-Radweg natürlich nicht kennt und mir eine Straße nennt. Ich frage, ob es auf dieser Straße auch nach Schöllkrippen gehe. Der Mann bejaht. Danke, da komme ich ja gerade her. Mir bleibt nichts anderes übrig, als den Weg noch einmal abzufahren und nach einem Schild zu suchen, das ich möglicherweise übersehen habe. Und tatsächlich: In einer der teilweise stark verwinkelten Gassen blinkt mich aus einer versteckten Ecke ein Radwegweiser an.

Glück gehabt, denn da ich mich im Moment außerhalb meiner Karte befinde, kann ich mich nur am (oder an der) Kahl orientieren. Und ich weiß, daß ich auf meinem Weg noch durch den Ort Kahl und durch Frankfurt fahren muß. So kann ich bei eventuellen Unklarheiten wenigstens nach konkreten Zielen fragen. Anfangs nenne ich Mainz als Ziel und ernte ungläubige Gesichter; ich weiß ja nicht, wie weit es noch bis da ist. Die Angaben der Befragten schwanken zwischen 50 und 80 km. Mir ist es ziemlich egal, wie weit es nun wirklich ist. Hauptsache, ich drifte nicht total vom Kurs ab. Südlich von Kelsterbach ist ein Campingplatz eingezeichnet, und bis da werde ich auf jeden Fall kommen. Immerhin hab´ ich noch dreieinhalb Tage Zeit, also herrscht kein Grund zur Hektik.

Durch irgendwelche Wirrnisse habe ich gar nicht mitgekriegt, wo der (die) Kahl in den Main mündete, denn ich fahre bereits neben ihm. Womöglich mündet datt Kahl überhaupt nicht in den Main, sondern fließt lustig weiter, irgendwo durch den Taunus. Woher soll ich das wissen - ohne Karte und geographische Grundausbildung ?!? Ehe ich mich versehe, erscheint auch schon die Skyline Frankfurts. Absolut unsympathisch. Das ist ein Foto wert. Ein Mann, der aus einem Biergarten heraus die Szene beobachtet, fragt, ob er mich mit dem Fahrrad fotografieren soll. Ich lehne dankend ab, weil nur noch ein Foto auf dem Film ist.

Gruise, Paule
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33

Sonntag, 22. Januar 2012, 18:03

Teil 32:

Zum Glück ist es schön unkompliziert, die Banken-Metropole auf dem Maintal-Radweg wieder zu verlassen. Ein paar Kilometer flußabwärts sehe ich ein ziemlich großes Polizei-Aufgebot zu meiner Linken. Am Rande eines unansehnlichen Wohnhochhaus-Gebietes neben einer Straße stehen - durch einen Stahldrahtzaun vom Mainufer (und auch von mir) getrennt - unzählige Streifenwagen, Mannschaftswagen, Motorräder und mittendrin die zum Teil mit Gewehren bewaffneten Besatzungen. Die sehen aus wie die respektheischenden Jungs eines SEK. Was hier wohl los sein mag - ´ne ganz normale Frankfurter Verkehrskontrolle vielleicht ?!? Ein Uniformierter wirft mir einen recht unfreundlichen Blick zu. Ob er mir die lästerlichen Gedanken ansieht ?! Ach, jemand mit meinem Outfit muß wohl automatisch als Staatsfeind betrachtet werden; zum Glück befinde ich mich nicht in den 70er Jahren, dann hätten sie mich direkt verhaftet.

Welch krasser Szenenwechsel aber auch: Vor ein paar Stunden gondelte ich noch durch´s liebliche Kahltal, jetzt erlebe ich einen Polizei-Großeinsatz vor häßlicher Betonkulisse. Schnell weg hier und wieder ´rein in die Karte, deren nördlicher Rand 17 km von Frankfurt entfernt ist - laut Kartenrandnotiz. Und da ich Frankfurt ja bereits hinter mir gelassen habe, müßten es noch so um die 12 bis 13 km sein. Eine gute halbe Stunde später tauche ich dann auch wieder als klitzekleiner bunter Punkt zwischen Kelsterbach und ...HEIM a.M. (die erste Hälfte dieses Ortsnamens müßte auf ADFC-Karte Nr.16 zu sehen sein.) in die Karte ein. Jetzt kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen, ich muß nur eine ominöse Schleuse bei Eddersheim erwischen, um auf die rechte Mainseite zu kommen, auf der ich dann bis zum Campingplatz in Mainz bleiben kann. Wenig später sehe ich sie schon, die Schleuse.

