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rogger

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Samstag, 11. Mai 2013, 23:56

Ein Bericht einer vergangenen Tour, die am Bodensee startete

Ich möchte hier ein wenig erzählen von der Tour, die ich 2011 mit meinem Kollegen fuhr.
An anderer Stelle im www beschrieb ich die Reise schon einmal, aber das macht ja nichts, weil eine Neuauflage macht ja keinen Schaden.
Manche hier kennen den Bericht bereits, aber auch das macht nichts.

Wir planten, mit der Bahn an den Bodensee nach Konstanz zu fahren, den See weitgehend zu umrunden und dann am Rhein entlang nach Hause zu finden.

Ich werde für jeden Tag der Reise einen neuen Beitrag schreiben und den nächsten Beitrag den folgenden Tag nachschieben.
Gruß, rogger
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Sonntag, 12. Mai 2013, 00:00

Der erste Tag:

Wir trafen uns am Montag 11.4 morgens am Bahnhof in KA, um einen Zug der Schwarzwaldbahn zu nehmen, der uns nach Konstanz bringen soll.
Das sperrige Gepäck wurde auf dem Hänger verzurrt, und so gingen wir zum Bahnsteig, glücklicherweise hat es Fahrstühle, die uns hoch auf den Bahnsteig brachten.
Der Zug kam an, die Reisenden stiegen aus und als die Menschentraube von der Plattform weg war, stiegen wir in den Zug ein und platzierten unsere Drahtesel an den vorgesehenen Plätzen und suchten uns eine passende Sitzfläche.
Es war ein schöner freier Raum, Klappsitze wovon ein paar für das Catering reserviert waren, dies hielten wir auch gerne frei, wofür allerdings eines der fahrräder umgestellt werden musste, da dies der Schaffner so wünschte, wir haben die Schilder einfach nicht gesehen...

Unterwegs schauten wir ab und zu aus dem Fenster und erfreuten uns daran, dass der Blick aus dem Fenster zeigte, dass die Schwarzwaldbahn ihren Namen daher erhalten hat, dass sie durch den Schwarzwald fährt.
Sowohl Landschaft wie auch die Häuser in den Dörfern, die wir sahen waren einfach "Schwarzwald".

Ein leichtes Bahnreisender-Kino hatten wir auch, wir saßen direkt an der Toilette für mobilitätseingeschränkte Personen, diese wurde per Knopfdruck geöffnet und von innen verschlossen.
Nur doof, dass die Schalter dafür so angebracht waren, dass sie jemand aus einem Rollstuhl heraus ohne weiteres erkennen kann, was für aufrecht Gehende nicht zu finden war. Es war immer wieder erfrischend zu sehen, wie die Tür wieder aufging und ratlos blickende Reisende mit dieser einfachen Technik heillos überfordert waren.

Ein Radler stieg zwischendrin zu, schloss seinen Hobel an eine Stange und suchte sich einen Platz im Waggon.
Später tauchte er wieder auf und es endstand sogar ein Gespräch, was wir vorhaben, er wolle noch das letzte Stück nachholen, was ihm fehlt, um den Bodensee vollständig umfahren zu haben.

Kurz vor der Ankunft am Bahnhof Konstanz bricht dem Mitreisenden der Schlüssel im Schloss ab, welches er doch gottseidank mit Geschick und zerlegtem Schlüssel öffnen konnte, dies wäre doch die Katastrophe für ihn gewesen.

Am Bahnhof in Konstanz, die Auswahl stand zwischen Treppe runter oder hinten am Ende des Bahnsteiges über Betriebswege ebenerdig aus dem Bahnhofsgelände herrauszukommen, nur..., dürfen wir das, sind wir nicht Unbefugte, denen das Überschreiten der Bahngleise verboten ist ??
Also allen Mut zusammengefasst und den Schaffner gefragt: "Dürfen wir da drüben rüber ?"
Er schaut nur kurz rüber und sagt: "Schweizer Seite, ja da dürft ihr rüber."
Ab rüber und los in Richtung Seeufer.......
Nach wenigen Kilometern, eigentlich ganz knapp vor Betreten des eigentlichen Bodenseeradweges dann die erste Panne:



Diese war aber schnell beseitigt, ab, weiter.

Begleitung hatten wir von einem Zeppelin erfahren, am folgenden Tag war das Museum dieser Luftschiffe auf dem Plan.



So fuhren wir weiter bei Prachtwetter, Sonnenschein und voller Motivation entlang des Weges, der sich vor uns zeigte




Zwischendrin gab es Pausen, aber weiter ging es entlang schöner Landschaft






Wir befuhren ja das Ufer des Bodensees entgegen dem Uhrzeigersinn, durch oder auch an Orten vorbei mit schönen Namen wie Landschlacht, Rootfarb oder Romanshorn, wo wir, wenn ich mich richtig erinnere, am Seeufer bei einer parkähnlichen Anlage die erste Vesperpause machten.
Die Klappstühle ausgepackt, Blick auf den See die Brote und Brötchen belegt und ab damit in die Futterluke.

Bequem wie wir saßen, genossen wir den Ausblick und versuchten zu erraten, welches dieser Städte am anderen Ufer denn nun Friedrichshafen sei. Von Westen näherte sich der Zeppelin, den wir zu Beginn sahen, auf der anderen Seite des Sees, den wir später liebevoll Teich nannten.
Bis er landete, warteten wir nicht ab, wir wollten ja noch weiter...

Aus dem Spender an einer Mülltonne nahm ich noch zwei mit "Hundekotbeutel" beschriftete Tüten mit, in denen anfallender Abfall gesammelt werden soll.

Als wir Rohrschach erreichten, befürchtete ich schon, dass uns in diesem Ort jemand in den Weg stellt, um uns Tintenkleckse vor die Nase zu halten.
Aber dies passierte nicht, wie komme ich nur auf solche Gedanken ?

Die Rheinmündung näherte sich, ganz nett, ein kleines Flüsschen, nicht der Strom, den ich von daheim kenne.



