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1

Sonntag, 29. Januar 2012, 12:00

Eine Fahrt aus der Sicht einer Schaltungsnabe...

Hallo, Leute,

ich dachte mir, dass es vielleicht zu schade sei, wenn dieser Ersthand-Bericht in einem anderen Forum versauert. Um die Kommunikation zwischen dieser Nabe (R.I.P.) und einigen Usern möglichst authentisch rüber zu bringen, habe ich das eine oder andere Zitat mit eingeflochten. Und nun erteile ich der Nabe, einer SRAM i-motion T3 das Wort. Viel Spaß...


Ich bin eine Nabe, genauer, eine Getriebe-Schaltnabe mit drei Gängen.
Mein geistiger Vater hat vor einigen Jahren das Erbgut unserer
traditionsreichen Familie an den amerikanischen Hersteller SRAM
verscherbelt. Mein älterer Bruder wurde noch unter dem Namen "Fichtel
& Sachs Torpedo 3-Gang 3111" geboren und hatte noch ziemlich viel
von unserem Vater "Torpedo 3-Gang 515" geerbt.



Von meinem Großvater "Modell 55" will ich erst gar nicht reden, das war ein richtiges Urgestein, unverwüstlich, wenn man ihn korrekt behandelte. Davon ist bei mir leider nicht viel angekommen .
Worauf ich hinaus will?! Ganz einfach: Ihr Radfahrer schreibt immer
über Eure ach so tollen Touren und prahlt damit, welche Strecken und
wieviele Höhenmeter Ihr bewältigt.



Okay, Ihr seid manchmal auch stolz auf Euer Material, und wenn es nicht
hält, tauscht Ihr es einfach aus. Aaaber: Hat sich jemals einer von Euch
gefragt, wie es in uns aussieht?! Und selbst wenn Ihr unsere Funktion
begriffen haben solltet - wisst Ihr eigentlich, wie es sich anfühlt,
ständig in der Dunkelheit einen Sklavendienst zu verrichten?! Bei -15°C
wie bei +45°C?!



Ich möchte ein wenig Licht ins Dunkel bringen und von meiner heutigen
Tour berichten. Und kann Euch eines verraten: Ein Spaß wird das nicht!



Gruß, T3
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

2

Sonntag, 29. Januar 2012, 12:02

Zitat Radinger:

Na, da bin ich ja mal gespannt, zumal ich von dieser Tour ja immerhin
eine gute Hälfte mitbekommen habe, ohne besondere Vorkommnisse...
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

ullebulle

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3

Sonntag, 29. Januar 2012, 12:04

Paule, jetzt macht Du mich neugierig!
Und dann auch noch Punkt High Noon anfangen mit der Geschichte: Do not forsake me, My Darling. (High Noon)
- YouTube

4

Sonntag, 29. Januar 2012, 12:06

@ Radinger: Du kannst doch gar nicht mitreden! Du fährst 'ne Rohloff,
die blickt doch verächtlich auf unsereins herab! Das ist doch 'ne
spezielle Züchtung, ein verwöhntes Nabenzimmer, das in pflegenden Ölen
badet - das ist ja schon .... gar keine Nabe mehr!





Bevor ich zu meiner Tour oder besser, meiner Tortur komme, noch ein paar
wesentliche Dinge. Naben wie ich versehen ihren Dienst meistens in
billigen Baumarkt-Schlampen
oder Citybikes der unteren Preisregion. Dort kümmert man sich gar nicht
um uns. Wenn unser Lagerspiel zu groß wird und Dreck und Wasser
eindringen, interessiert das unsere Besitzer genauso wenig wie der
Umstand, dass unser Hersteller uns vielleicht zwei Gramm mieses Fett
verpasst, mit dem wir ein Leben lang auskommen müssen.



Einige von uns haben das Glück, in einem Cruiser zu landen. Diese Räder
werden fast immer von Spinnern gefahren, die sie besonders heraus putzen
und gut pflegen. Gefahren wird damit eher selten, was für uns dann
einen sehr ruhigen Job zur Folge hat. Ich bin auch in einem Cruiser
gelandet und freute mich nabisch. Mein Besitzer, der Pit, sah auch nicht
danach aus, als würde er mich misshandeln, doch bereits die ersten
Meter belehrten mich eines Besseren ...



