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1

Freitag, 26. September 2014, 22:44

Kurztrip nach Uelsen (irgendwo nördlich von Nordhorn)

Hi, Leute,

letzten Samstag feierte ein alter Cliquenkumpel seinen 50sten, und da auch ich eingeladen war, beschloss ich, mit dem Rad anzureisen. Und zwar mit dem Ratten-Chopper, den ich extra mit einem VR-Schutzblech regentauglich gemacht hatte...

Ich hatte Duisburg noch nicht verlassen, da lief mir eine Olle vor's Bike. Mit Müh & Not schaffte ich es, die Fuhre unter Zuhilfenahme meiner Schuhe noch so gerade eben vor den Nylons zum Stehen zu bringen. Immerhin entschuldigte sich die Frau. Von da an verlief die erste Etappe ohne Zwischenfälle, ja, sogar ohne Verfahrer! Das lag allerdings in erster Linie daran, dass ich in der schönen Brookhütte - Joey, Pit und red Barba kennen sie :D - im noch viel schöneren Eschlohn (zwischen Süd- und Stadtlohn) zu nächtigen gedachte.

Hatten Pit und ich uns auf der Rückfahrt der 2011er Easy Rider Memorial-Tour anhand des Pünktchens auf Pits Navi an die Hütte rangetastet, kam mir diesmal die geniale Idee, mich an den Windrädern in ihrer direkten Nachbarschaft zu orientieren. Das funktionierte auch hervorragend. Um 17.15 Uhr trudelte ich dort ein, und um nicht sofort den Eindruck zu erwecken, da übernachten zu wollen, kramte ich meinen Gaskocher und die übrigen Utensilien aus den Ortliebs und schickte mich an, einen Cappu zuzubereiten.

Just in dem Moment gesellte sich der Typ zu mir, der mir vorhin auf der Straße entgegen gekommen war und der mit seinem langen Bart und seinem ebenso langen Wanderstab wie ein alter Schäfer anmutete. Er fragte mich, ob ich hier picknicke. Ich antwortete, dass sich dieses Picknick möglicherweise bis in die frühen Morgenstunden hinziehen könnte. Daraufhin gab er mir zu verstehen, dass dies sein Land sei, er jedoch nichts dagegen hätte, wenn ich dort übernachtete...

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

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2

Freitag, 26. September 2014, 23:09

Teil 2:

Soweit schien alles okay. Dieser Mann, schätzungsweise 65-70 Jahre alt, erweckte rein optisch nun nicht den Eindruck eines Großgrundbesitzers sondern hätte in seinen abgewetzten Klamotten auch prima einen Penner abgegeben. Jedoch drückte er sich sehr gewählt, um nicht zu sagen, beinahe distinguiert aus. Das Gleiche - auf mein Outfit, nicht meine Wortwahl bezogen - dürfte er von mir gedacht haben, der ich in meiner zerlumpten Hippie-Weste und dem zerfledderten Cannabis-Shirt vor ihm stand. Dann erwähnte er etwas von zwei miteinander konkurrierenden, privaten Security-Unternehmen, mit deren Besuch ich in der kommenden Nacht zu rechnen hätte.

Er nannte mir einige Ausweichhütten, die in der Nachbarschaft lägen, und in denen ich problemlos schlafen könnte. Und machte sich die vergebliche Mühe, mir den Weg dorthin zu beschreiben :rofl: . Ich kannte zwar zwei dieser Hütten, wusste aber nicht, wo ich die zu suchen hatte. So packte ich meinen Kram und begab mich auf die Pirsch. Die endete damit, dass ich nach einer Dreiviertelstunde - rrrichtig! - wieder an der Brookhütte landete. Und vorher wieder diesem Mann über den Weg fuhr, der mir nochmals den Weg beschrieb. Völlig zwecklos natürlich...

Inzwischen war die Dämmerung in eine Phase getreten, die das Auffinden eines Nachtlagers zwingend erforderlich machte. Eine Hütte hatte ich mir mittlerweile abgeschminkt, und so kam Plan B zum Zuge: ein Bushaltestellenhäuschen :whistling: . Ein erstes tat sich direkt an einer Bundesstraße auf, doch da war es mir entschieden zu laut. Nach einiger Rumgurkerei entdeckte ich ein Ambiente, das mir geeignet schien. Die Haltestelle hieß "Hundewick Busen" - ohne Witz. Und befand sich direkt gegenüber eines einigermaßen prächtigen Wohnhauses eines Gehöfts...