Schleusen und Brücken (und überbrückte Schleusen) rufen seit diesem Schlüsselerlebnis an der Brücke bei Mainz im Mai ´02 immer ein leichtes Unbehagen bei mir hervor. Damals war der - sicherlich nett gemeinte - für Fahrräder gedachte Streifen neben den steilen und schmalen Stufen logischerweise ebenfalls sehr steil und schmal und so nah an der Wand, daß man das Bike um 45 Grad aus der Vertikalen abwinkeln mußte. Ernsts 70er Jahre Peugeot - mit Gepäckhochhaus auf dem Gepäckträger - konnte nur mit zwei Mann zur Brücke hochgezwungen werden. Auch bei meinem - recht sperrigen - Zossen half mir Konni. Rein präventiv, denn vielleicht hätte ich´s auch allein geschafft. Wenn man aber allein unterwegs ist, MUSS man es unter Umständen auch allein packen.

So wie jetzt. Schmale und steile Stufen mit einer schmalen und steilen Schräge rechts daneben. Zum Glück ist die Schleuse nicht so hoch wie die Brücke damals. Halb so wild, wie ich schnell feststelle. Schon bin ich oben und rolle über die Holzbohlen der Schleusenbrücke; der Abstieg auf der anderen Seite klappt ebenfalls problemlos. Jetzt kann es nicht mehr allzu weit sein, vielleicht 12 bis 15 km. Oder meinetwegen 20, je nachdem, welche Kapriolen ich mir noch gönne. Aber viele Möglichleiten wird es nicht mehr geben - laut Karte. Nach zwanzig Minuten zweigt der Radweg vom Main ab, das dürfte Hochheim sein. Eigentlich müßte ich dem Weg über einen Bahnübergang folgen, doch ich ziehe es vor, mich mal wieder zünftig zu verfransen...NEIN, eine kleine Rast unter schattigen Bäumen einzulegen. Zwischen der Firmenanlage einer mutmaßlichen Spedition, an- und abfahrenden LKWs, einer Kiosk-Kneipe und der zweigleisigen Bahntrasse.

Gruise, Paule
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34

Sonntag, 22. Januar 2012, 18:09

Teil 33:

Ich mag Schienen irgendwie (voll die Supermacke: Der Typ liebt Schienen!), sie verkörpern für mich Wiedersehen und Abschied gleichermaßen. Fern- und Heimweh. Bewegung und Stillstand. Gründerzeit und High-Tech. Wenn mein Blick zufällig um 14:35 auf den Tacho fällt, denke ich automatisch an die Spurweite der DB, die genau 1435 mm beträgt - oder betragen soll. Banales Fachwissen eines Mannes, der Schlosser bei der Bahn gelernt hat. Nach dieser eingehenden Betrachtung des Schienenstranges (im Allgemeinen) nehme ich den Endspurt zum Campingplatz in Angriff. Wider Erwarten verfahre ich mich nicht mehr in Hochheim; normalerweise wird´s immer kritisch, wenn der Radweg vom Ufer welchen Flusses auch immer abzweigt. Aber das wird schon noch kommen. Spätestens morgen in Koblenz, falls ich es morgen bis dahin schaffen sollte.

Nach ein wenig gezielter Fragerei ist der Zeltplatz rasch gefunden, die üblichen Modalitäten sind schnell erledigt. Der Platz selbst scheint riesengroß zu sein, Campingwagen und Wohnmobile, soweit das Auge reicht. Inmitten vieler Zelte schlage ich mein Domizil auf. Ich mag das eigentlich weniger, aber am Rande des Areals ist kein Platz mehr vorhanden. Der Zeltaufbau geht ebenfalls äußerst zügig vonstatten, denn auf ein Abspannen kann ich von vornherein verzichten. Mein Touren-Werkzeug ist gewiß reichhaltig, aber eine Hilti nebst Strom-Aggregat paßte dann doch nicht mehr ins Gepäck. Eine Schlagbohrmaschine täte nämlich dringend Not, um Löcher für die Heringe in den versteinerten Boden des Ex-Rasens zu bohren. Welch ein Glück aber auch, daß ich ein Iglu-Zelt besitze, das fällt auch ohne Heringe nicht in sich zusammen.