Gruß, T3
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

5

Sonntag, 29. Januar 2012, 12:10

Zitat cosybiker:

Hier ein Beispiel wie manche mit Deinem

Schaltungskettchen umgehen.

Problem
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

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stilleswasser

6

Sonntag, 29. Januar 2012, 12:12

@ cosybiker: Ja, ja, ich sag's ja: alles Dilettanten!



Okay, nachdem mir Pit vor ein paar Tagen immerhin endlich eine Ladung
Fett spendiert hat, stehe ich mit ihm am Eichförstchen und warte im
Kreise einiger Rohloffs und Shimano-Kettenschaltnaben auf die Forumisten
aus dem Norden. Auf die Minute pünktlich treffen sie dann ein und
rühmen sich damit, dass auch der Tross aus dem tieferen Norden
superpünktlich am ersten Sammelpunkt "Anne Pommes" gewesen sei.



Trotz oder gerade wegen meines frischen Fettes bin ich leicht
beunruhigt, denn die Bremen-Tour im Juni durfte ich trocken abreißen.
Immer nach ca. 20km hatte ich durch ein rhythmisches Klackern auf mich
aufmerksam gemacht, was Pit zwar verärgert bemerkte, er jedoch nichts
daran änderte, dieser Fleischerhund .
Nun frage ich mich selbstverständlich, weshalb man mich vor einer
schnöden Tagestour fettet, dies aber vor einer fast 800km langen Tour
nicht getan hat .



Die Antwort darauf scheint sich aus einigen Wortfetzen zu ergeben. Es
ist von einigen Steigungen die Rede! Besonders ein Typ namens
nomoregears zeigt sich etwas besorgt deswegen. Wenn ich seinen Namen
richtig deute, muss er Schaltungen regelrecht hassen. Er fährt eine
Vorkriegs-Torpedo-Eingangnabe. Das ist ein ganz primitiver Urahn unserer
Familie, aber gnadenlos robust. Der hat keinen Sperrklinken-Freilauf
sondern einen mit Walzen. Der kommt erst an seine Grenzen, wenn die
Trittkraft so groß ist, dass die Walzen am Nabenkörper durchrutschen.



Aber so viel Kraft hat dieser Typ nicht .
Nun gut, es geht los, und bereits bei der Einfahrt ins Angertal bekomme
ich einen ersten Vorgeschmack auf das, was mich noch erwarten soll. Pit
schaltet in den ersten Gang, mir wird warm. Danach wird die Steigung
etwas moderater, bis wir in Ratingen am Stinkesberg anhalten, um einen
Forums-User namens Radinger aufzugabeln, der, wie weiter oben bereits
erwähnt, ein Rohloff-Prinzesschen fährt.



Gruß, T3
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

7

Sonntag, 29. Januar 2012, 12:20

Als sich alle über die historische Bedeutsamkeit dieses Stinkebergs
ausgelassen, einen Happen gegessen und - besonders Sporky und
nomoregears, die beiden Torpedo-Eingang-Treiber - eine Zigarette
geraucht haben, geht es weiter auf dem groben und hügeligen Weg. Immer
wieder muss ich im ersten Gang schuften. Mein Hohlrad greift mit seiner
Innenverzahnung in die Zähnchen meiner drei kleinen Planetenrädchen,
die, auf dem Planetenradträger montiert, diesen mitreißen, der dann
wiederum die Nabenhülse und somit das Hinterrad mitzieht.



Eine ganz schöne Maloche - besonders, wenn man bedenkt, dass ich
komplett gleitgelagert bin und dadurch eine enorme Reibung entsteht.
Dass meine Lager wegen der fehlenden Schmierung auf den ersten 1.500km
sowieso schon in Mitleidenschaft gezogen worden sind, will ich gar nicht
erst erwähnen. Hauptsache, jeder kann sich am ach so idyllischen
Angertal erfreuen. Mag sein, dass es wirklich sehr schön ist, nur sehe
ich erstens nicht viel davon und zweitens: Kann man das dann nicht noch
viel besser zu Fuß erkunden...?!