Um diesen Fluss überqueren zu können, mussten wir uns flussaufwärts vom Teich weg bewegen, um eine Brücke zu finden, um auf die andere Seite zu kommen. Blick auf die Alpen inclusive:

[img]https://lh3.googleusercontent.com/_4CxtoCNR5Zo/TatBh6Dcq8I/AAAAAAAABk0/YBrQJlCd4eY/Bodenseetour%202011_1944.JPG
[/img]
Nach der Brücke waren wir in Österreich, sogar vor den Toren eines Supermarktes. Eine Zweiliterflasche Almdudler ging hinterher mit auf die Reise, wie auch seltsame Eisteevariationen und zwei winzige Flaschen Radler, die wir an der Mündung des fließenden Gewässers in den See gemütlich tranken.



Es war an sich ganz nett an diesem Platz, Sonnenschein, Stille die durch Quaken der Enten oder durch tobende Schwäne durchbrochen wurde.
Hin und wieder war das Sirren winziger aber auch zahlreich vorhandener Blutsauger zu hören. (Das Bild ist nicht scharf, aber die wollten nicht posieren, die Drecksschnaken )

[img]https://lh4.googleusercontent.com/_4CxtoCNR5Zo/TatBirXW2OI/AAAAAAAABk8/_69zCXLx44s/Bodenseetour%202011_1952.JPG
[/img]
Als wir Lindau erreichten, war es schon zu fortgeschrittener Zeit am Tag, aber noch im gedachten Zeitplan.
Wir erreichten Lindau, ein Schlenker über eine kleine Halbinsel, wo wir schon den nahenden Sonnenuntergang erahnen konnten.



Weiter ging es Ziel war ein nahe bei Kressbronn gelegener Zeltplatz.
Dumm nur, dass der Zeitplan dann doch aus den Fugen geriet, trotz meiner stoischen Einstellung "das klappt schon!" kamen wir kurz vor neun am Zeltplatz an, dessen Anmeldung aber um acht schon geschlossen war.
Mistkac*e, dammische.

Plan B kam nun ins Programm, wir suchten ab dann einen Platz, wo wir unsere Zelte aufschlagen konnten und fuhren mit diesem Ziel vor Augen los, waren wir uns noch sicher, dass wir rasch ein ruhiges sicheres Plätzchen finden würden.

Weiter geht es, die Dämmerung machte rasch der Dunkelheit der Nacht Platz.Der Wald, den wir ansteuerten war über Obstbaumplantagen zu erreichen, diese wurden aber nahezu alle mit kleinen Traktoren befahren, die die Bäume mit irgendwas besprühten, womit wollten wir nicht wirklich wissen, in der Nähe dazu wollten wir auch nicht nächtigen, also auf in den Wald in der Hoffnung, eine Schutzhütte zu finden, der war aber auch nicht geeignet zum Pennen, keine Schutzhütte weit und breit von einer Lichtung ganz zu schweigen.

Mittlerweile sind wir in Friedrichshafen angekommen, durchquerten diese Stadt, schon zu Beginn des Ortes immer die Augen in ihrer beschränkten Sicht am Wegesrand und sonstwo, etwas zu finden, sei es ein Park oder vergleichbares, wo wir uns ablegen könnten. Aber auch da war nichts zu finden.

Gegen Ende der Stadt sehen wir eine Tankstelle, es war schon ~22:15 Uhr, sie war noch offen, oh Freude !
Wir entschieden uns, dort noch ein Bierchen zu kaufen, einen Happen zu essen vielleicht noch ?
Zwischen Tanke und uns war noch ein Bahndamm und eine Straße, aber da ich meinen Kopf drehen kann, um mich umzusehen, war ich mir sicher, dass ich heil dort drüben ankommen würde.
Das Fahrrad stand, ich wollte gerade los und dann gingen beim ersten Schritt mit einem Schlag alle Lichter der Tanke aus !



Es war sehr erfrischend, wie gnadenlos Murphy's Law zuschlagen kann, lachten entsprechend los, das Lachen angeheizt von dieser Ironie des Schicksals und unserer mittlerweile fortgeschittenen Müdigkeit.

Shyce, also wieder mal auf die Hobel und weiter und weiter, die Beine gewannen eine unglaubliche Macht über die Pedale, wir wollten letztendlich eine Stelle zum Pennen finden!!!!

Die fanden wir dann in Hagnau, direkt am Ufer des Sees, schön verdeckt von buschigem Gewächs und einigen Bäumen direkt an der offiziellen Route.



Da wir auf dem Weg noch eine offene Tanke fanden, hatten wir eine kleine Packung Bratwürste im Gepäck, die wir dann endlich an unserer neuen schönen Schlafstätte grillten.
Ohne Brot ohne Besteck mit bloßen Fingern benetzt von frisch aufgeträufeltem Ketchup, heiß und braungebrannt direkt von der Grillplatte.

Noch das Gepäck vor der Witterung gesichert ab in die Schlafsäcke, es war immer noch lau und angenehm, kein Wölkchen am Himmel zu sehen.
Kurz vor Mitternacht lagen wir in unseren Pennsäcken am Ufer des Bodensees. Guter Abschluss des ersten Tages einer längeren Tour.

Tachostand unserer gemeinsamen Fahrt bisher 131km.
Gruß, rogger
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Sonntag, 12. Mai 2013, 21:20

Der zweite Tag:

Der Tag begann, für mich zumindest, wenn man es so will, sogar vor dem Aufstehen.
Ich lag im Gegensatz zu meinem Kollegen nicht auf einer Isomatte, diese hatte ich vergessen einzupacken (), sondern mit meiner Penntüte direkt auf dem steinigen Boden, welcher aber erstaunlich bequem war. Ich konnte mit meiner Hüfte eine schöne Mulde im Kiesbett einarbeiten, die dann bequem war und mich vor dem Herabrutschen schützte, es war leicht abschüssig.
Der vorgezogene Tagesbeginn lag darin begründet, dass ich immer wieder mal aufwachte, wohl in der Furcht, das Wetter könnte umschlagen und auf uns niederschlagen, was extremen Mangel an Trockenheit bedeuten würde.
Ich wachte dreimal auf auf, konnte mich aber glücklicherweise davon überzeugen, dass es niedersachlagsfrei blieb, wobei das zweite mal, als ich um mich sah, über das andere Ufer hinweg ordentliches Wetterleuchten sehen konnte.
Ohmann, dachte ich, wenn das zu uns kommt, dann gute Nacht.
Aber das Wetter verschonte uns, wir wachten zeitgleich mit der Dämmerung endgültig auf, das Wetter war noch einigermaßen annehmbar, der Wind war aber deutlich frischer und steifer, aber es war noch trocken. Wir packten alles zusammen, schoben die Räder die Böschung hoch, trugen den Hänger hinauf und wollten los.
Eine kleine Verzögerung gab es noch, da meine Brille noch irgendwo an der Schlafstätte lag, was mir auffiel, als wir losfahren wollten. Also nochmals runter um dieses Teil zu suchen, was mir das Erkennen des Gesehenen erleichtert.
Gefunden, geputzt, die Brille auf die Nase gesetzt, den Brillenträger aufs Fahrrad gesetzt und los, der Weg geht weiter vorwärts. Zurückfahren gibt es nicht, da waren wir uns einig, das Zeppelinmuseum muss erstmal ohne unser Eintrittsgeld überleben.

