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Donnerstag, 22. Juni 2017, 22:06

Die unvollendete Chopper-Challenge

Hallo, Leute,

nach etwas längerer Zeit mal wieder ein Tourenbericht aus meiner Tastatur. Auch wenn jemand den Ausgang dieser R2NSC-Tour bereits kennen sollte - und die Überschrift macht ja nun auch kein Geheimnis draus -, wünsche ich viel Vergnügen beim Lesen der streckenweise doch skurrilen Zeilen ;) ...(wird wieder gähnend lang...)

Teil 1:

Am späten Abend des 09.06.2017 ist es wieder soweit: Um 23.47 Uhr stehen meine Freundin Jacqueline, mein alter Fahrradkumpel Sporky und ich am Startpunkt der diesjährigen R2NSC (Ruhr2NorthSeaChallenge). Warum so früh, wenn die Startzeit doch bei 4.30 Uhr am 10.06. liegt?! Thomas, der Vater des Events, hat uns einen Vorsprung eingeräumt, weil wir mit eher ungewöhnlichen und für derlei Touren vielleicht nicht ganz so geeigneten Rädern fahren werden. Doch dazu später mehr...

Wir rauchen eine (vorerst) letzte Zigarette, albern etwas rum, und Jacqueline schießt ein paar Fotos; sie wird übrigens mit Konni, einem weiteren alten Fahrradkumpel, die Besatzung des Begleit- und Gepäcktransferfahrzeuges darstellen und morgens nach Epe fahren. Der Servicepoint in Raesfeld wird noch nicht geöffnet haben, wenn wir dort eintrudeln, und bis Epe sollte unsere Bordverpflegung reichen.

Um genau 0.00 Uhr treten wir in die Kurbeln, an der Ecke Mozart-/Lotharstraße verabschieden wir uns wenig später von Jacqueline, die zu mir nach Hause fährt, um sich dort die Nacht um die Ohren zu schlagen, indem sie mir weitere Brote schmiert/belegt, Kaffee und Tee vorkocht und den Kram einpackt, den ich vergessen habe. In sechseinhalb bis sieben Stunden werden wir uns in der Sonne Epes wiedersehen.

Nun denn, bis Meiderich kenne ich die Route noch (da hatten wir uns im letzten Jahr heftig verfahren), danach ist die Tour-App gefragt. Das Waghalsige bei der Sache ist der Umstand, dass ICH diesmal navigieren werde. Der geborene Pathfinder war/bin ich auch mit Karte nie, was allerdings nicht bedeutet, dass die Hilfe dieser App auch wirklich eine Hilfe ist. Denn ich bin so was wie ein streng analoger "Neandertaler im Internetcafe", besaß bis vor kurzem gar kein Handy, geschweige denn ein Smartie...

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

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2

Donnerstag, 22. Juni 2017, 22:09

Teil 2:

...und bin dementsprechend vertraut mit dieser Technologie. Ich stehe kurz vor meiner Premiere einer App-Nutzung im Ernstfall (geprobt habe ich das Prozedere vor wenigen Tagen, jedoch nicht bis Meiderich, wo wir uns 2016 verfuhren), stecke mir einen der beiden Ohrhörer ins Ohr, rufe die App auf und erwarte freudig die erste Anweisung der elektronischen Domina. Aus der Ferne höre ich ein Tuten, wahrscheinlich ein Frachtschiff. Jou, hau rein, du olle Hafenstadt...

Einige hundert Meter weiter glaube ich, einer akustischen Halluzination aufzusitzen, denn ich vernehme eine Frauenstimme - genauso diffus wie das nebulöse Schiffshorn vorhin. Und ein paar Sekunden später höre ich auch dies wieder. Lediglich die Tatsache, dass wir inzwischen die Gegend von Meiderich erreicht haben, in der sich der zweite Schnitzer (von vielen weiteren) des 2016er Desasters ereignete, führt zu der Überlegung, dass das Schiffshorn und die Stimme eventuell mit der App zusammenhängen könnten (jou, unfassbar, ich weiß).

So checke ich die Lautstärke des Smarties, was jedoch nichts ändert. Ich wechsle den Ohrhörer - mit gleichem Erfolg. Sporky merkt an, dass vielleicht der Stecker des Ohrhörer-Geraffels nicht korrekt im Smartie stecke. Ich denke:"Ey, du bist doch NOCH unterbelichteter als ich! ABER gute Ratschläge geben..." Aber okay, ich fingere das Samsung aus der Innentasche meiner Freakweste, drücke den Klinkenstecker etwas an und tatsächlich, es ertönt ein leises Klack!

Danach erschallt ein deutliches "Jetzt bitte links abbiegen!", und wir folgen weiterhin der Straße, die hier sowieso eine leichte Linkskurve beschreibt. "TUUUUUUUUUT!!! haut es mich fast aus dem Sattel, und jetzt erinnere ich mich endlich daran, dass diese Vuvuzela immer dann ertönt, wenn man von der Route abgewichen ist. Ganz sicher bin ich mir aber erst, als ich es auf dem Display lese. Tja, so gondeln wir (vermutlich) die Emmericher Straße auf und app, bis die Stimme von einer Voßstraße erzählt.