Gruise, Paule
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3

Freitag, 26. September 2014, 23:44

Teil 3:

Mir meines - zumindest aus Sicht eines Normalbürgers - durchaus fragwürdigen Erscheinungsbildes bewusst, hielt ich es für angebracht, meine neuen temporären Nachbarn von meinem Vorhaben in Kenntnis zu setzen, um eventuellen ungebetenen nächtlichen Besuch von vornherein auszuschließen. Nachdem ich meinen Zossen geparkt hatte, ging ich also zu besagtem Hause und klingelte. Und nahm die getönten Korrekturgläser ab, um etwas vertrauenswürdiger zu wirken. Es öffnete ein ca. 16jähriges Mädchen, dem ich dann mein Begehr schilderte und es darum bat, ihre Eltern von meiner Anwesenheit zu unterrichten. Ich glaube, sie musste die ganze Zeit grinsen, denn ohne Brille konnte ich das in der fortgeschrittenen Dämmerung nicht mehr erkennen.

Zurück im neuen Heim, braute ich mir endlich den nach 109km wohlverdienten Cappu. Als die Dunkelheit vollständig hereingebrochen war, bereitete ich mein Nachtlager zu. Und realisierte, dass es Freitag war. Wochenende. Discotime. Mit teilweise irrwitziger Geschwindigkeit droschen einzelne Autos den flüsterasphaltierten Wirtschaftsweg entlang, und ich brauchte nicht allzu viel Phantasie, mir vorzustellen, dass das bis tiiieeef in die Nacht so weitergehen würde. Hin und wieder bog ein Auto in die abzweigende Straße ein, neben der meine Haltestelle lag. Als ich in den Schlafsack kroch, dachte ich noch:"Komisch, windstill, recht warm, hohe Luftfeuchtigkeit..., und keine Mücken...?!"

Und als hätten die Viecher meine Gedanken auf telepathischem Wege als Einladung aufgefasst, vernahm ich umgehend ein vertrautes "BsssssSSSSS" an meinem Ohr :rolleyes: :fie: . Nachdem ich mich, in leiser Hoffnung, eine Mücke zu erwischen, einige Male selber geohrfeigt hatte, gab ich es auf. Um jedoch nicht im Gesicht gestochen zu werden und am nächsten Tag wie ein verquollenes Monster zur Geburtstagsparty zu erscheinen, griff ich zu einer List. Ich verschanzte mich fast zur Gänze im Schlafsack und ließ meinen linken Arm draußen. Sozusagen als Opferarm, an dem die Schweinebiester sich dann austoben konnten. Wegen der Tattoos fielen die Stiche da wenigstens nicht so auf...

Gruise, Paule
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4

Samstag, 27. September 2014, 15:50

Teil 4:

Diese Nacht war also echt der Hammer. Der ruhigste und melodischste Moment war der Sound eines Ami-V8 auf der ca. 150 Meter entfernten Bundesstraße. Ansonsten wechselten sich infernalisch kreischende Japan-Vierzylinder-Moppeds mit 20 Meter an meiner Behausung vorbei jubelnden Autos und lachenden und grölenden Jugendlichen zu Fuß oder zu Rad ab. Ein junger Mann beklagte sich lauthals darüber, dass die nächtlichen Pizzas sichtbar zu seiner Leibesfülle beitrugen. Hin und wieder hielt ein Auto neben der Haltestelle (meine Umgebung leuchtete rot auf) und setzte zurück (die Umgebung erstrahlte in gleißendem Weiß); man wollte halt sehen, wer denn da liegt :assault: ...

Manchmal strahlte ein auf dem Anwesen gegenüber platzierter Scheinwerfer direkt auf mich drauf (Bewegungsmelder?), und immer wieder dieses "BssssSSS". Ich hatte den Kaff so auf wie man ihn aufer nicht haben kann. Irgendwann zwischen 2.00 und 5.00 Uhr muss ich eingenickt sein, und um 6.14 Uhr schälte ich mich aus der Penntüte. Während ich mir meinen Cappu reinzog, zeigte sich mit zunehmender Helligkeit ein ziemlich dichter Morgennebel. So dicht, dass die aufgehende Sonne keine Chance hatte, auch nur diffus in Erscheinung zu treten. Als ich um 8.15 Uhr startete, hatte sich so gut wie nichts an den Sichtverhältnissen geändert.