Wieder gerät die Gruppe ins Stocken, doch ist es diesmal keine Steigung,
sondern ein kleiner Defekt, wie ich höre. Irgendwas stimmt mit dem
vorderen Umwerfer der Kettenschaltung einer Teilnehmerin nicht.
Kettenschaltungen, pah! Ordinär wie die Transmissionen der
Dampfmaschinen des vorletzten Jahrhunderts, Staub, Schmutz und Wasser
ausgesetzt, sturzgefährdet, wartungsintensiv, und wegen des
Kettenschräglaufs sind ohnehin nicht alle Gänge (die zudem teilweise
auch noch deckungsgleich sind) nutzbar.

Die haben nur einen Vorteil: Sie sehen was von der Welt. ...,
wenn ich so recht überlege, wäre ich vielleicht doch lieber als
Kettenschaltung zur Welt gekommen. Schon bald naht die nächste Pause,
die jetzt allerdings wirklich der Erholung dient. Auch meiner Erholung.
Als der Trupp gerade wieder aufbrechen will, beklagt ein Fahrer eine
Reifenpanne, was den Aufenthalt zu meinem Glück weiter verzögert. Und
wenn ich ehrlich bin, habe ich als Schaltnabe nicht das allermieseste
Los gezogen. Die armen Reifen haben in ihrem relativ kurzen Leben wohl
die meisten Qualen zu erdulden...



Gruß, T3
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

8

Sonntag, 29. Januar 2012, 12:24

Weiter geht's durch's "Tal der fettigen Tränen". Pit, Sporky und
nomoregears haben sich zwischenzeitlich an die Spitze des Feldes
begeben, um vor Steigungen ungehindert Anlauf nehmen zu können oder die
anderen Multi-Gang-Fahrer nicht überholen zu müssen, was oftmals auch
gar nicht geht, wenn zwei Leute auf dem schmalen Weg nebeneinander
fahren. Eigentlich eine taktisch kluge Idee, nur ein wenig unausgegoren,
da die drei den Streckenverlauf nicht kennen.



Und richtig: Die drei Spezialisten und Joey, ein Kettenschaltungsfahrer,
fahren geradeaus weiter, wo sie links hätten abbiegen müssen. Es ist
eine Rampe, die sich gewaschen hat. Schätzungsweise 8-9% auf teilweise
grobem Schotter. Pit kann es ruhig leugnen - außerdem scheint er in
dem Moment sowieso nicht zu wissen, was er tut -, und ich weiß es
schließlich am besten, denn er geht die Steigung im zweiten Gang an. Das
ist so zu sagen mein Schongang, also mein Lieblingsgang.



Mein Hohlrad dreht sich mit der gleichen Drehzahl wie das Ritzel, die
Planetenrädchen und das Sonnenrad werden nicht durchkämmt, es herrscht
gewissermaßen Ruhe in meinem Inneren. Kraft hat Pit ja - das spüre ich
immerhin oft genug -, und ich vermute, dass er Sporky und nomoregears
beweisen will, dass er auch mit einem ergonomisch alles andere als
vorteilhaft gebauten Cruiser ohne Zuhilfenahme einer Schaltung diese
Rampe bewältigen kann, denn der zweite Gang ist ebenso neutral wie eben
keine Schaltung.



Doch dann geschieht, was ich irgendwie befürchtet habe. Als dieser
Schaumschläger nämlich merkt, dass es doch nicht reichen wird, schaltet
er in den ersten Gang runter. Mir platzt fast das Gehäuse !!!
Mit aller Brachialgewalt malträtieren die Zähne des Hohlrades die der
Planetenrädchen, die hilflos am Sonnenrad Halt suchen. Ich will gerade
meine Innereien in den Schotter kotzen, als der Idiot endlich absteigt
und zu schieben beginnt...