Es geht Richtung Landschaftspark Nord, und wieder tauchen Erinnerungen auf: JAWOLL, die Ecke kenne ich, hier sind wir richtig! Ca. drei Kilometer weiter ereilt uns die nächste "Situation". "Jetzt rechts abbiegen!" - "Jetzt leicht links abbiegen!" Zwei Befehle innerhalb von nur zehn Sekunden! Und was bedeutet ein "leichtes" Abbiegen?! Das Rechtsabbiegen war okay, doch leider gibt es hier keine Möglichkeit, sofort wieder links abzubiegen. Egal, wir fahren einfach weiter. "TUUUUUUUT!!!"

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

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Donnerstag, 22. Juni 2017, 22:13

Teil 3:

Völlig klar, dass meine Laune/Motivation in Richtung Keller unterwegs ist, denn wegen dieses Zeitverlustes beginnt sich langsam ein innerer Druck aufzubauen. Und ich gehe stark davon aus, dass es nicht bei diesen beiden Verzögerungen bleiben wird. Hinzu gesellt sich der Umstand, dass die Rahmenbedingungen besser kaum sein könnten. Die Nachttemperatur ist angenehm, es droht kein Regen, der Wind soll morgen/heute aus südwestlichen Richtungen wehen.

And last not least verfügen wir über ein Begleitfahrzeug - es sollte eigentlich nichts schiefgehen. Okay, bis wir diese Starße gefunden haben, geht weitere kostbare Zeit ins Land, womit wir bereits jetzt eine guuute halbe Stunde eingebüßt haben. Zum Glück sind wir bald aus Duisburg raus, die Lage entspannt sich etwas. Genau in dem Moment, als eine Straße in Dinslaken Hiesfeld anzusteigen beginnt, beginnt auch mein Ohrhörer, mir "Solsbury Hill" von Peter Gabriel in den langsam müden Schädel zu pusten.

Yesss, I can see the city lights und ich erkenne sogar diese Steigung wieder, weiß im Moment aber nicht so recht, ob ich weinen oder lachen soll. Für die allermeisten Rennrad-, MTB- oder ganz einfach, für die meisten Schaltungsfahrer im Feld dürfte das keine anspruchsvolle Steigung sein, doch mit zwei 35-Kilo-Choppern (Sporkys "Earl Grey" mit 3-Gang-Sturmey Archer, mein "DMC" single speed) bringt uns das natürlich noch lange nicht zum Schieben, kostet aber doch einige Körner (und eben Zeit).

Als die Umgebung langsam bewaldeter wird, legen wir eine erste Pause neben dem Radweg ein. Als wir wieder starten, wage ich es nicht die App auszuschalten. Da keines unserer Räder über einen Nabendynamo verfügt, sind wir auf die beiden Akkus und die zwei Powerbanks/-packs angewiesen; und die Ladeanzeige steht bereits jetzt auf irgendwo bei 60%. Wir sollten Strom sparen, dürfen aber auch kein "leichtes Linksabbiegen" verpassen. Inzwischen sind wir auf kleinen Sträßchen und Wirtschaftswegen unterwegs - idyllisch, beinahe romantisch und abenteuerlich.

Plötzlich höre ich Glockengeläut, das sich hervorragend in diese Vollmondnacht einfügt. Als dann Angus Youngs Gitarrenriff mein linkes Ohr flutet, bemerke ich, dass es sich um "Hells Bells" von AC/DC handelt. Es hat durchaus was, hin und wieder mit gutem Sound versorgt zu werden, aber wie gesagt, das kostet Saft. Inzwischen haben wir unseren in Duisburg üblen Geschwindigkeitsdurchschnitt deutlich erhöht, und ehe wir uns versehen, tauchen wir schon in Raesfeld ein.

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

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4

Donnerstag, 22. Juni 2017, 22:18

Teil 4:

Es ist 3.45 Uhr, womit wir rund eine halbe Stunde früher an diesem Servicepoint als im Vorjahr sind. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns hart an der Grenze zur Zeitüberschreitung bewegen. Nachdem wir unsere Rast beendet haben, ist die Zeit überschritten. 4:06h brutto für nominell 50km (wir haben selbstverständlich ein paar mehr angesammelt) sind schon ziemlich jämmerlich.

Langsam macht sich ein heller Streif am Horizont bemerkbar, die ersten Vögel piepsen sich gegenseitig wach, mein biorhythmischer Tiefpunkt ist gemeistert. Das wolkenlose Firmament verspricht einen schönen Tag. Gegen halb fünf mache ich Sporky darauf aufmerksam, dass nun die Meute startet. Als wir um sechs Uhr rum ein weiteres Päuschen einlegen, gehen wir noch davon aus, zu den ersten Teilnehmern in Epe zu zählen - nein, die ersten Teilnehmer zu sein!

Um halb acht könnten die ersten AVS-33/35km/h-RRler in Epe sein, eher wohl kaum. Am Wegesrand tauchen Südlohn- und Stadtlohnschilder auf, und als wir in Stadtlohn hineinrollen - jedenfalls vermute ich, dass es sich um Stadtlohn handelt -, quatscht mich die Domina endlich wieder an:"Jetzt leicht links abbiegen!" Hmmm, wir beratschlagen: Rechts abzubiegen scheidet aus, und die Möglichkeit links ist nach unserem Dafürhalten vielmehr ein krasses Linksabbiegen.