Ursprünglich hatte ich vorgehabt, über Vreden bei Groenlo die holländische Grenze zu überqueren, um über ruhige Sträßchen gen Nordhorn zu fahren. Explizit zu diesem Zweck hatte ich mir alle Knotenpunkte notiert, was sich dann so las : 77, 54, 82, 24, 21, 36 usw. Aus Gründen der Bequemlichkeit hatte ich mir die dazugehörigen Ortsnamen gespart. Diesen Plan gab ich jedoch schnell auf, weil meine Brille so beschlagen und voller Tröpfchen war, dass ich ohne Brille mehr als mit ihr sehen konnte. Aufgrund meiner Kurzsichtigkeit hätte ich die kleinen Zahlentafeln niemals entziffern können. Da meine Sehstärke aber für das Erkennen der großen gelben Wegweiser auf deutscher Seite gerade so ausreichte, blieb ich im Lande und zog auf den Bundesstraßen meine Bahn...

Gruise, Paule
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5

Samstag, 27. September 2014, 23:26

Teil 5:

Die Sichtweite betrug unter 50, an vielen Stellen auch unter 30 Meter, und somit war es auch völlig egal, ob ich die landschaftlich reizvolleren Fernradweg-Routen oder eben entlang der Hauptstraßen fuhr. Immer wenn ich durch eine Ortschaft kam, lichtete sich der Nebel, und ich dachte, dass endlich die Sonne durchkäme. Okay, anfangs dachte ich das, bei den ersten zwei, drei Ortsdurchfahrten. Doch auf den Überland-Passagen änderte sich nichts an dem Bild. Gegen elf Uhr war ich dann in Gronau und folgte zur Abwechslung mal wieder einem Radfernwegweiser - in der Hoffnung, im Ortskern einen dieser vielsagenden Schilderbäume anzutreffen. Außerdem hatte ich keinen Bock darauf, zu früh bei Andy in Nordhorn einzutrudeln...

Es fand wohl gerade so was wie ein Jahrmarkt statt, denn Kirmes konnte man es nicht nennen. Ich fühlte mich wieder wie bei der Easy Rider Memorial-Tour, es hatte was von Mardi Gras. Nur eben ohne Captain America und George, den Anwalt. Lustig anzuschauen waren wie immer die Pärchen, die mir entgegenkamen. Sie grinste, er guckte böse :vain: . Als ich aus dem Zentrum rausrollte, war es Essig mit dem Schilderbaum. Ich sah einen Wegweiser in Richtung Losser. Wo genau das nun lag, interessierte mich überhaupt nicht. Der Name klang irgendwie cool, und so fuhr ich halt nach Losser. Der Nebel hatte sich endlich aufgelöst, es lief echt gut.

Normalerweise hätten mich die ungewöhnlich schmalen Sträßchen schon stutzig machen sollen, aber erst, als mir nur noch Autos mit gelben Kennzeichen begegneten und auch die Verkehrsschilder so ganz anders aussahen, dämmerte mir, dass ich mich in Holland aufhielt :whistling: . Leider konnte ich mit dem ansonsten vorbildlichen Knotenpunkte-System rein gar nichts anfangen, weil ich ja an einer ganz anderen Stelle in die Niederlande eingetaucht war als ursprünglich vorgesehen. Und den Gedanken daran, einen Passanten nach dem Weg nach Deutschland zu fragen, erstickte ich umgehend im Keim. Mit einem gammeligen T-Shirt, auf dem ein Cannabisblatt prangt, und einem Chopper mit LSD-Kennzeichen gab ich logischerweise den Bilderbuch-Drogentouri ab. Dabei war ich clean wie schon lange nicht mehr :rofl: ...

Gruise, Paule
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HotRod

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6

Sonntag, 28. September 2014, 20:01

Klasse Bericht Paule .Aber warum haste die Tour nicht vorher angekündigt?

Ich hätte Dich prima von Gronau über Nordhorn (meine Heimat) nach Uelsen lotsen können. Aber das wäre vermutlich zu einfach gewesen und hätte uns wohl um die eine oder andere Anekdote gebracht :rolleyes: :D
"Nichts macht uns feiger und gewissenloser als der Wunsch, von allen Menschen geliebt zu werden."
Marie von Ebner-Eschenbach
"Gott ist eine vom Menschen erdachte Hypothese bei dem Versuch, mit dem Problem der Existenz fertigzuwerden."
Sir Julian Huxley, engl. Biologe, 1887-1975

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NMG

7

Montag, 29. September 2014, 00:04

Klasse Bericht Paule .Aber warum haste die Tour nicht vorher angekündigt?