Wir fuhren ein Stück bis nach Uhldingen, wo wir uns in einem kleinen Dorfladen mit frischem Backwerk und Belag eindeckten und an der Uferpromenade unser Frühstück zu uns nahmen. Der Blick lies sich direkt auf ein Pfahlbautenmuseum lenken:



Das Wetter war nicht mehr so schön wie am Vortag, es frischte ordentlich auf und der Wind legte einiges auf, uns zu zeigen, dass Wetter nicht nur Regen oder Sonnenschein, nein gar anderes bedeutet, wenn Regen und Sonnenschein nicht mitwirken:



Dennoch trotzten einige wackere Schnatterviecher der Witterung und flogen ihr Revier ab.



Es war an der Zeit, weit zu fahren, wir waren gesättigt, hatten uns am See an dieser Stelle sattgesehen und wollten weiter.
Also ging es los in Richtung Überlingen und darüber hinaus.

Landschaftlich wurde es an dieser Ecke abwechslungsreicher, der Teich zeigte, dass er auch Steigungen an seinem Rand aufweisen kann, für uns Flachlandradler sogar deutliche Steigungen. Als wir uns wie Rindviecher fühlten, wie wir die für uns spürbaren Steigungen (Es sind für manch Anderen nur leichte Erhebungen) hochfuhren, begeneten uns doch tatsächlich passende Rindviecher.



Radolfzell, weiter, eigentlich nur noch ein Stückchen weiter bis zum Zeltplatz, der war zwar personell besetzt, aber hat noch nicht geöffnet.
Die Böschung auf dem Weg von diesem Zeltplatz weg nutzten wir, um am Gewächs am Wegesrand unsere Blase zu erleichtern und fuhren weiter.
Mittlerweile begann der Niederschlag, so dass wir unsere Regenkleidung anlegten und geschützt von der Kunstfaser vor der Unbill der natürlichen Witterung weiterfahren konnten.
Ziel war der nächste Zeltplatz einige Orte weiter, er war sogar offen, aber es war niemand auffindbar, der uns helfen konnte, in der Freilichtunterkunft einzuchecken.

Also weiter, mal wieder eine Steigung rauf, wo sich am Revier eines Restaurants ein schönes Detail der Wegstrecke zeigte, teils Kunst, teils Funktion. Eine, wie ich sie nenne, Reparaturstationsskulptur:





Am Ende erreichten wir Wangen mit dem offenen Zeltplatz, wir checkten ein, bauten auf, und entspannten erstmal in diesem Moment der Ruhe, den wir einfach nur genossen.

Es ging noch weiter, wir waren zwar bereits am Ziel der Tagesetappe angelangt, Das Wetter war wieder etwas aufgeklarter, die Sonne hatte sogar die Güte zu zeigen, dass sie noch vorhanden war, aber es war doch ein paar Kilometer weiter weg, wo sie hinschien.



Insgesamt war es etwas frischer aber auszuhalten ohne Regen. das Lager war aufgeschlagen und wir genossen den Sitz auf unseren Sesseln.



Eine ältere Dame von den frühen Dauercampern lud uns zu einem Kaffee ein, was ich als leidenschaftlicher Kaffetrinker natürlich gerne annahm..

Schön war es, eine heiße Dusche zu nehmen, die Klamotten wurden gewaschen, zum Trocknen konnten wir sie problemlos im Duschhaus aufhängen.

Da uns das Sitzen dann doch zu langweilig wurde, erkundeten wir das Dörflein, welches relativ schnell geschah, so klein und überschaubar wie es war.
Am Ufer des Sees entdeckte ich ein für mich bislang unbekanntes Insekt, welches irgendwie einer mutierten Ameise ähnelte, sich aber mittlerweile als Ölkäfer identifizieren lies.



Der Tag ging, wir wackelten in unsere Zelte, ich hatte glücklicherweise am Wegesrand eine Isomatte gefunden, solch eine aus dünnen Kunststoff und Alufolie. Ein geringes Packmaß, aber dank meiner Einbildungskraft war sie hilreich, hatte ich doch eine isolierende und wärmereflektierende Schicht zwischen mir und dem Boden.
Recht schnell schliefen wir ein und sammelten Kraft für den folgenden Tag.

Die Strecke an diesem Tag war nur 64km lang, aber diese Entspannung tat uns gut nach den Strapazen des letzten Tages.
Gruß, rogger
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Montag, 13. Mai 2013, 08:34

"...Überlingen und darüber hinaus..." :rofl: ...

Seeehr geiler Bericht! Kenne den zwar, aber...irgendwie anders (in meiner Erinnerung jedenfalls)...

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

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Montag, 13. Mai 2013, 22:38

Der dritte Tag:

Früh am Morgen wachten wir auf, es war noch vor der Dämmerung.
Jede Bewegung im Zelt brachte uns in Kontakt mit unsagbar kaltem Kondenswasser, welches dann gern am Nacken beginnend in die Kleidung weiterwanderte. Dies war noch schöner und intensiver zu spüren, als der von der über Nacht gewachsenen Kälte beanspruchte Leib mehrmals an der Zeltwand entlangschrabbte beim Versuch das Teil zu verlassen.