Sporky nennt eine Variante, die vom krassen Links mehr oder weniger leicht nach rechts abbiegt. Ausgehend von der Richtung, aus der wir kommen, könnte man diese Gasse sehr wohl als "leicht links" betrachten, jedenfalls leichter links als die krass linke Alternative. So bleibt uns nichts Anderes übrig als in diese schattige Gasse hinein zu rollen. Am Ende des Weges sehe ich einen scharfen Rechtsknick, der von der virtuellen Dame mit einem "Jetzt links abbiegen!" kommentiert wird.

Nach links geht hier wirklich NIX, denn man sieht auf einen metallenen Zaun, der eine Art Vorgarten einfriedet. Dahinter das Haus. So mutmaßen wir, dass dieses Links an der Stelle gilt, an der wir auf eine Straße treffen, die beide Möglichkeiten bietet. Ja, ich weiß, es ist grotesk, und ich will Euch nicht weiter mit diesen Details nerven, aber trotzdem: Wir biegen also links ab und befinden uns nach kurzer Zeit in einem leichten Gefälle dieser glatten Straße.

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

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5

Donnerstag, 22. Juni 2017, 22:23

Teil 5:

HURRA, es geht voran! "TUUUUUUT!!!" NöööÖÖÖÖ, nee...?!?! Wir müssen zurück, logisch. Das Gefälle, das uns eben noch mit 28km/h dahinrauschen ließ (Tendenz steigend!), wird nun zur Steigung werden. Und ganz witzig auch, wie wir uns mit unserer vorsintflutlichen Technik selber in den Arsch treten. Die Bremsen beider Bikes sind nämlich dermaßen mies, dass es gefühlte 10km dauert, bis wir auf eine Geschwindigkeit runtergebremst haben, die ein Wenden erlaubt.

Okay, wir sind wieder oben, doch keeeiiin Stück weiter. Jetzt erspare ich Euch aber wirklich weitere Details. Nur soviel sei gesagt (ich zitiere jetzt einigermaßen sinngemäß aus Tim Moores Buch "Gironimo"):"Er ist ein Mann, der kurz davor steht, alles hinzuschmeißen." Es ist so um sieben Uhr, wir müssten eigentlich längst in Epe sein. Mit diesem Patzer haben wir nun gute anderthalb Stunden verdaddelt. Wenn nicht mehr (zum Glück kann ich meinen Tacho nicht sehen, weil er schräg unterm Sattel am Hnterbau montiert ist, und weiß somit auch nie genau, wie spät es ist).

Wir stehen also zum x-ten Male wie "bestellt und nicht abgeholt" an irgendeinem Straßenrand, als mir plötzlich ein LKW ins Auge springt, der von zwei Arbeitern be- oder entladen wird. Kurzentschlossen fahren wir hin. Als Navigator ergreife ich die Initiative und eröffne die Befragung:"Einen wunderschönen guten Morgen,...äääh, können Sie uns bitte erklären, wie wir möglichst direkt nach Gronau kommen...?!" Die beiden Männer, ein Deutscher in ungefähr unserem Alter und ein südländisch anmutender Mittdreißiger, sind sehr freundlich...

...und nach interner Beratung übernimmt der junge Südländer die Wegbeschreibung. Der Deutsche fügt an, dass es noch sehr weit bis Gronau sei, was Sporky und mich natürlich erheitert. Erpicht darauf, nicht noch mehr Zeit als unbedingt nötig zu verballern (und natürlich auch auf etwas Vorschusslorbeer), erwähne ich, dass wir aus Duisburg kommen. Da fällt dann die Kinnlade. Als wir dann noch verraten, dass wir schließlich noch heute zur Nordsee wollen, scheinen die Beiden irgendwie paralysiert zu sein. So watt pusht ja schooon 8) ...

Gruise, Paule
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6

Donnerstag, 22. Juni 2017, 22:35

Teil 6:

Die Wegbeschreibung des Südländers ist übrigens, nebenbei bemerkt, die erste ihrer Art, bei der ich mir mehr als "nächste-Kreuzung-rechts-....-und-dann-weiterfragen" zu merken vermag. Na ja, jedenfalls interessiert es uns nicht mehr, auf welchem Wege wir nach Epe kommen, Hauptsache, die Himmelsrichtung stimmt halbwegs. Es dauert nicht lange, da stehen wir an einer breiten Straße und sehen einen Gronau-Wegweiser! Wir haben gerade damit begonnen, uns darüber zu freuen, da tauchen hinter uns ein paar Rennradler auf, die sich bei genauerem Hinsehen als R2NSC-Teilnehmer entpuppen.