Nachdem ich die übliche Aufbau-, Abpack- und Einräum-Aktion hinter mich gebracht habe, trete ich routiniert den Weg zum Rezeptionskiosk an, um Getränke für die nächsten Stunden zu ordern. Und etwas zu essen - zwei TWIX und eine Prinzenrolle. Danach erfolgt der Gang zur Dusche. Wieder habe ich auf Marken verzichtet, weil´s gar keine gibt. Die Wassertemperatur ist fest eingeregelt, man kann nur warm duschen. Na ja, wenigstens ist das Wasser nicht heiß; es ist ungefähr so warm wie mein Eistee an den ersten drei Tagen dieser Tour. Wieder zurück vor´m Zelt, darf der gemütliche Teil des Tages eingeläutet werden. Und der genießerische: Ich hatte mir nämlich in Ludwigsburg noch zwei dicke Ecken Käse gekauft; an der Frischtheke wollte Felix unbedingt die Bestellung für mich erledigen. Und zeigte - als die Verkäuferin mich fragte, was es sein dürfe - auf die beiden Stücke, die ich ihm gezeigt hatte. Appenzeller und französischer Rotweinkäse.

Die beiden Schmankerl sind jetzt drei Tage mit mir unterwegs - ich bin gespannt. Doch ich entdecke keinen Schimmel, schneide mit dem Buck-Knife einen Streifen ab und genieße es. Etwas trockenes Brot dazu wär´ nich´ schlecht, am besten ein Baguette. Nun denn, der Hauptbestandteil des Abendessens sind natürlich - wie gewohnt - die allgegenwärtigen Müsliriegel. Im Schein der Gaslampe trage ich die 112 km für heute in mein Büchlein ein, 899 km in acht Tagen. Etwas weiter entfernt sitzen einige Jugendliche auf Holzbänken und feiern; vor zwanzig Jahren hätte ich sicherlich mitgefeiert. Und wäre am nächsten Morgen mit dicker Birne nicht aus´m Zelt gekommen. Gute Nacht auch.

Gruise, Paule
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35

Sonntag, 22. Januar 2012, 18:31

Teil 34:

21.8.03: Um 6:14 ist meine Nacht zu Ende, auf dem Platz ist es noch schön still. Wenn man längere Zeit allein unterwegs ist, meidet man Menschenansammlungen eher. Zumindest bei mir verhält es sich so. Die Karte kann während des Frühstücks ruhig in der Tasche bleiben, die Strecke am Rhein entlang dürfte, müßte oder sollte ich inzwischen halbwegs gut kennen. Außerdem werde ich heute sowieso aus der Karte ´rausfahren. Noch schnell den Müll entsorgt und die Pfandflaschen abgegeben, dann sitz´ ich wieder im Sattel. Oder wie Steven Tyler von Aerosmith sagen würde: I´m BAAACK in the saddle again ! Ohne Komplikationen finde ich auf die andere Rheinseite; nach kurzer Fahrtstrecke ist auch der Zollhafen erreicht. Ich finde sogar auf Anhieb die kleine Tür im Zaun. Alles klappt beinahe schon zu gut. Bis ich mich wieder in der Gegend mit den Obst- und Gemüseplantagen befinde.