Gruß, T3
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

9

Sonntag, 29. Januar 2012, 12:31

Ein kleines Zwischen-Outing: Wie ich soeben erfahren habe, bin ich gar
keine T3, sondern eine "I-Motion 3". Das bedeutet eine weitere Stufe
tiefer in der Degenerationsleiter meiner Produktionsgeschichte. Mit
Zutaten aus Tschernobyl-Recycling-Metall, während einer Liaison zwischen
uralten Werkzeugmaschinen-Zombies und ungelernten besoffenen Arbeitern
im Akkord gezeugt, tauge ich normalerweise zum wöchentlichen Transport
magersüchtiger alter Frauen mit MS, die einen Kilometer zum Friedhof
rollen, um dort ihren Liebsten zu gießen und danach noch kurz bei Aldi
vorbei schauen .



Okay, wir rollen also die Rampe wieder runter, als wir zurück gepfiffen
werden und fahren vorerst in der Ebene weiter. Nach einer weiteren nicht
nennenswerten Steigung höre ich nomoregears Joey, der die Strecke
kennt, fragen, ob es das jetzt langsam gewesen sei. Der antwortet in
einem Ton, den man von geduldigen Vätern kennt, die ihre nörgelnden
Blagen beschwichtigen, dass da wohl noch eine etwas heftigere Steigung
komme und es von dort an praktisch nur noch bergab gehe.



Ich atme auf. An meinem rauen Lauf merke ich allerdings auch, dass sich
das Fett von allen neuralgischen Punkten verabschiedet und einen Urlaub
in völlig irrelevanten Gegenden angetreten hat .
Irgendwann höre ich am Abrollgeräusch des Marathon Extreme und anhand
überholender Autos, dass wir auf Flüsterasphalt durch eine kleine
Ortschaft fahren. Wieder geht es bergan. Zwar nicht so steil wie in
dieser mörderischen Rampe vorhin, aber doch recht deftig. Ich vermute,
dass es sich um die von Joey erwähnte letzte Steigung handeln wird...




Zitat:






Zitat von Pit-100


Beeindruckend, ich hätte nicht gedacht das Du das gemerkt hast







DU PENNER - jetzt auch noch spotten !



Gruß, T3
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

10

Sonntag, 29. Januar 2012, 12:36

Die Fahrt verlangsamt sich etwas, wir biegen rechts in einen
Wirtschaftsweg ein. Pit steigt sofort ab, weil er wegen der
rechtwinkligen Kurve zu viel Schwung verloren hat, um diese - wenn
auch kurze - Rampe noch packen zu können. Sein Glück, denn mir
reicht's ohnehin schon. Nach dieser Aktion fahren wir zuerst im ersten,
aber schon bald im zweiten Gang weiter; wir müssen wohl wirklich den
höchsten Punkt erreicht haben, denn auch die Luft ist merklich dünner
geworden.



Gerade habe ich mich etwas erholt, da folgt die nächste Steigung, doch
wie ich dem Stimmengewirr entnehmen kann, soll in Kürze wirklich diese
Ex-Bahntrasse kommen, auf der es angeblich nur noch bergab gehen wird.
Obwohl die Strecke hin und wieder noch seicht bergauf führt, ist es
erträglich, denn Pit schaltet nicht mehr runter. Und das soll er auch
nicht wagen. Am Straßenverkehrslärm und kurzzeitig stark verlangsamter
Fahrt höre/spüre ich - wahrscheinlich sind wir in Wülfrath -, dass
wir eine Straße überqueren.



Nachdem dies geschehen ist, schaltet Pit tatsächlich in den ersten Gang. Zwar tut er das diesmal nicht in der Steigung, doch allein die Tatsache, dass er es tut, lässt mich Böses ahnen ! Ich habe ultimativ die Schnauze voll!!! Frage mich niemand, wie
ich es bewerkstellige, aber mit dem Mut zur Verzweiflung schaffe ich es
irgendwie, den ersten und auch zweiten Gang in einen Leerlauf zu
verwandeln, noch bevor Pit überhaupt die erste Kurbelumdrehung mit der
Berguntersetzung vollführen kann . F-E-I-E-R-A-B-E-N-D! Soll er zusehen, wie er im dritten Gang nach Hause kommt...