Du hast Dir die Antwort ja schon selber gegeben ;) , aber während ich in Holland rumgondelte, hab' ich auch dran gedacht, hatte also "HotRod" => Nordhorn" sehr wohl auf dem Schirm :) .

Teil 6:

Da ich nach wie vor gut in der Zeit lag - ich hatte mich für den Nachmittag angekündigt -, wagte ich das Experiment, gar nicht erst meine ADFC-Karte zu bemühen sondern einfach auf einen Wegweiser zu einer grenznahen deutschen Stadt zu warten. Es sollte aber noch etwas dauern, bis ich endlich den Namen Bentheim las. Nicht Bad Bentheim, das hatten sich die Käsköppe wohl gespart. Zurück in der Heimat, fragte mich doch tatsächlich eine ältere Dame, ob sie mir behilflich sein könnte. Okay, ich stand gerade an einer Kreuzung irgendwo bei Weseke und durchstöberte die Karte, aber man muss es mir wahrscheinlich wirklich ansehen, dass ich nicht gerade der Pathfinder bin. (Dieses Weseke liegt ganz woanders und gehört eigentlich in den Vortag, aber bei meiner Verfahrerei tut das wohl nicht viel zur Sache, hoffe ich :D ...)

Jedenfalls dauerte es jetzt nicht mehr lange, und ich tauchte in Nordhorn ein. Nun galt es nur noch, dieses Uelsen zu finden, von dem ich annahm, dass es sich um einen kleinen Vorort Nordhorns handelte. Vielleicht noch fünf Kilometer oder so. Bevor ich auf die Idee kommen konnte, wie üblich Passanten zu belästigen ("Entschuldigen Sie bitte, aber können Sie mir eventuell sagen, wie ich nach...?"), fiel mein Blick auf einen Radwegweiser: Uelsen 21km. Ja, HUUUCH :rolleyes: !!! Da lag ich plötzlich nicht mehr ganz so gut in der Zeit. Aber egal, ich würde peinlich genau an jeder Abbiege-Möglichkeit darauf achten, dass ich ja diesen Weg nicht verlor - dann käme das schon hin...

Unkompliziert wurde ich aus Nordhorn raus geleitet und rollte durch wirklich sehr schöne Gegenden. Nach einigen Kilometern sah ich vor mir ein radelndes Paar, das auch recht zügig unterwegs war, denn es dauerte eine Zeit, bis ich die Beiden eingeholt hatte. Und feststellte, dass sie auf Pedelecs unterwegs waren. Es handelte sich um Gringos. Während die Frau die Fußspitzen auf den Pedalen hatte, als wollte sie den Kontakt tunlichst vermeiden, stampfte der Mann mit den Fersen auf sie ein. Ich konnte mir das Dilemma nicht länger ansehen und überholte. Nicht jedoch, ohne dem Mann im Vorüberfahren den wirklich gut gemeinten Tipp gegeben zu haben, dass seine Fußstellung nicht gar so gut für die Knie und die Sehnen sei.

Dankbar schwieg er dazu, hatte wohl Panik, was Falsches zu sagen und von diesem Rocker einen auf die Fresse zu kriegen. Was tun sich manche Menschen nicht alles an, um das Radfahren zu verteufeln. Bald gelangte ich an eine Einmündung, die genau zwei Möglichkeiten bot: rechts oder links. Ein Richtungspfeil fehlte :S . Ich entschied mich für rechts, was sich ein paar Kilometer weiter als Fehler herausstellen sollte. Zum Glück begegnete ich einer Vierer-Formation radelnder Damen, die ich umgehend anhielt und nach Uelsen fragte. Die schickten mich dann zurück. Puuuh, ich war wieder auf dem rechten Kurs und landete wenig später wirklich in Uelsen :thumbsup: .

Womit meine Odyssee allerdings noch nicht so ganz zu Ende war...

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

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8

Montag, 29. September 2014, 15:50

Teil 7:

Bei Andy in der guten Stube, gab's erst mal 'nen Kaffee, und seine Frau Elke fragte, ob ich ein Stück Kuchen wollte. Suuuperleckere Stachelbeertorte :thumbsup: - da sagte ich auch zu einem zweiten Stück nicht nein. Und hätte es auch zu einem dritten, vierten, fünften Stück nicht getan, wenn meine Unterbringung in der Jugendherberge nicht im Raum gestanden hätte. Zuerst wollte man mir den Weg dorthin erklären, dann ein Navi in die Hand drücken. MIR ein Navi :rofl: ...! Wir einigten uns schließlich darauf, dass Andy mit dem Auto vorfuhr und ich ihm folgte. An der Juhe angekommen, zeigte sich, dass das Geburtstagskind ein ganzes Gebäude für uns angemietet hatte (es gab mehrere kleine davon).