Synchron sind wir erwacht und stellten fest, dass es schweinekalt war.
Hochfrequent bewegte sich mein Unterkiefer, um meinem Oberkiefer akustisch untermalt zu sagen:
"Hey Bursche da oben, ich habe auch solch harten Auswüchse wie Du !"
Die ersten Worte waren rhytmisch untermalt von einem dezenten Klkklkklkk.

Im Duschtempel, den wir nach der Morgentoilette besuchten wärmten wir uns an der Heizung auf und waren erfreut, dass deren Zeitschaltuhr eine aktive Heizung eingeplant hatte.

Den Leib bekleidet, die Taschen gepackt, den Reif vom Sattel des Kollegen beseitigt, ging es dann gegen 7:00 los.



Am Ende der nächsten Ortschaft fanden wir einen kleinen Kiosk, eher sogar den Dorfladen, wo wir uns mit frischem Backwerk und Belag eindeckten, die Erfahrung zeigte uns, dass Einkaufsmöglichkeiten am Weg direkt nicht gerade sehr leicht zu finden waren.
Der für solche Läden wichtige Insasse, der am Bistrotisch sitzende Herr, der in seine tagesaktuelle, mit mit klarer plakativer Sprache versehenen Presse vertieft war, brummte noch ein verhaltenes "Tschö" in seine Zeilen oder in seinen Kaffe. Wohin er brummte, konnte ich nicht ausmachen, war auch nicht entscheidend, er hatte uns wahrgenommen und wünschte uns auf seine eigene Art eine gute Reise.

Alles Gekaufte verpackt ging es auf die Drahtesel, um den Weg nach Schaffhausen zu finden, das Ziel, welches wir auch zur Besichtigung planten, da doch schon das Luftschiffmuseum einer leichte Nachtfahrt zum Opfer fiel .

Wir befuhren den Weg, wie ihn die Karte zeigte, welches auch die am Weg angebrachten Schilder bestätigten und fanden den Weg durch Stein am Rhein.



Weiter ging es, über den vom Teich aus gesehen, jungen Rhein, als er sich wieder besann, ein Fluss zu sein.



Diese Aufnahme entstand auf einer Brücke, nach der ein kleiner Schreckmoment aufkam, die Wegführung war deutlich auf der Straße für Radler gekennzeichnet, aber irgendwie machte sich Unsicherheit breit, ich dachte beim Befahren schon, die wollen die Radler auf die Autobahn lotsen und ausmerzen !



Aber gottseidank falsch gedacht, wir fanden wieder auf einen geeigneten Weg, welchem wir folgten. Diesem Entlang fanden wir nach einer Steigung, die nicht so schlimm war, wie befürchtet, einen Rastplatz, an dem wir die Sonne spüren, unsere Brötchen belegen und die Schönheit der Landschaft genießen konnten.



Noch eine leichte Steigung durften wir überwinden, als wir den ersten wahrnehmabaren Grenzübergang fanden, wäre die Barriere und der schwarzrotgoldene Pflock nicht, hätten wir es nicht erkannt.



Die Strecke führte weiter durch den Wald, es war überhaupt nicht mehr so flach wie am See, aber abwechslungsreicher, es ging nicht nur am Ufer eines Sees entlang.
Wir erreichten Gailingen auf deutscher Seite, auf Schweizer Seite war Diessenhofen, schön anzuschauen, direkt vom Ufer.



Kurze Rast zum Trinken und Schauen, dann weiter, es war noch früh am Tag, wir wollten noch ein paar Kilometer machen und den Rheinfall sehen.

Kurz vor Schaffhausen zeigte sich schon, dass der Rhein sich anschickte, wilder zu werden.



Jetzt möchte ich aber noch vom Rheinfall berichten.

Schaffhausen hatten wir erreicht und schlugen uns dort auf die linksrheinische Seite, der uns entlang am Fluss auf einem nicht ganz ebenen Weg nach Laufen führte



mitunter stramm, wenn auch kurz die Steigung, manchmal wurde halt geschoben. Aber am Ende kamen wir am Schloss Laufen an, durch welches wir den Besucherpfad am Wasserfall erreichten.
Ein famoser Ausblick bot sich uns, bis fast auf Höhe des unteren Gewässers führte der Pfad.



Dort war aber eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit, was einen langen Aufenthalt auf dieser Plattform verleidete.

Der Kollege durfte zwischendrin noch eine Familie asiatischen Ursprungs fotografieren, worüber sich alle sehr freuten, ein Lächeln auf den Gesichtern und ein herzliches Danke war als Belohnung gewiss.

Nachdem wir fertig waren mit der Besichtigung und dem Bewundern des Naturspektakels richteten wir unsere Fahrzeuge, nahmen noch einen guten Schluck Getränk zu uns, als uns der Fahrer einer Molkerei ein Kaffeekaltgetränk überreichte. Scheinbar hatte er die Befugnis, Werbewirksam tätig zu werden.




Der zweite Freikaffee der Tour, sowas nehme ich doch immer wieder gerne an. Später wurde er noch schön kalt und geschüttelt, wie es vom Hersteller empfohlen wurde, am Flussufer genossen.

Nochmals die Sicht von der anderen Seite des Falles:



Nun hatten wir Schaffhausen geschafft, und setzten nach der Stärkung mit der Kalorienbombe voll Zucker, Milch und Sahne vom Emmi-Mann unseren Weg fort.
Auf dem Weg durch Ortschaften wie Altenburg, Rafz, Günzgen und anderen wohlklingenden Namen in ebenso schöner Landschaft querten wir mehrmals die deutsche und die Schweizer Grenze.
Wie auch ein Kleinstrudel Hunde -drei kleine Hunde- angeführt von einer älteren Dame unseren Weg querten, allesamt schon sehr betagt.
Sie hatten alle die Ruhe weg, führte sich einer der Hunde selbst aus, er scheint den Weg seiner täglichen Runde zu kennen und leitete sich scheinbar lieber selbst.