Gruß, T3
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

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Sonntag, 29. Januar 2012, 12:39

Zitat:






Zitat von Goradzilla


Hier wendet sich gerade eine andere
Schaltnabe mit Grausen vom Text ihres entfernten Verwandten ab.
Mitleidheischendes Geheule und kindische Gefühlsduselei eines
Möchtegern-Prinzesschens sei das ja wohl. Ich solle sie doch lieber ein
bisschen malträtieren gehen als dieses Gewäsch zu lesen. Und wenn sie
dabei draufgeht, dann sei das ja wenigstens ein ehrenvolles Ende eines
Nabenlebens.



Tja, diszipliniert sind sie ja, diese Japaner








Lächerliche antiquierte Kamikaze-Mentalität! Da desertier' ich doch lieber...



Gruß, T3
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

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Sonntag, 29. Januar 2012, 12:42

Meine Rechnung sieht folgendermaßen aus:
Ihm nur den zweiten Gang zu lassen, würde für mich zwar Chillen bis zum
Ende der Tour bedeuten - für ihn aber auch! Hätte er nur den
ersten Gang zur Verfügung, würde er sich (verdientermaßen) tot trampeln,
doch meine Planetenrädchen kämen trotz der geringen Belastung nicht zur
Ruhe. Deswegen stellt der dritte Gang den für mich besten Kompromiss
dar. Bergab oder in der Ebene werden meine Innereien leicht belastet,
doch Pits Muskulatur und Kniegelenke mögen die geringe Trittfrequenz
überhaupt nicht .



Tja, da schaut er blöd drein und kann sich gar keinen Reim darauf
machen, warum der erste und der zweite und nicht der erste und der
dritte Gang ausgefallen sind, was man noch mit einem
Planetenrad-Overkill erklären könnte. So muss er sich seinem Schicksal
fügen - belastet von quälender Ungewissheit ob der Dinge, die zu
meinem 2/3-Streik geführt haben könnten . Es geht abwärts, und ich nehme die Beine hoch . Wie die meisten anderen Naben auch, wie ich am Klickern der mich umgebenden Freiläufe hören kann.



In Kettwig angelangt, beginnt an einem hoffnungslos überfüllten Eiscafe
die wilde Spekulation darüber, was ich denn nun habe und wie diesem Übel
beizukommen sei. Da die Schlauköpfe zu keinem Ergebnis kommen, weicht
man auf Alternativlösungen aus. Es fallen Begriffe wie "Modell 55",
"515" oder "Alfine" von Shimano. Die beiden Ersteren fallen schon wegen
der zu geringen Einbaubreite raus, wie der Primitivling nomoregears
richtig bemerkt. Und die Alfine ist angeblich zu teuer ...



Gruß, T3
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

13

Sonntag, 29. Januar 2012, 12:51

Nach dieser Pause geht es durch die Ruhrauen weiter. Als wir das
Mülheimer Stadtgebiet erreichen, müssen wir eine Brücke überqueren, die
einigermaßen ansteigt. Nicht besonders steil, aber für den dritten Gang
wiederum doch. Aufgrund des in mich eingeleiteten Drehmoments ist es für
mich eine kleine Quälerei, wegen der äußerst niedrigen Trittfrequenz
für Pits Knie allerdings auch . Kurze Zeit später hat Pit eine Idee. Eine Idee, wo der Fehler bei mir liegen könnte.



Wir halten an. Pit meint, dass er das Hinterrad unsachgemäß eingebaut
habe. Wenn es das sein sollte, sei die Sache binnen fünf Minuten
behoben, meint er weiter. Ich denke, ich habe mich verfühlt, als ich
spüre, wie er sich mit einem Knochen an meinen Achsmuttern zu schaffen
macht. Ihr kennt doch sicherlich diese missglückten Vorgänger der
heutigen Multi-Tools. Geformt wie ein Knochen, besitzen sie zehn
verschiedene Sechskante. Gefertigt aus minderwertigstem Stahlguss,
werden sie gerne beim Neukauf eines Rades in diese Plastik-Satteltäschchen gesteckt.