Und rein zeitlich passt das auch (für uns logischerweise überhaupt nicht). Sie ziehen vorüber, einige grüßen. Hahaaaaa, wir sind wieder auf der Route! Und ab jetzt läuft es richtig rund. Die Sonne wärmt langsam ebenfalls, und wir cruisen mit 24-26km/h - hin und wieder frage ich Sporky nach dem aktuellen Tempo - über durchweg gute Straßen und Wege. Den Glauben daran, Bensersiel vor Mitternacht zu erreichen, habe ich mittlerweile verloren.

Ich freue mich allein darauf, gleich Jacqueline wiederzusehen, die gewartet und gewartet und gewaaaarrrtet haben wird. Um 8.20 Uhr (im Stand werfe ich schon mal 'nen Blick durch die Beine auf den Tacho) ziehe ich einen Rennradler beim Ampelstart app, um 8.22 Uhr sehe ich meine Freundin aus der Menge auftauchen. Bin ICH froooh! Jacqueline, Konni, Sporky und ich begeben uns etwas abseits des Rummels im und ums Bäckerei-Cafe, setzen uns auf die Treppenstufen vor der Kirche (Kirche? War das 'ne Kirche...?) und genießen.

Ganz besonders genieße ich momentan eine Gedrehte zum heißen Cappuccino, den Jacqueline mir sofort kredenzt - und natürlich die Nacken-/Rückenmassage, die sie mir währenddessen angedeihen lässt! MANN, geht es uns guuut! Wir haben Käse-Ei-Brote, welche nur mir Käse und welche mit Leberwurst und Knoblauch, wir haben Frikos und Chicken-Nuggets, Muffins, Zitronenwaffeln, selbstgemachte Waffeln, Milchschnitten, Kaffee, Tee, Cappu, Wasser, Vivil-Bonbons, Ginger Ale und Fresubin bis zum Abwinken.

Gruise, Paule
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7

Donnerstag, 22. Juni 2017, 22:39

Teil 7:

Man könnte glatt hierbleiben und picknicken. Ein 2016er Teilnehmer erkennt mich wieder, wir quatschen, er setzt sich auf mein DMC ("Dead Man's Curve" oder "Dirty Man's Chopper") und muss kurz auflachen. Okay, ein Brooks Colt ist nicht unbedingt der Sattel, den man sich an einem Cruiser/Chopper vorstellt, und der knapp 42cm breite und ebenso hohe Lenker aus Hydraulikrohr stößt sowieso auf viel Unverständnis (auch im Nacken-Rückenbereich, deshalb die Massage).

Mit anderen Worten: Kein halbwegs ambitionierter Radler, der Strecke machen will oder ganz einfach keinen Sinn darin sieht, sich unnötige Kilos aufzuhalsen, wird sich solch eine ergonomische Katastrophe zulegen. Und diejenigen, die solche Räder fahren,...tun es meistens nicht. Damit meine ich das Fahren. Mit so was fährt so gut wie niemand schnell, weite Strecken oder häufig. Und gerade deshalb wollen wir zeigen, was mit solchen Rädern möglich ist (wenn man empfänglich für derartige Bikes und enthusiastisch genug ist).

Nun gut, gegen halb zehn - wir lungern hier also bereits 'ne gute Stunde rum - rege ich an, doch mal langsam "inne Pötte" zu kommen. Zu Jacqueline und Konni sage ich:"Wir sehen uns in drei Stunden in Georgsdorf." Darauf Konni in scharfem Coach-Ton:"In ZWEIEINHALB!" Weiterhin kündige ich großkotzig an, für die Fahrt aus Epe auf die App verzichten zu können, da man schließlich sehe, in welcher Richtung viele RRler (Rennradler, nur so nebenbei) den Platz verlassen.

Um all dies zu untermauern, starten die zwei Chopper-Heroen endlich um 9.48 Uhr in völlig falscher Richtung (wie ich meiner linken Innentasche entnehme - "TUUUUT", denn ich hatte die App doch nicht ausgeschaltet). Da plötzlich fällt mir auch der richtige Weg wieder ein! Den Knopf wieder im Ohr, höre ich es nach wenigen Metern leider auch dort tuten - ich glaube es einfach nicht. Wir haben gerade gewendet, da kommen uns drei RRler entgegen - MIT R2NSC-Schildern.

Gruise, Paule
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8

Donnerstag, 22. Juni 2017, 22:41

Teil 8:

So lassen wir es tuten und schließen uns ihnen an. Es dauert nicht lange und die Domina meldet sich wieder zu Wort, wir sind auf der sicheren Seite. Und das Smartie konnte während unserer Trödelei immerhin auch nachgeladen werden. Über die "Teiletappe" Epe-Georgsdorf gibt es nicht sooo viel zu erzählen - außer vielleicht von der Zwischenpause in einem Kaff irgendwo in der Mitte zwischen Epe und Georgsdorf, dessen Name mir entfallen (oder nie aufgefallen) ist.

Sporky und ich haben uns auf einer Bank neben der belebten Einkaufsstraße niedergelassen, essen und trinken und rauchen genüsslich, viele andere R2NSC-Teilnehmer rollen vorüber, sehen uns oder auch nicht. Als Unbeteiligter könnte man glatt meinen, wir seien Touristen und sähen uns die R2NSC an. Doch das nur am Rande, denn unsere Aufmerksamkeit erregt etwas ganz Anderes, etwas, das die Teilnehmer nicht sehen können, weil sie auf der Straße fahren.