Ich will dann mal das Motto des dritten Tages erwähnen:
Die Suche nach Gas.
Uns ging am Vortag beim Kochen das Gas aus, zum Glück war es noch ausreichend für die gestrige Mahlzeit. Übrigens sehr lecker, Nudeln mit einer Soße, deren Hauptcharakter geprägt war durch Unmengen Knoblauch und Zwiebeln, die zwei Tage eingelegt in Gewürzen reifen durften.
Da ich vor der Reise entspannt im Baumarkt um die Ecke eine neue Gaskartusche kaufen wollte, die aber dort das Sortiment änderten und der passende Brennstoff nicht mehr verfügbar war, hatte ich nur eine Kartusche im Gepäck, die sich leerer erwies, als ich zuvor schätzte.
Die Augen am Wegesrand immer nach Läden offen, die vielleicht eine Gaskartusche verkaufen würden, fanden wir in der nächsten großen Ortschaft ein Fachgeschäft für Grillzubehör. Ein wahres Paradies für alle, die Fleisch und -je nach Neigung- sogar Fisch und Gemüse auf offener Hitze garen wollen.
Aber dumm nur, verwöhnte Stadtkinder, wie wir sind, offenbarte sich etwas, was wir vielleicht noch aus vergangenen Tagen kannten:
Ladenöffnungszeiten !!!
Die hatten Mittagsruhe, seit zehn Minuten bereits !!!
Na denn, Mist auch, nebenan war noch eine Zweigstelle des Feinkostimperiums, das einst von zwei Brüdern gegründet wurde, wo wir immerhin unseren Getränkebestand auffüllten, erstaunlich, welche Mengen wir tranken und benötigten.
Noch ein Halt beim Anton (weiße Schrift auf blauem Grund), dort einen Satz Lippenpflegestifte besorgt, da die Lippen recht spröde waren und Pflege einforderten.
Es ging weiter, auf dem Land bot sich ein Anblick, der länger genossen werden wollte, Greifvögel, eben für ein Stadtkind ein Schöner Anblick !



Aber nicht nur einer, interessanterweise, einer der wenigen Vögel, die ich im Flug erkenne, ein Milan, nicht nur einer, eine Vielzahl davon:



Auf der Suche nach dem Gas versuchte ich mein Glück bei einem Campingplatz, da es oft einen kleinen Shop für die Camper gibt, nur nicht an diesem, aber die Frau, die dort zuständig war, beschrieb uns den Weg in einem Dialekt, von dem ich allenfalls ein viertel verstand, wo wir einen Baumarkt finden würden.
Wir streiften davon angeleitet, unterstützt durch die Karte, durch die Gegend, wo wir dann in Tiengen einen Baumarkt fanden, der die Gasmarke führte, die an den Kocher/Grill passte !!!!

Am Rheinufer kurz vor'm Ende von Waldshut belohnten wir uns dann mit einer selbstgebrutzelten Currywurst, die uns für die weitere Reise stärkte.



Wir passierten irgendwann ein Wasserkraftwerk bei Albbruck, von dessen Brücke über den Rhein und das Reservebecken eine Aussicht zeigte, die kaum kontrastreicher sein kann:



AKW, zu sehen vom WKW, durchaus interessant. Leibstadt in der Schweiz.

Aber wieder weiter, Laufenburg, Murg, Bad Säckingen, wo wir entlang eines Bahndammes vorbei an gefühlt unendlich weiten Reihen von Kleingärten mit exakt gekürztem Rasen vorbeifuhren.
Dort machten wir kurz Rast am Wegesrand, um unseren täglichen Anrufe zu tätigen, die unseren lieben zu Hause zeigen sollen, dass wir noch wohlauf sind.
Geplant war von vornherein, Kilometer zu machen und einen Platz zu finden, wo wir das Zelt aufschlagen können.
Einen geeigneten Platz fanden wir, nachdem wir eine Fahrt rundum und kreuz und quer durch das bereits dunkle Wallbach machten. Separat abseits eines Weges fanden wir eine ebene Wiese am Waldrand, ca 50 Meter von der Straße entfernt, die immer weniger befahren wurde und somit keine Bedrohung durch Lärm darstellen würde.
Wer dort vorbeikommt, schaut nicht dorthin, da die Wiese ausreichend im Abseits des normalen Blickfeldes von jemandem war, der auf dem Weg daran vorbei fahren oder gehen sollte.

Die Entscheidung war, gemeinsam ein Zelt zu besiedeln, um darin gemeinsam der Kälte zu trotzen.
Zelt aufgeschlagen, Gepäck und Sattel gegen nächtliche Witterung geschützt ging es in die Koje, eng war es im kleinen kurz zuvor beim Lidl gekauften Zelt.
Wasserdicht war es ja, dies hatte sich erwiesen.
Jetzt kommt es zur vorher angekündigten Überraschung des Tages bzw. der Nacht:
Es war auch fast luftdicht !
Wir wachten des Nachts fast synchron auf, der Kollege und ich schauten uns an und er fragte nur: "warum bin ich so tachypnöisch ?"
Im Nachhinein betrachtet, war das Zelt wohl tatsächlich so dicht, dass sich der Sauerstoffgehalt im Zelt reduzierte, was uns zu dieser erhöhten Atemarbeit brachte, nach dem Öffnen des Zeltes konnten wir rasch wieder ruhiger atmen.
Nun mit dem einen kleinen Spalt offenen Zelt konnten wir bis zum Beginn des nächsten Reiseabschnitts mit frischer kalter Luft weiterschlafen.

Tageskilometer: 127km.
Gruß, rogger
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Mittwoch, 15. Mai 2013, 21:50

Der vierte Tag:

Nachdem wir das Belüftungsproblem gelöst hatten, waren doch noch einige Stunden relativ erholsamer Schlaf möglich. Relativ daher, dass es nicht so einfach war die Schlafhaltung zu ändern, ohne über seinen Tourpartner zu rollen, und außerdem hatte ich irgendwie immer das Problem, wo ich meine Arme unterbringen sollte, ohne meine Ellbogen ins Gesicht des Zeltmitbewohners zu rammen.
Die Nacht war irgendwann zu Ende, wir schälten uns zur endenden Nacht im Übergang zum Morgengrauen aus dem Gemach und richteten unsere sieben Sachen.
Das Zelt, außen furztrocken, aber innen klatschnass vom Kondensat, schüttelten wir erstmal ordentlich, damit sich alles am Boden sammeln kann, um dann den größten Teil des Kondensats auszuschütten, bevor wir es einpackten.