Da kommt sie endlich wieder zum Tragen: die nicht vorhandene Fähigkeit, sich in einer Umgebung zurecht zu finden, nur weil man aus einer anderen Richtung kommt. Zum Glück ist ein Spaziergänger in der Nähe, der mir den weiteren Weg beschreiben kann. Vielen Dank, weiter geht´s. Ich bin keine 300 Meter gefahren, da spüre ich plötzlich einen Stich im Bereich des rechten Knies; bei meiner Spezial-Touren-Jeans liegt dieser Teil des Beines ja auf beiden Seiten frei in der Sonne. Ich halte sofort an. Was ist das denn ?!? Es sieht aus, als überziehe eine zweite Haut mein Knie. So, als sei ein aufgeblasener Kaugummi geplatzt. Ich ziehe diese Schicht - erfreulicherweise an einem Stück - ab und lasse sie auf den Boden fallen. Danach betaste ich die Stelle seitlich am Knie, an der ich den Stich spürte. Keine Beule, gar nix ! Seltsam, sowas hab´ ich ja noch nie erlebt. Hoffentlich war das nicht so ´ne Art Insekten-Alien, der jetzt in meinem Körper unterwegs ist und bei der unpassendsten Gelegenheit irgendwo ausbricht.(!)

Ich erreiche Ingelheim und kaufe mir in einer Bäckerei ein Oliven-Giabatta, das ich auf einer nahegelegenen Bank aushöhle und mit Rotweinkäse-Stückchen fülle. Herrlich, so läßt´s sich leben & reisen. Ich verweile ziemlich lange auf dieser Bank, vor der sich irgendein Denkmal befindet; auf der darunter angebrachten Schrifttafel heben sich die edlen Spender (aus der Ingelheimer Geschäftswelt) gebührend hervor. Gegenüber kaufen die Leute fleißig beim Bäcker ein. Eine Frau, die kurz zuvor mit Mühe & Not ihren Ford Maverick – Jeep eingeparkt hat, verläßt mit einer Brötchentüte den Laden. Wieviel Mavericks braucht es da wohl, um allein meine ganze Apfelschorle zu transportieren ?!? Jaa, mein treuer Zosse ist halt mehr als nur EIN Jeep. Und ich habe noch Zeit satt. So dermaßen viel Zeit, daß es beinahe schon zum Problem wird.

Denn gleich werde ich Bingen erreicht haben; von da sind´s noch zwei Tage bis Duisburg. Ich könnte also in Bingen zelten und wäre genau im Plan. Nur würde das die heutige Etappe ein wenig verkrüppeln. Und überhaupt: Was will ich mittags schon in Bingen ?!? Jetzt echt nix gegen Bingen, aber ich will fahren und nicht ´rumlungern. Ich könnte die Tour natürlich auch künstlich in die Länge ziehen und ein paar Umwege einbauen - obwohl die sich bei mir ja schon von selbst einbauen. Erst mal sehen, wie weit ich heute kommen werde, dann kann man immer noch entscheiden. Vollkommen unspektakulär setze ich die Reise fort; Bingen, Assmannshausen, Trechtingshausen, Oberdiebach und....´raus bin ich aus der Karte.

Nicht weiter schlimm, denn nachdem ich in der vergangenen Woche erst hier gewesen bin, setze ich eine brauchbare Streckenkenntnis einfach voraus. Die Campingplatz-Suche allerdings könnte zu einem Abenteuer werden. Bis zur Goldenen Meile wird´s heute sicher nicht langen. Seit geraumer Zeit schon fallen mir kleine Eidechsen (oder Salamander oder so...) auf, die hin und wieder über den Weg huschen. Sie sind echt winzig, vielleicht zehn Zentimeter lang, und ich will sie nicht plattfahren. Komisch, auf der Hinfahrt sind die Tiere mir nicht aufgefallen - ob ich welche überrollt habe ?!

Gruise, Paule
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36

Sonntag, 22. Januar 2012, 18:48

Teil 35:

In Bacharach bietet sich mir die seltene Gelegenheit, ein für diese Region typisches Kleinod am Rande der Straße zu fotografieren. Wenn ich hier nicht mein letztes Foto schieße, wo dann ?! Genauer gesagt, sind es mehrere Kleinode: Dick & Doof auf einer Bank, Lara Croft (Hauptactrice in Tombraider, wenn ich richtig tippe), viele andere Promis, Kühe, Schafe und, und, und... . Alle aus Kunststoff, mehr oder weniger lebensgroß und in 1A-Gartenzwerg-Qualität gefertigt ! Ob die Figuren nur so dort ´rumstehen oder zum Verkauf angeboten werden, kann ich nicht ´rausfinden. Preisschilder hängen jedenfalls keine dran.