Bei einem flüchtigen Blick nach links sehe ich einen kleinen, vielleicht 7-8jährigen Jungen auf einem niedrigen, seltsamen, dreirädrigen Gefährt aus unverhältnismäßig hoher Geschwindigkeit bremsen und unkontrolliert anhalten. Auf dem Gehweg natürlich. Der Blick des Jungen ist auf die Fahrbahn gerichtet, dort steht ein Streifenwagen, dem schon bald ein Polizeibeamter und seine Kollegin entsteigen. Sie unterhalten sich mit dem Bengel, und man sieht selbst aus dieser Entfernung, dass der keine guten Argumente auf Lager zu haben scheint.

Nach einiger Zeit trägt der Polizist das Dreirad zum Auto, die Frau kümmert sich um den Kleinen. Was ist da passiert? Hat da etwa der Vater dieses Jungen einen erheblich stärkeren Elektromotor in das Plastikspielzeug gepflanzt oder das Teil sonstwie getuned...?! Ich will ja nicht vorurteilsbeladen orakeln, aber wenn der Vati die gleiche Frisur wie sein Sohn trägt ("Ey, Alter, was geht, ey...?!"), dürften die Polizisten Probleme damit haben, ihm zu erklären, dass ein Plastikdreirad keine 30km/h fahren darf. Diese Anekdote nur am Rande :rofl: ...

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

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9

Donnerstag, 22. Juni 2017, 22:52

Yippieh!
Endlich wieder ein Text von Paule!
Gruß, rogger
------------------------------------
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10

Donnerstag, 22. Juni 2017, 23:00

Teil 9:

Wir verlassen dieses Kaff und befinden uns schnell wieder auf dem Radweg neben einer Bundesstraße und es geht nach wie vor zügig voran. Plötzlich jedoch sehen wir ein Verbotsschild für Radfahrer...und zum Glück sofort darauf ein Umleitungsschild. Der weitere Weg verläuft auf guten Wirtschaftswegen und kleinen Sträßchen durch eine malerische Landschaft - Feld, Wald und Wiesen in einer Anordnung, die einfach nur schön ist.

Die R2NSC-App ist natürlich immer noch deaktiviert, doch irgendwie sagen mir mein kärglicher Orientierungssinn und mein Bauchgefühl, dass wir auf Kurs sind (es ist wohl eher das Bauchgefühl). Und außerdem: Solange der Wind von hinten kommt, können wir so verkehrt ja nicht sein. Tja, und dann erscheint das erste Georgsdorf-Schild. Wenig später erblicke ich die Flügel der Windmühle, kurz darauf Jacqueline, die sich für ein Foto positioniert.

Es ist 12.43 Uhr, wir haben es also in weniger als drei Stunden geschafft! Etwas abseits des Geschehens setzen wir uns auf eine Bank, meine Freundin reicht mir meine olle, geliebte Blechtasse mit Cappu, ich lasse es mir gutgehen (die Massage fehlt natürlich auch nicht). Okay, 150km wären damit im Sack, obwohl Sporky und ich wegen des Duisburger und Stadtlohner Debakels 15km mehr gesammelt haben. Sollte es weiterhin so reibungslos laufen, hätten wir eine reelle Chance, Bensersiel zu einer akzeptablen Uhrzeit zu erreichen.

Nachdem wir jedoch eine Stunde an diesem Servicepoint gechilled haben, relativiert das diese Chance auch schon wieder. Und nachdem ich mich lang & breit enthusiastisch darüber ausgelassen habe, welch euphorische Stimmung doch 2015 in Dersum/Neudersum herrschte ("Hey, datt wird wie bei 'Easy Rider', als Billy und Captain America zu Mardi Gras in New Orleans einfielen!"), schwingen wir uns um 13.44 Uhr wieder auf unsere treuen Zossen und nehmen Teil 4 unter die dicken Reifen.

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

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11

Donnerstag, 22. Juni 2017, 23:04

Teil 10:

Kaum sind wir drei, vier Kilometer gefahren, hören wir ein Auto hinter/neben uns auf der Straße, das offensichtlich auf unser Tempo runtergebremst hat. Wird wohl jemand sein, der sich etwas an uns sattsehen will. Aber nein, es sind Jacqueline und Konni. Meine Freundin nimmt ein kleines Video von uns auf, eine tolle Idee! Noch einmal verabschieden wir uns und sagen:"Bis in knapp drei Stunden...".

Nach ca. 20 Kilometern werden wir von zwei Radlern überholt, von denen einer einen "lustigen" Spruch reinreicht ("Oh, kein E-Bike, aber trotzdem mit Kennzeichen..." oder so ähnlich). Ich rufe hinterher, dass es sich um meinen Reflektor handele und erkenne, dass die Beiden mit Pedelecs unterwegs sind. Als sie ca. 50 Meter von uns entfernt sind, drosseln sie ihr Tempo wieder (müssen wohl Strom sparen, kicher).