Start der Etappe vier;
Wir suchten im Ort einen Laden, unser Wunsch war es, einen Bäcker zu finden, den wir sogar fanden. Dort kauften wir die übliche Tüte Gebäck verschiedener Art ein und bestellten noch einen Kaffee, den wir am Tisch, welcher direkt im Schaufenster stand, tranken. Wunderschön, diese Wärme, sowie das Aroma des frisch gebrühten Kaffees. Die sehr nette Dame im Lädchen spendierte uns noch ein Stück Linzerschnitte zur Stärkung für die weitere Reise, eine wunderschöne Geste.

Der Rhein forderte wieder unsere Begleitung, seinem Ruf folgten wir, ein paar Kilometer an seinem Ufer entlang, bis er uns an einer schönen Stelle zur eigentlichen Frühstückspause einlud.



Mit Blick auf den Strom frühstückten wir erst einmal, genossen die Ruhe und die Tatsache, dass es mit zunehmendem Tageslicht langsam etwas wärmer wurde.
Es war spannend zu sehen, wie halbstarke Gänse einen der Ihren anstachelten, den Schwan anzumachen. Es war deutlich zu erkennen, dass einer von drei Gänsen in Drohhaltung zu einem Schwan schwam, diesen anblökte und sich dann ganz schnell wieder zu seinen Kumpanen flüchtete.
So richtig halbstarkes Geplänke halt, nach dem Motto: Du traust Dich eh nicht.

Am weiteren Weg passierten wir noch brütende Schwäne, und der Weg führte weiter wie zu erwarten entlang des Rheines.



Es gab einige Kilometer weit nicht spektakuläres, bis wir bei einer sogar sehr großen Baustelle einige kleine Umleitungen fahren durften, natürlich über einige gestreckte Bodenunebenheiten, die wir mittlerweile gewohnt waren, aber trotzdem nicht mochten. bei auf der Tour gewachsenen Traditionen muss man aber gewillt sein diese mitzumachen.



Die Baustelle war, wie es schien ein Rückbau eines Wasserkraftwerkes, die sich später noch als zahlreich am von Menschenhand gezähmten Rhein zeigen würden. Wenn ich richtig erinnere, war diese bei Wyhlen, wo jetzt die Bagger wühlen.





Ohne Zwischenfälle gelangten wir an die Grenze bei Basel, die Verkehrsführung war nun wirklich überhaupt nicht auf Radler ausgelegt.
Im Gegensatz zur Verkehrsführung direkt in Basel, die war zwar offiziel auch für Radler ausgewiesen, aber dennoch sehr abenteuerlich.

Aber da wollten wir ja durch.






Und wir fanden durch, Pause machten wir am Badischen Bahnhof, dessen Toilette unserem Gedärm auch mal die nötige Freude gönnen konnte.
Und unser Inwänder Geselle war doch erfreut, mal auf einem anderen Sitz zum Zuge zu kommen.
Nach diesem Gewichtstuning setzten wir unseren Weg durch Basel fort, mit ausgeprägt urbaner Aufmerksamkeit kommt man da auch heil durch, Kontrastprogramm zum naturnahen Radeln.
Ein Ungetüm von Industriegebiet mussten wir noch durchqueren, bis wir endlich wieder eindeutige Strecken entlang eines fließenden Gewässers fanden, allerdings mussten wir unseren Orientierungssinn mit der Karte abgleichen und konnten nach einer Rast zum Mittag an einem Rastplatz unser Mittagsmahl einnehmen.

Insgesamt waren es dann einige Kilometer mit sehr hypnotischer Streckenführung, es war immer das selbe Bild, links der Fluss, rechts Wald, in der Mitte der Weg, fast immer geradeaus, bei Kurven fiel es gar nicht so auf, dass der Weg eine Biegung macht.



Irgendwann zum Abend erreichten wir bei Breisach Hochstetten, wo wir einen schönen Zeltplatz fanden. In gewisser Weise war dieser im Hinterhof eines Hotels mitten im Ort.
Wir hatten die absolut freie Auswahl auf einer Fläche, deren Rasen wenige Stunden zuvor gemäht wurde, topfeben, höchster Komfort bisher !

Zeltaufbau, Dusche, noch was Essen, ab in die Koje, schlafen, natürlich mit optimierter Zeltbelüftung.

Strecke des Tages: 104km,0
einen Tag im ursprünglichen Zeitplan haben wir aufgeholt, wir waren nun unserer Zeit vorraus.
Gruß, rogger
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Donnerstag, 16. Mai 2013, 22:23

Der fünfte Tag:

Wie mittlerweile gewohnt, wachten wir zu der Zeit auf, als sich die Nacht vom Morgengrauen ablösen lies.
Der vertraute Gesang der Vögel wurde hier untermalt von dem wuhuhuh-wuhuh eines Taubenpärchens, welches am Zeltplatz wohnte.

die üblichen Tätigkeiten, bis unser Gepäck wieder Gepäck und nicht mehr verteiltes Gut war, und los ging es, es schien ein schöner sonniger Tag zu werden, klares Licht, welches scharfe Schatten zeichnete, morgendliche Frische, und Motivation waren schon zu Beginn zu erkennen.

In Breisach besuchten wir einen Supermarkt, der sogar schon offen hatte, wir mussten ja wieder den Tank füllen. Heutige Auswahl Eistee verschiedener Variationen, noch was für auf die Brötchen. Ich ging schon mal zu den Hobeln, die Getränke zu verstauen, während der Kollege noch zum Backladen schritt. Zurück kam er mit einer unsagbar großen Tüte Brötchen, hatte ihn die Verkäuferin zu einem Angebot überredet, so dass er ein Dutzend Brötchen für zwokommanochwas Ocken in unsere Obhut führen durfte.
Hunger durften wir schätzungsweise keinen erleiden.

Frühstücksresidenz war diesmal Neuf-Brisach, welches eine ehemalige Festung mit interessantem Grundriss war.

Ein Stadttor, das auch den Namen Stadttor verdient, lies uns in den kleinen Ort ein, der geprägt von rechtwinkliger Struktur ist.



Am Rande des Marktplatzes nahmen wir unser Frühstück ein, leckere Wurstsemmeln, leckerer Eistee, was will man mehr.
Klar der vom Barista handgepresste Espresso fehlte zum Abschluss.