Mit meiner kleinen Kamera ist es unmöglich, das ganze Panorama einzufangen, so daß ich mich mit einem Ausschnitt begnüge. ,,Kitsch oder Kunst ?‘‘‘, frage ich mich. Freizeitpark, Kirmes oder Bacharach ?! Wo ist das weltberühmte Bacharacher Riesenrad ?! Innerlich grinsend steige ich in meine private Achterbahn und ziehe meines Weges. St.Goar, Oberwesel, Boppard und wie die Käffer (oder Kaffs?) alle heißen mögen, sind schnell durcheilt. Und dann kommt die Stunde der Wahrheit - oder die Stadt der Wahrheit, für deren Bewältigung ich mit Sicherheit wieder eine Stunde brauchen werde: KOOBLLENNZZZ!!!

Diesmal will ich geschickter vorgehen und das Beton-Unter-Über-Durchführungs-Wirrwarr großzügig umfahren. Das ist natürlich nett gedacht von mir. Mehr aber auch nicht. Ich weiß ja nicht mal, in welcher Ecke sich dieser Irrgarten befindet - auch nicht ungefähr. So kreuze ich wahl- und planlos durch die Stadt, frage mal hier und mal dort nach dem Weg nach Andernach. Den Weg zum Rhein will ich gar nicht konkret wissen; die Gefahr, wieder genau DORT am Rhein zu landen, wo ich gerade herkomme, erscheint mir zu groß. Über den optimalen Weg nach Andernach driften die Meinungen selbstverständlich stark auseinander. Dementsprechend sieht wohl auch meine Route aus. Irgendwo entdecke ich einen Wegweiser nach Winningen, wo ich mit Ernst im April ´01 in einer Pension übernachtete. Einen Moment lang spiele ich mit dem Gedanken, wieder dort Station zu machen. Aber nein, ich will zelten. Bei der Wetterlage wäre es geradezu dekadent, in einer Pension abzusteigen.

Seit einiger Zeit schon fahre ich neben einem Fluß her, von dem ich insgeheim hoffe, daß es der Rhein ist. ,,´Tschuldigung, datt is´ do´ der Rhein hier, odda ?!‘‘, quatsche ich einen Spaziergänger an. ,,Nein, das is´ die Mosel.‘‘, bekomme ich zur Antwort. Ich stelle mir vor, wie solch eine Situation in Afrika aussehen könnte. Ich frage z. B. in Simbabwe einen Soldaten:,,´Tschuldigung, datt is´ do´ Sambia hier, odda ?!‘‘ - Und werde sofort erschossen, weil ich total vergessen hatte, daß zwischen den beiden Staaten Krieg herrscht. Ich muß lachen, obwohl die Situation langsam zu nerven beginnt. Irgendwo verlasse ich die Mosel und frage an einer Bushaltestelle eine ältere Frau, wie ich wohl zur anderen Seite des Flusses käme. Das sei gaaanz einfach, ich müsse nur der Straße hier folgen - am besten auf der gegenüberliegenden Seite -, dann links abbiegen, danach wieder rechts, blablablaaa.

Auf Anhieb finde ich die andere Straßenseite und fahre weiter wie mir empfohlen, gerate dann - unklare Straßenverlaufssituation usw. - jedoch leicht ins Straucheln und trage einem weiteren Passanten mein Begehr vor. Aaach, ich müsse nur hier ´runter zur Mosel, von dem Weg ginge schon nach wenigen Metern ein sehr schmaler Weg rechts ab, blablablaaa. Bereits nach vielleicht fünfzehn oder zwanzig Metern entdecke ich zwar einen Trampelpfad, den der Mann aber unmöglich gemeint haben kann. Und die Stadtplanung von Koblenz sicher auch nicht; das ist ganz klar nicht mehr als ´ne Abkürzung, improvisiert von faulen Koblenzern. Nach ca. 150 Metern (ohne rechts abzweigende Wege) frage ich mich natürlich schooon, ob es nicht DOCH die erste und einzige Möglichkeit gewesen sein könnte. Und fahre zurück, schiebe mein Bike diese Böschung ´runter, bin unten und habe plötzlich ein Déjá-Vu: Mir erscheint alles so vertraut, so, als sei ich schon mal hier gewesen. Gar nicht so lange her - möglicherweise zwanzig Minuten. In solchen Momenten ergebe ich mich am besten meinem Schicksal und fahre die Mosel wieder zurück - zurück nach Koblenz-City...