Einige Kilometer weiter sehen wir einen Van am Straßenrand stehen, daneben vier, fünf Leute. Gerade als wir nach links rüberziehen, um die Stelle passieren zu können, sehe ich Thomas...und die beiden Pedelec-Fahrer. Aha, sie sind ebenfalls R2NSC-Teilnehmer! Thomas fragt, ob wir noch Proviant oder Drinks brauchen, doch wir sind ja erstklassig versorgt. Und er lässt uns wissen, dass wir gut im zeitlichen Rahmen liegen.

Nach diesem kurzen Intermezzo rollen wir weiter, ich sage Sporky, dass ich mich noch genau an die Stelle erinnere, an der ich 2015 mit Peter - mit ihm fuhr ich 2015 von Raesfeld bis Dersum alleine - die Zwischen-den-Servicepoints-Pause einlegte und, dass ich es für psychologisch vorteilhaft halte, erst nach diesem Punkt die diesjährige Zwischenpause zu machen. So halten wir ein paar Kilometer weiter und essen, trinken und rauchen.

In einer kleinen Ortsdurchfahrt werden wir in einer Tempo 30-Zone recht knapp mit ca. 50km/h von einem SUV überholt. Ich erwidere diesen Gruß, indem ich den mittleren Finger der linken Hand ausstrecke. Und als habe der SUV-Fahrer das bereits erwartet (warum nur...?!?), sehen wir dessen Bremslichter aufleuchten. Nanu, da hat er es wohl doch nicht sooo eilig, watt...?! Plötzlich entscheidet er sich anders und fährt weiter; vielleicht deshalb, weil er beim Blick in den Rückspiegel im Zusammenhang mit unserem äußerlichen Erscheinungsbild möglicherweise Ärger assoziiert...?

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

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12

Donnerstag, 22. Juni 2017, 23:06

Teil 11:

Wir dürften nicht mehr allzu weit vom nächsten Servicepoint entfernt sein, da leiste ich mir ein wahres Husarenstück, und das ist diesmal nicht selbstironisch gemeint! Und zwar steuern wir auf einen Streckenabschnitt zu, an den ich mich noch seeehr gut erinnere. 2015 nämlich standen Peter und ich hier und wussten nicht recht, ob wir der Richtung oder dem Straßenverlauf (nach rechts) folgen sollten. Wir entschieden uns für Ersteres und landeten auf einem Feldweg.

Solch ein Feldweg stellt uns normalerweise auch mit unseren Choppern nicht vor Probleme, obwohl man wegen der sehr geringen Bodenfreiheit natürlich schon etwas aufpassen muss, um nicht mit den Pedalen aufzusetzen. Aaaaber dieser Weg versandet bereits nach recht kurzer Strecke, so dass man nach den wenigen schmalen Grasnarben suchen muss, damit man nicht schlingernd steckenbleibt (und letztendlich schieben muss, was Peter und ich damals auch taten).

Sporky und ich biegen also rechts ab und haben selbstverständlich auf dem Schirm, dass wir uns nun etwas links orientieren müssen. Beim Erreichen der nächsten Kreuzung hat sich dieses Problem jedoch quasi von selbst erledigt, denn wir sehen einen Wegweiser: Dersum 12km. HURRAAAA! Wir sind seit Georgsdorf ohne App gefahren, aber kurz vor Dersum schalte ich das Ding wieder ein; es wäre ja zu blöde, sich ausgerechnet im Ort noch zu verfahren.

"Noch ein Kilometer bis zum Mittagessen.", höre ich die Domina aus dem Ohrhörer quaken. Mit einem leichten Anflug eines beginnenden Lampenfiebers bereite ich mich mental auf unseren triumphalen Einzug, auf den frenetischen Jubel tausender Neudersumer vor. Doch als wir um 16.40 Uhr vor dem Dorfkrug ausrollen, folgt die Ernüchterung. Zuerst sehen wir einen LKW, der offensichtlich soeben mit Biergartenbänken beladen wird. Von Sporky und mir nimmt niemand Notiz,...

...außer natürlich meine Jacqueline und Konni. Ich frage einen jüngeren Typen nach der Toilette. Der beschreibt mir den Weg und fügt hinzu, dass es vielleicht sogar noch 'nen Rest Nudeln gebe. Aaaah, ja! Nachdem ich ums Haus gegangen bin, sehe ich ein paar Leute, die augenscheinlich damit befasst sind, die letzten Stühle abzuräumen, die noch am Rande des großen Rasens stehen. In der Toilette muss ich noch warten, bis der dickere E-Bike-Fahrer die Kabine verlässt, der uns vor 30km mit seinem jüngeren und schlankeren Kumpel überholte.

Gruise, Paule
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13

Donnerstag, 22. Juni 2017, 23:10

Teil 12:

Danach gibt's erst mal wieder 'nen Cappu von meiner All-in-one-Betreuerin, und bei einer VAN NELLE dazu wird mir langsam bewusst, dass die hier echt Feierabend machen. Ich ziehe den Zettel aus der Navi-Innentasche meiner Weste, denn darauf habe ich nicht nur die Adressen der Servicepoints vermerkt, sondern auch deren Öffnungszeiten. "km 200, 10.30-18.00", lese ich. Mmmmh, rein theoretisch müsste es hier noch eine Stunde was zu essen/trinken geben.