Auf der weiteren Fahrt auf französischer Seite befuhren wir abwechslungsreicher durch ländliche Gegend, durch malerische Dörfer und beschauliche Felder, die frisch bestellt wurden.





Wunderschöne Strecke, immer wieder was zu sehen und endlich mal was anderes, als ewiges Flussufer, ich war efreut, dass das linke Auge mal was grünes und das rechte Auge mal was nichtgrünes zu sehen hatte.
Wenn nur dieser Wind nicht wäre !!
Bereits früh am Tag hatte sich der Wind als sehr entgegenkommender und auch als sehr treuer Weggefährte gezeigt. Wir stemmten uns mit einem Schnitt von 15km/h gegen das natürliche Gebläse.

An einer Staustufe, die gerade frisch befüllt wurde, wechselten wir wieder die Seite und befuhren wieder den Rheindamm.



Auf einem schön schotterigen Weg, immer wieder ein kleines Schlagloch, links der Rhein, rechts das Grün, wieder eine hypnotische Phase der Reise, wäre nicht plötzlich etwas ganz anders als bisher dazugekommen:
Zunehmend weicher wurde der Boden, es federte immer weicher, bis es schwammig wurde, die zweite Panne, der erste Platten.
Das bewährte und nach klassischer Art durchgeführte Tip-Top Manöver ließ den ollen Gaul wieder laufen wie gewohnt.
Da wir eh schon standen, nutzten wir die Pause für ein Vesper und fuhren weiter bis zur nächsten Möglichkeit, den Fluss zu queren. Es führte der Weg entlang des Kanals, der für die Schifffahrt angelegt wurde. Diesmal fast auf Höhe des Fahrwassers natürlich weiter gegen den Wind, er hatte uns nicht vergessen, die Sau.



Wieder ein Wechsel der Seite, wieder durch Dörfer, der Tag war schon gealtert, suchten wir uns ein ruhiges Eck, um den Grill anzuwerfen, um unsere Putenschnitzel zu brutzeln.
Beim Überfahren einer Unebenheit lies plötzlich der Druck im Reifen nach, nächste Panne , nächstes Tip-Top Manöver.

Der Grill war angeworfen, der Wind zog zwischen Grillfläche und Flamme, so dass nur ein Drittel des Grillrostes erhitzt wurde und die Schnitten etwas Zeit bedurften, bis sie durch waren. Mit einem Windschutz, wir spannten eine Isomatte zwischen die Sessel, ging es dann zügiger.
Mit dem leckeren Kartoffelsalat aus der Büchse, die wir im Kühlregal am Morgen erlegten, schmeckte es richtig lecker.

Irgendwann erreichten wir den Rhein-Rhone Kanal, und natürlich wieder hypnotische Wirkung, die Farbbelastung der Augen wurde umgekehrt, war der Kanal diesmal auf der rechten Seite der Strecke. Ich muss aber sagen, der Kanal hat seinen eigenen Charme, eine gewisse Romantik lies sich erahnen.



Immer wieder Schleusen, um das Gefälle auszugleichen, die mit einer Strippe davor versehen war, die man vom Schiff aus ziehen konnte, um dem Schleusenwart zu verkünden, dass man weiterfahren will.
Alle schnuckelig klein und kompakt im Vergleich zu den Anlagen am Rhein.

Unterwegs begegnete uns ein Radler auf einem schönen Peugeot mit gepflegter Simplexschaltung, dessen Fahrer sehr interessiert an unserer Reise war. Der Hänger gefiel ihm auch sehr, aber, da wir Kilometer 500 erreichten, wo wir eine kleine Rast planten, fuhr er weiter mit dem Wunsch, eine weiterhin gute Reise zu haben.

Die Besiedelung wurde immer dichter, wir erreichten Straßburg, diese Stadt erwies sich als regelrechter Radlermoloch, verwirrende Verkehrsführung mit erschlagend intensiver Bodenbemalung. Viel auf und mit Fußgängerwegen führende Strecke, über die Straße mit weißen Zebrastreifen für die Fußgänger, grünen für die Radler.
Die Verkehrsteilnehmer noch recht anarchistisch, Ampeln fielen mir manchmal gar nicht auf, waren wir gottfroh endlich diese Stadt verlassen zu können.

Die Rheinüberquerung bei Kehl an der Brücke der zwei Ufer war dann noch ein Schmankerl für's Auge.






Noch ein Stückchen durch Kehl fanden wir den Zeltplatz, der Platzwart berechnete den geringsten Preis bislang, sechs Euro, statt im Schnitt zehn pro Person, der Boden war eben, das Wasser in der Dusche schön warm und stabil in der eingestellten Temperatur.

Wir tranken noch einen frisch gekochten Tee und schnabulierten einen Kartoffelpüreesnack und hauten uns in die Kojen.

Kilometer heute: 95
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Freitag, 17. Mai 2013, 00:44

wow, so viele milane (am tag 3) :-o

rogger

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Freitag, 17. Mai 2013, 08:18

Die Menge Vögel fand ich auch beeindruckend.

Der sechste Tag:

Man trifft sich, als sei es einstudiert, am frühen Morgen in aller Herrgottsfrüh.
Einer schält sich aus dem Zelt und hört die typischen Geräusche, die zeigen, dass sich im anderen Zelt auch einer aus dem Schlafsack schält und dann aus dem Zelt kraxelt.
Sowohl beim Pillern des Nachts, wie auch beim eigentlichen Aufstehen.

Nach Entleeren der Blase warfen wir den Kocher an, um einen schönen warmen Tee zu bereiten, packten unseren Krempel zusammen, schlugen die Zelte ab und stopften die Zelte feierlich, aber ohne rituellen Singsang in die Tüte, die unseren bislang angefallenen Müll aufnahm.
In diesen Zelten wollten wir niemals wieder pennen !!
Es war nicht einfach, die Zeltplanen, die Luft eingeschlossen hatten, mit dem Fuß reinzustopfen, ohne dass die Tüte riss, aber alles bleib heil.
Ich nahm noch die gelben Schnüre und die Häringe mit, sowas kann man immer brauchen.
(Nicht) feierlich übergaben wir unsere Schlafgemächer der Tonne des Mülls, die sich links hinten beim Hauptgebäude finden lies.