Und brechen gerne ab, wenn man den jeweiligen Sechskant nicht schon
vorher rund dreht. Hoffentlich bricht das Teil ab und Pit verletzt sich
angemessen . Dann kann er ja sein mobiles Krankenhaus in Anspruch nehmen, mit dem er vor ein paar Stunden geprahlt hat .
Doch der Hund schafft es tatsächlich, die Achsmuttern zu lösen. Um die
Achse so zu drehen, dass die beiden Abflachungen in den Ausfallenden
aufliegen, benötigt er eine Wasserpumpenzange. So was hat man
normalerweise nicht im Bordwerkzeug, doch - man mag es kaum glauben -
der Präventiv-Hypochonder nomoregears zaubert eine solche Zange aus
seiner Werkzeugtasche...

Gruß, T3
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

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Sonntag, 29. Januar 2012, 12:56

Doch auch diese Maßnahmen bringen rein gaRRR nix! Wenigstens hat Pit jetzt dreckige Pfoten .
Ein paar Kilometer weiter macht nomoregears ihn auf eine nahende
Steigung aufmerksam, damit er sich etwas hinter das schaltende Volk
zurück fallen lassen und diese Hürde mit Schwung nehmen kann. Meine
Zähne kämmen, kämmen langsamer, kämmen gaaanz langsam ..... und kämmen
überhaupt nicht mehr. Der Sklaventreiber ist nach ca. vier Fünfteln in
dieser Schräge verreckt. Doch er braucht keine Panik vor'm Zurückrollen
zu haben (die vordere Trommelbremse zickt nämlich auch schon rum).



Ich hab' da nämlich noch für ein kleines technisches Feature gesorgt,
für so was wie eine Wegfahrsperre. Die funktioniert bei mir jedoch nur
rückwärts, sprich, das Rad lässt sich nicht mehr rückwärts schieben, ich
blockiere ganz einfach . In dieser Situation aber hilfreich für Pit, denn er verschenkt keinen Zentimeter des bisherigen Höhengewinns .
Bis nach Duisburg passiert nicht mehr viel, es ist weitest gehend
flach. Nachdem man sich am Hauptbahnhof von einigen Leuten und in
Neudorf von Sporky verabschiedet hat, geht die Fahrt zu "Anne Pommes",
wo sich Kanalradler und Peter vom Acker machen.



Als nächster klinkt sich nomoregears aus, und Anrados, cosybiker, Joey
und mein ..., ach, lassen wir das, machen sich auf den Weg gen Süden.
Das gleichmäßige Malen meiner Planetenrädchen hypnotisiert mich -
erschöpft schlafe ich ein ...

Gruß, T3
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

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15

Sonntag, 29. Januar 2012, 14:09

paule, du bist sooooooo genial! herzlichen dank, dass du der I-motion-3 gehör verschafft hast :D.
.. only dancing on this earth for a short while (Cat Stevens)

Pit-100

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16

Sonntag, 29. Januar 2012, 14:13

Musste es denn von all Deinen wunderbaren Berichten ausgerechnet dieser sein ??? :schaem:

17

Sonntag, 29. Januar 2012, 14:17

paule, du bist sooooooo genial! herzlichen dank, dass du der I-motion-3 gehör verschafft hast :D.

Is' doch nur 'ne Kopie aus 'nem anderen Forum ;) ...

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

18

Sonntag, 29. Januar 2012, 14:27

Musste es denn von all Deinen wunderbaren Berichten ausgerechnet dieser sein ??? :schaem:

Jaaaaaa, denn die Seele dieser geschundenen Nabe wird Dich auf ewig verfolgen, und vielleicht wirst Du sogar - ganz im "Blairwitch-Style" -, wenn Du gar nicht mehr daran denkst, ein paar Planetenrädchen-Segmente, arrangiert zu einem mysteriösen Mix aus Ausrufe- und Fragezeichen ($), neben Deinem Bett oder auf der Fußmatte vor der Wohnungstür finden XD ...

Gruise, Paule

P.S.: Du kannst Deinen Nick übrigens auch ändern, und niemand wird vermuten, dass Du hinter dieser Schandtat steckst ;) .
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

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