Er drückte mir Gebäude- und Zimmerschlüssel in die Hand und meinte, dass ich auf die anderen Gäste warten sollte, um dann mit ihnen gemeinsam per Großraumtaxi zum Veranstaltungsort nach Gölenkamp zu fahren. Ich warf ein, noch einkaufen zu wollen und dann mit dem Rad nach Gölenkamp zu cruisen. Aufgrund der erholsamen Nacht in der Bushaltestelle ging ich nämlich davon aus, gewiss nicht so lange wie meine Kumpels durchzuhalten und somit flexibler zu sein. Ob ich mir denn den Weg gemerkt hätte, fragte Andy. Welch Frage, selbstverständlich hatte ich das ;) ...

Ich packte ab, rasierte mich, duschte und setzte mich sodann nach draußen, um mir einen Cappu zuzubereiten. Sehr bald tauchten zwei Frauen auf, die ich zwar noch nie gesehen hatte, die jedoch von Andy wussten, wer ich war. Als kurz darauf auch die alten Kumpels einliefen, reichte ich die Schlüssel weiter und startete durch - um mich in Uelsen erst mal standesgemäß zu verfahren :lol: . Zum Glück ist Uelsen nicht sooo riesig, und mit der Kirche als Orientierungspunkt gelang es mir dann doch recht schnell, den ALDI-Markt zu finden. Die weitere Fahrt nach Gölenkamp gestaltete sich erstaunlich unkompliziert; ich war auf dem rechten Kurs, fragte jedoch trotzdem noch einen Anwohner nach dem Mühlberg - aus rein formellen Gründen...

Gruise, Paule
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9

Montag, 29. September 2014, 22:40

Teil 8:

Als ich auf den Platz des ehemaligen Gehöftes rollte, verbuchte ich es als Kollateralschaden, dass mich viele Augenpaare anstarrten, denn so was Abgefucktes kannten die Menschen hier nicht. Wie zu meinen "besten Zeiten" war ich vom kalten Büffet gnadenlos überfordert, packte mir nur einen Schlag vorzüglichen Kartoffelgratins und eine einsame, jedoch nicht minder schmackhafte Friko auf den Teller und...widmete mich danach dem alkfreien Biere. Es war echt schön, mal wieder mit den alten Kumpels zu quatschen, von denen ich einen seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Zu späterer Stund' konnte ich mich sogar noch mit einem anderen Bike-Maniac - einem Onkel von Andys Frau - austauschen, und gegen ein Uhr hielt ich es für angebracht, zurück zur Juhe zu fahren. Ich schnallte die Lupine an den Z-Lenker, steckte den Akku in den Flaschenhalter an der starren Doppelbrückengabel und freute mich tierisch darauf, Löcher in die laue ländliche Spätsommernacht zu brennen. Kurzum: Dieser Genuss währte so lange, bis ich den Uelsener Ortskern erreicht hatte, denn plötzlich sah alles so anders aus...

Jawoll, ich hatte mich verfranst - nicht die beste Idee in einem menschenleeren mitternächtlichen Kaff. Doch plötzlich vernahm ich Stimmen und sah bald darauf ein Grüppchen Jugendlicher, die von einer Party zu kommen schienen oder Party auf der Straße feierten. Und die fragte ich nach dem Weg zur Juhe. Allerdings musste ich ihnen noch Rede & Antwort stehen von wegen woher ich denn käme und so. Ein Typ sagte:"Respekt!" In Duisburg hätte man mich wahrscheinlich verprügelt und ausgeraubt, doch die jungen Leute beschrieben mir freundlichst den Weg.

Was leider nichts daran änderte, dass ich mich wenige hundert Meter weiter erneut verfuhr. Ich hatte die Schnauze voll und wollte zurück zur Party, das Bike dort lassen und mit den Kumpels gemeinsam mit dem Taxi zur Juhe :huh: . Aber weil das Glück ja bekanntlich mit den Doofen ist, kreuzte ein Radlerpärchen meinen Irrweg, und diese beiden hilfsbereiten Menschen beschrieben mir den Weg dann sooo narrensicher, dass ich gegen zwei Uhr nach 121km endlich Feierabend machen konnte. Das heißt, fast, denn ich musste noch mein Bett beziehen :rolleyes: ...

Gruise, Paule
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