Klar, Sporky und ich haben das wegen unserer eigenen Service-Crew nicht nötig, nur glaube ich nicht, dass die hier Anwesenden das auch wissen. Und als trügen wir unsere Armbändchen gar nicht, fragt man uns, ob wir denn auch R2NSC-Teilnehmer seien. Tja, man mache sich nur einmal die Wahnsinnsmühe, einen Blick auf unsere Räder mit dem wirklich sehr gut sichtbaren R2NSC-Schild zu werfen. Und sehen wir etwa aus wie die zwei netten SUV-Fahrer aus 'm Nebendorf, häääh...?!

Kurz bevor wir starten, wird immerhin ein älterer Herr, ein freiwilliger Helfer oder wie auch immer, auf uns aufmerksam und überreicht uns zwei Müsliriegel. Okay, er kann nichts dafür, im Gegenteil! Denn wäre er nicht gewesen, gäbe es auch diese beiden Riegel nicht mehr; ein paar Teilnehmer müssen da wohl anständig gehamstert haben, wie er sagt. Der gleiche Herr soll übrigens DMCs Lenker kritisiert haben, als ich auf dem Klo war (wie ich später von Jacqueline erfahre).

Nee, nee, neeee, diesen Lenker muss nicht jeder liebhaben! Aber gefährlich ist der auch nicht! Bei Gegenverkehr auf dem Radweg eher ungefährlicher als diese überbreiten MTB-Lenker, die momentan sehr trendy zu sein scheinen. Na ja, diese zwei Riegel brauchen wir jedenfalls nicht (wäre auch sehr traurig, wenn wir es täten, denn nach 50km einen Müsliriegel zu inhalieren, um die nächsten 40km zu schaffen - ob das gutginge...?!?). Richtig, es sind nur 40km bis Leer, dem nächsten Servicepoint,...

...aber immer noch 100 bis Bensersiel. Ich drücke Jacqueline einen Kuss auf die Lippen und meine Verzehrbons in die Hand (man weiß ja nicht, wie sich die Sache in Leer gestaltet), wir verabschieden uns von unserem ebenso enttäuschten Serviceteam und nehmen um 17.42 Uhr Kurs auf Leer. Wieder un-appy, da Sporky und Konni irgendwas auf der Karte gechecked haben. Soll ganz easy sein, man könne kaum was falschmachen, heißt es. Nun verlasse ich mich mal auf Sporky.

Gruise, Paule
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14

Donnerstag, 22. Juni 2017, 23:17

Teil 13:

Wenn ich mich recht entsinne, steuern wir fürs Erste Richtung Rhede an und müssen uns dann Richtung...keine Ahnung orientieren. Jedenfalls verhält es sich so, dass an irgendeinem Punkt weder Wegweiser nach Rhede noch nach keine Ahnung zu sehen sind. Okay, dann eben Plan B, ich rufe die App aufs Smartie:"Strecke verlassen!" Toll! Bevor ich mich weiter mit diesem neuen Medium auseinandersetze, hat Sporky anhand der Karte immerhin rausgefunden, wo wir ungefähr sind.

Als uns das auch nicht weiterbringt, fällt uns nach einer kleinen Rumgurkerei eine Tanke auf, in der man doch prima nach dem Weg fragen könnte. Gesagt, getan. Wir parken unsere Räder hinter einem schwarzen Oberklasse-SUV mit holländischem Kennzeichen, Sporky geht rein (in die Tanke natürlich). Ein älterer Herr und eine Frau in unserem Alter verlassen die Tanke und gehen zum SUV. Die Frau macht ihren Mann auf DMC aufmerksam und meint nur:"Mooi!" Mindestens dreimal hintereinander meint sie das, scheint also ziemlich begeistert.

Von Jacqueline, die Holländerin ist, weiß ich, dass dieses Wort soviel wie schön, hübsch oder so bedeutet. Da frage ich mich als passioniertes Lästermaul natürlich, wie jemand meine Ratte mit ihrem Rostlack, dem gefährlichen Lenker aus Hydraulikrohr und dem - mit einem Kabelbinder durch die Ohren ans untere Oberrohr getackerten - Barbiekopf MOOOIII finden kann, um dann samt gebügeltem Abendkleidchen in einen Frisch-aus-der-Waschstraße-SUV zu steigen. Doch ich sage nur danke, denn ein Lob für mein Rättchen kommt jetzt gar nicht mal schlecht.

Derweil ist Sporky mit der gewünschten Info aus der Tanke gekommen und problemlos geht's weiter. Auf ungefähr halbem Wege zelebrieren wir wieder unsere Zwischenpause, auf einem Ziegelsteinstapel nehmen wir am Rande eines Gewerbegebietes Platz. Endlich mal auf was Anderem als auf dem Sattel sitzen, denn in Neudersum (tret noch mal nach) gab es ja auch keine Sitzplätze mehr - vom Klo einmal abgesehen. Ein Ami-Pickup-Truck mit Pferdeanhänger brabbelt vorbei...