Durch Kehl mussten wir herausfinden, einen Bäcker zu finden war auch eine Aufgabe, wenn man vor Öffnungszeiten Nahrung erwerben will, aber am Bahnhof war die Jagd erfolgreich.
Endlich war es wie gewohnt, der Wunsch nach einfach mehreren vesrschiedenen Brötchen überforderte die Verkäuferin, da sie sich nicht fähig sah, einfach verschiedene Backwaren einzupacken.

Wir verließen Kehl und fanden am Ufer der Kinzig, natürlich wieder an kanalisiertem Gewässer eine schöne Stelle zum Frühstücken mit Blick auf eine Recyclinganlage, wo wir den Kränen beim Arbeiten zuschauen konnten.



Nach links zogen sie, nach vorn und hinten pendelten ihre Greifbehänge und nahmen irgendetwas auf, um es dann woanders wieder abzuwerfen.
Irgendwann fand ich aber Ähnlichkeiten zu imperialen gehfähigen Bodengeschützeinheiten und ich war im Stillen für mich froh, dass ich kein Yedi war und es auch nicht schneite...



Nach einem Stück Weg gelangten wir wieder an den Rhein, natürlich hatte es wieder Schottersplittigen Belag auf dem Damm, aber nach einiger Zeit bot sich die Möglichkeit auf asphaltierte Straße zu wechseln, was auch mit der der Karte entsprechenden Strecke harmonierte.
Schön, weniger Rollwiderstand, weniger Wind, als auf dem Damm und schön, wenig Autoverkehr.

Die Karte lies uns vertrautere Ortsnamen sehen, ja auch die Landschaft wandelte sich gemächlich in ein vertrauteres Antlitz, mag nur Einbildung gewesen sein, aber ich fand, es war so !

Zwischendrin bat mein Kollege um eine kurze Zwischenrast auf freier Strecke, er hatte seit zwei Tagen zunehmend Probleme mit der Ferse, eher sogar mit der Achillessehne, er stellte daher seinen Sattel tiefer, da er auf dem Hacken schmerzfreier fahren konnte, als mit dem Ballen, auch wenn es zu Lasten der Ergonomie geht.
So fuhren wir dann gemächlicher weiter und spendeten uns im Wechsel Windschatten, wobei seiner effizienter war, da ich mit dem Hänger eigentlich nur größeren Abstand bieten konnte, als er mir.
Übrigens solidarisierte sich mein Fuß mit seinem, auch meine Sehne machte deutlich auf sich aufmerksam, aber meine Probleme waren um ein vielfaches geringer. Lob an die Tapferkeit des Pedalritters !!!!

Nun erreichten wir Iffezheim, Pausen wurden großzügiger gewählt, wir hatten den Antrieb, die Tour zu Ende zu führen, aber es war dann doch willkommen, mal eine kurze Entlastung zu genießen.
An der Staustufe bei Iffezheim betrachteten wir das Befüllen einer Staustufe mit großen Schiffen, wie sie auf dem Rhein häufig anzutreffen sind.










Entspannt und gleichzeitig neue Kraft gesammelt, ging es wieder auf den Sattel , aus dem Gelände der Staustufe heraus kurz links, dann rechts an der Straße entlang ein Stück weiter fanden wir die Abzweigung zur Radstrecke. Eine kleine Aussparung an der Leitplanke, gefühlt handbreit war am Boden ein Schild mit dem entsprechenden Hinweisschild.
Über ein Stück, das apokalyptisch wirkte, als wären wir fern aller Zivilisation, wären da nicht die Krötenzäune gewesen, die zeigen: Hier war kürzlich ein menschliches Wesen gewandelt:



Diesen Abschnitt überwanden wir, wie auch den direkt folgenden Abschnitt direkt an einer Kfz-Strecke.
Die nächste geplante Pause war bei Kilometer 600, was aber das Rad des Hängers zu vereiteln wusste; bei km 598 gab mir der Hänger das Gefühl, was es heißt, dass der Hänger schwimmt. Tip-Top Manöver Nr.3, kleine Reifen sitzen strammer auf der Felge, aber an kleinen Schläuchen findet man schneller das Loch.

Wir waren dann irgendwann in wirklich vertrautem Gebiet, durchquerten dann den Ort Au am Rhein, wo ich das vierte Au erlebte, einen weiteren Platten, man hätte ich fressen können, um zu Kotzen wie ich da wollte !!!!

Ein Hoch auf die Schwarzen Dinger mit dem gezahnten orangenen Rand !

Weiter, weiter, wir wollen nach Hause, wir fuhren nach Hause, wurden noch kurz von einem Kind aufgehalten, welches am Straßenübergang üben wollte, freihändig zu fahren, und querten dann eine Straße, die uns in den vertrauten, strukturierten Forst führte.

Wir durchquerten ihn, erreichte die Residenz des Kollegen und ich gab ihm die Faltsessel aus der Obhut meines Hängers und trat den Restweg an, so dass ich meinen Prachtleib zu meiner prächtigen Heimstätte bringen könne.

An der nächsten Tanke steuerte ich die Luftpumpe an, und füllte die vielfachgeflickten Reifen auf den gewohnten Druck, den ich mit Handpumpe doch nicht erreichen konnte.
Es stellte sich einen nette Dame an, die ihre Autoreifen füllen wollte, es ergab sich ein kurzes Gespräch, wo ich war, wie lange ich fuhr und dass ich jetzt nach Hause will, um das zu genießen, was ich hinter mich brachte*.
Sie meinte nur, das sei doch das schönste, dass man dann seine Glückshormone genießen kann.

Und genau dafür machte ich dies !
Erfreulich war es, dass ich am sakralen Ort der Dosenfahrer solch ein Verständnis fand, sind wir doch alle nur Menschen !!!

Ich gurkte noch weiter durch absolut vertrautes Gebiet und genoss, dass ich längere Zeit aufrecht sitzen konnte, nachdem ich alles abgeladen hatte.

Km gemeinsam 103, ich insgesamt 115

*Kollege sicher auch, gelle ?
Gruß, rogger
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