Gruise, Paule
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37

Sonntag, 22. Januar 2012, 19:10

Teil 36:

Ich lande in der Gegend (unweit des Beton-Irrgartens), in der ich schon auf der Hinfahrt Probleme hatte, entferne mich von dort aber auf einer Straße, die ich noch nie gefahren bin. Nach ungefähr 200 Metern sehe ich eine Feuerwache zu meiner Rechten und beschließe, davor erst mal einen Riegel zu essen und zu einem Schluck Apfelschorle eine Van Nelle zu rauchen. Während dessen hoffe ich darauf, daß ein paar Feuerwehrmänner des Weges kommen, die ich fragen kann. Schon nach ein paar Minuten rollt ein roter LKW auf das Gelände, auf den ich sofort zugehe. Als der Fahrer das Seitenfenster ´runtergekurbelt hat, schildere ich mein Problem. Nachdem sich Fahrer und Beifahrer in Widersprüchen verstrickt haben (,,...nee, da musser no´ nich´ rechts!‘‘ - ,,QUAAATSCH, natürlich musser da rechts! Die Laberlaberstraße is´ do´ für Radfahrer gesperrt!‘‘ - ,,Is´ do´ egal. Das is´ sonz ´n Riesenumweg!‘‘), bedanke ich mich und drehe mir noch eine Kippe.

Langsam wird die Angelegenheit echt grotesk; sollte ich auf immer und ewig in Koblenz gefangen sein ? Wie die Mäuse im Turm ? Ach nee, der steht ja in Bingen. Also, weiter geht´s, obwohl es ja eigentlich gar nicht weiter geht. Ich sehe einen Wegweiser nach Mülheim-Kärlich. Bringt mich das in die richtige Richtung ? Liegt das eher nördlich oder südlich. Ich spare es mir, jemanden danach zu fragen, denn man will ja nicht als total bescheuert dastehen. Es ist kurz vor 19 Uhr, als ich einen meiner geliebten Getränkemärkte erblicke; meine Vorräte müssen so oder so aufgefüllt werden. Der Mann will gerade schließen, läßt mir aber noch die Chance, meine Umfüll-Aktion durchzuführen, so daß ich die Pfandflaschen direkt wieder abgeben kann. Woher ich denn käme und wohin es denn ginge, will er wissen. Nach Schilderung meines Problems erklärt er mir den Weg zum Rhein. Ich vergewissere mich noch einmal, ob das auch wirklich narrensicher sei. Um die Sache endlich zu beenden: Ich finde den Rhein-Radweg tatsächlich wieder ! Nun ist es natürlich an der Zeit, einen Campingplatz anzusteuern - wenn denn einer auftaucht.

Gruise, Paule
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38

Sonntag, 22. Januar 2012, 19:49

Teil 37:

Nach zwei, drei Kilometern kommt mir ein Reiseradler entgegen, den ich anhalte und danach frage, ob er in letzter Zeit an einem Zeltplatz vorbeigekommen sei. Der ca. 25 – 30jährige Typ stammt aus Münster und fährt mit seinem Hollandrad seit Duisburg (wo er auf einem Firmengelände übernachtete, weil er keinen Campingplatz fand!) am Rhein; er wird also ungefähr den gleichen Weg gefahren sein wie ich auf der Hinfahrt. Er bestätigt mich in meiner Befürchtung, daß der nächste Platz die Goldene Meile sein müßte. Ouh, Mann, da käme Hektik auf, das würde superknapp werden. Ich wäre vielleicht um 22 Uhr da, müßte im Dunkeln das Zelt aufbauen und könnte dann möglicherweise nicht mehr duschen. Ansonsten sei der nächstgelegene Platz in Koblenz, informiert er mich noch. HAHHH, nee, keinen Bedarf, gebe ich mit einer kurzen Begründung zu verstehen.

Wir wünschen uns eine gute Fahrt und fahren in entgegengesetzter Richtung davon. In mir steigt so etwas wie ein Gefühl der Vogelfreiheit auf; vielleicht nicht so ganz passend, diese Bezeichnung, denn ich bin schließlich nicht zum Abschuß freigegeben. Doch wer weiß, was die kommende Nacht für Überraschungen in sich birgt. Quatsch, ich will den Teufel nicht an die Wand malen. Möglicherweise könnte es so ablaufen wie vor sieben Jahren, als ich von Texel kam und in Arnheim kein Quartier fand. Ich fuhr bis um 3:30 weiter und legte mich dann hinter einer Leitplanke in die Böschung. Bei der hier vorhandenen Uferböschung funktioniert sowas selbstverständlich weniger gut. Auf der linken Radwegseite wechseln die Möglichkeiten ständig, wobei es sich ja eigentlich gar nicht um solche handelt. Egal wo, man würde mein Zelt überall sehen können.

Und mich nur im Schlafsack irgendwo hinzulegen, kommt deshalb nicht in Frage, weil ich einfach keinen Bock auf Ameisen, Käfer, Zecken und sonstiges Gezumpel als Bettgenossen habe. Beim Zelt mach´ ich die Tür zu - und Ruhe ist. Da bin ich voll spießig. Da wird der Abenteurer zum sicherheitsbewußten, komfortorientierten Mitteleuropäer. Ach, ich werde erst mal weiterfahren - was bleibt mir auch anderes übrig? - und bei einer der späteren Pausen die Lage checken. Mit zunehmender Stunde wird zunehmend weniger Volk unterwegs sein; vielleicht gefällt mir ja eine Bank so gut, daß ich´s mir darauf bequem mache. Mit Blick auf den Rhein, auf dem der hypnotisierend-beruhigende Puls der Schiffsdiesel vorüberblubbert. Das hat was.

Gruise, Paule
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39

Sonntag, 22. Januar 2012, 19:55

Teil 38:

Abrupt werden diese Überlegungen von einem - am Anfang einer direkt bis ans Ufer reichenden kleinen Ortschaft stehenden - Hinweisschild unterbrochen: 10 Meter, Zimmer frei, Biker willkommen ! Da fahr´ ich ja direkt ins Zimmer ! Und duschen wollte ich ja auch. WAS ?!? Wenn ich schon im Neckar gebadet habe, kann ich´s ebenso gut im Rhein ?! Nee, da wäre mir dann doch zu viel los - am Ufer wie im Fluß selbst. Außerdem führt der Rhein an dieser Stelle schon so einiges an Chemie mit sich; und wenn man bedenkt, daß viel weniger Wasser unterwegs ist (welches nebenbei auch noch kontaminierten Flußgrund mitreißt), könnte man doch auf die Idee kommen, die Schadstoff-Konzentration sei leicht erhöht.

Kann natürlich auch sein, daß ich dem Rhein und BASF und Sandoz Unrecht tue, aber trotzdem steuere ich diese Pension an. Die leider, leider ausgebucht ist. Schon in der nächsten Seitenstraße sei noch ein Hotel, ich solle es da mal versuchen. "Zur Traube" heißt der Schuppen, der sich immerhin tatsächlich in der nächsten Seitenstraße befindet. An der Theke der angegliederten Kneipe sitzt ein älterer Mann in Radsportkluft - das läßt hoffen. Für 35 Euro checke ich in einer Ein-Mann-Kammer mit Dusche/WC und TV ein. Der Grundriß der Kabine ist - ohne Witz jetzt - kaum größer als der meines Zeltes. Meinen Zossen parke ich in einer Garage neben einer Yamaha neueren Datums, einem Rennrad und allerlei Gedöns. Zelt und Schlafsack lasse ich ebenfalls in der Garage. Dafür wäre auf dem Zimmerboden auch kein Platz mehr gewesen.

Dem schweren Anhänger meines Zimmerschlüssels entnehme ich, daß ich mich in einem Ort namens Kaltenengers aufhalte. Nicht Kaltengers, sondern KaltenENgers ! Watt´n Name abba au´! Ja, kalt ist es jahreszeitlich bedingt nicht im Zimmer, eng schon. Okay, ich verteile meine Plörren (ugs., Ruhrpott-Slang f.: Klamotten) auf Bett und Boden, dusche (lauwarm), esse ausgehöhltes Oliven-Giabatta mit Rotweinkäse und den einen oder anderen Riegel und lümmele mich auf dem Bett ´rum, während ich durch die Programme zappe. Richtig wohl fühle ich mich nicht, das ist mir hier alles nicht primitiv genug. Wenn ich auf Tour bin und wenn das Wetter gut ist, dann gehöre ich ins Zelt und nicht in ein Steinhaus ! Doch was zetere ich ´rum ?! Im Prinzip bin ich eigentlich nur froh, Koblenz´ Tentakeln entronnen zu sein. Erfreulich ist weiterhin: 137 Kilometer waren´s heute, insgesamt also 1036 km in neun Tagen. Runde 1200 hatte ich vor Antritt der Fahrt für die gesamte Tour veranschlagt, das müßte hinkommen...

Gruise, Paule
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Sonntag, 22. Januar 2012, 20:04

Teil 39:

22.8.03: Erst um 6:52 setze ich mich im Bett auf; so ein Bett verleitet schon eher dazu, sich noch mal umzudrehen. Aber es hilft alles nichts, ich stehe auf. Ouh, Mann, ich werde tierisch spät wegkommen, heute, denn ich wollte mich auch noch rasieren. Nach einer kurzen Katzenwäsche schleiche ich ´runter zum Frühstücksraum, in dem nur noch ein anderer Gast sitzt. Das Büfett sieht recht anständig aus: Käse, Wurst, Marmelade, Cornflakes, Müsli, Milch, Ei usw. Ich bitte um heißes Wasser für mein Cappu-Pulver, verziehe mich in die Raucherecke und begehe in aller Ruhe mein Morgen-Ritual. Beim eigentlichen Frühstück schlage ich - für meine Verhältnisse jedenfalls - mächtig zu. Als der ältere Rennradler den Raum betritt, kommen wir schnell ins Gespräch. Er ist Holländer und will heute bis nach Oppenheim fahren.

Ob das zu schaffen sei, fragt er mich. ,,Klar, datt is´ do´ inne Nähe von Mainz. Datt schafft man an einem Tach.‘‘, mache ich ihm Mut. Als ich oben im Zimmer auf die Karte gucke, stelle ich fest, daß Oppenheim wohl doch noch ein Stückchen weiter südlich als Mainz liegt. Na ja, der Mann wird sich sicherlich in Koblenz nicht so einen Fauxpas leisten wie ich. Jetzt noch eben rasieren und dann aber los ! Ich schalte den Apparat ein: mmääääääääähhh..zzrräääÄÄÄÄÄZÄÄÄZZÄÄÄÄHHH !!! Was ist das ?! Ouh, shit, wie sieht die Scherfolie denn aus ?! Die war in Ludwigsburg ja schon leicht angeknackst, in Schöllkrippen war der Riß dann etwas länger. Und jetzt ist sie komplett auf ganzer Breite durchgebrochen; bevor ich hier also ein Blutbad anrichte, packe ich den Kram ein und vergesse die Sache.

Ich schwenke auf den altbekannten Rhein-Radweg und spule bereits jetzt alle Stationen, die mir einfallen, vor meinem geistigen Auge ab: Andernach, Bonn, Köln, Neuss, Düsseldorf. Sehr grob zwar, und irgendwo müßte auch noch Remagen auftauchen, aber trotzdem klingt das nach keiner superlangen Strecke. Andererseits wirken viele innere Schweinehunde der Idee entgegen, heute direkt nach Hause zu fahren. Vielleicht sind es auch gar keine Schweinehunde, sondern man sagt Vernunft dazu. Denn ich kann nur sehr vage schätzen, wie weit es noch bis Duisburg ist. Grober Anhaltspunkt ist die ´99er Tour, bei der es bis Bingen 277 km waren. Man ziehe nun die Strecke Bingen – Kartenrand – Koblenz ab und kommt auf ca. 200 km für Koblenz – Duisburg. Minus 10 km Koblenz – Kaltenengers = 190 km. Miiinus weitere vier bis fünf Kilometer, die ich seit Kaltenengers gefahren bin. 185 km also noch...

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447