Gruise, Paule
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15

Sonntag, 25. Juni 2017, 22:31

Teil 14:

Nach einigen Minuten kommt er zurück, zieht zu uns auf die Gegenfahrbahn rüber und hält an. Nanu, was gibt das...?! Das Seitenfenster surrt runter, der Fahrer fragt:"Darf ich eure Räder fotografieren?" Wir willigen ein und bleiben auf den Steinen sitzen. "Äääh, ihr solltet aber schon mit aufs Foto, denn ohne euch ist das unvollständig.", wünscht der Mann. Okay, großzügig machen wir eine Ausnahme und posen so gut es geht. Selbstverständlich kommt die Frage nach dem Woher und Wohin. Und ein weiteres Mal fällt eine Kinnlade (vielleicht auch die seiner Frau, das können wir im Halbdunkel des Wageninneren nicht erkennen).

(Vielleicht fällt auch dem einen oder anderen Leser die Kinnlade, wenn ich jetzt etwas einfüge, das ich eigentlich längst hätte erwähnen müssen: Da wir ja Strom sparen müssen, sind wir mit der App offline unterwegs, weil das schließlich auch funktioniert. Nur weiß niemand genau, wie sich das ohne Net für die "Zuschauer" gestaltet; jedenfalls kann Jacqueline uns mit ihrem Smartie nicht orten, obwohl ich ihr natürlich den App-Link geschickt hatte. Die Leute an den Servicepoints sehen uns womöglich auch nicht...oder doch...oder...?!? Wir sind die mit den Tarnkappen-Choppern :D...)

Okay, wir sitzen wieder auf und der Rest bis Leer ist kein Problem mehr; kurz vorm Ziel schalte ich das Smartie wieder ein und ohne Strauchelei gelangen wir zum "Pier 23", dem Ambiente, das hier für das leibliche Wohl der Teilnehmer sorgen soll. Um 19.32 Uhr steigen wir von den Bikes, es nichts los hier, abgesehen vielleicht von den 7,38 Gästen, die sich so verteilen, dass es den Anschein erweckt, es sei praktisch niemand zu Gast. Wenigstens fällt es nicht schwer, Jacqueline und Konni auszumachen.

Rein nominell liegen jetzt 240km hinter uns, also 255 reale Kilometer. Ich fühle mich noch recht gut und fit, nur macht mein rechter Fußballen Faxen. Mein rechtes Bein ist 7mm länger als das linke, und ich weiß, dass der rechte Fuß nie optimal auf dem Pedal steht, sondern rechts immer etwas übersteht. Somit erhöht sich der Druck auf die verbleibende Fläche der Fußsohle. Bei 100km kein Problem, bei 150 auch nicht, über 200km offenkundig schon - jedenfalls bei diesen Pedalen (Synchros Mental/Race) an diesem Rad.

Jacqueline lockt mich an den Tisch, auf dem bereits ein Stück Kuchen auf mich wartet. Welch ein Genuss, mal wieder auf einem Stuhl zu sitzen! Einer dieser Mercedes Sportcoupe-Boliden brodelt langsam heran (das "Pier 23" ist durch eine Fahrbahnfläche in zwei Hälften geteilt), mit Schrittgeschwindigkeit nähert er sich wie ein schwarzer Panther, um dann, direkt nach Verlassen des Cafe-Bereichs, loszubrüllen wie eine Herde brünftiger testosterongetränkter Elefanten auf Ecstasy. Der Fahrer hat unheimlich was auf 'm Kasten!

Gruise, Paule
2017: 3.917km; S:131.053; LB:20.690; DMC:18.964; PH:1.368; AB:6.372; ges.:178.447

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16

Sonntag, 25. Juni 2017, 22:36

Teil 15:

Wie wir von Jacqueline erfahren, ist man wohl auch hier der Auffassung, dass kein R2NSCler mehr käme, und es bedurfte für sie schon einer kleinen Überzeugungsarbeit, dem Personal zu erklären, dass noch zwei Leute auf der Strecke seien. Immerhin bekommt meine Freundin von einer Bediensteten noch eine Flasche Cola, eine Flasche Wasser und ein paar Milky Ways, Snickers & Co. in die Hand gedrückt (möglicherweise auch der kärgliche Rest, den das Teilnehmerfeld übrig ließ).

Wir beratschlagen, was wir weiter zu tun gedenken. Ich persönlich habe keinen Bock mehr darauf, weiter nach Aurich zu fahren, dort zum dritten Mal zu erleben, dass...es dort nix mehr zu erleben gibt, um dann mitten in der Nacht in Bensersiel einzulaufen und danach noch den Campingplatz aufzusuchen, von dem wir nicht mal wissen, ob es ihn überhaupt noch gibt bzw. ob wir da zelten können. Ich bin 53 und keine 35 mehr, aber der Aufbau eines Zeltes nach dann wahrscheinlich über 320 Kilometern wäre auch damals für mich nicht sonderlich erstrebenswert gewesen.

So sucht Jacqueline auf dem Smartie nach einem Campingplatz in der Nähe und wird in Bingum auch schnell fündig. Der Weg zu diesem Platz ist recht unkompliziert, trotzdem bereitet uns das Auffinden der Zufahrt (man muss über den Deich an der Ems) ein kleines Problem, das mit vielleicht zwei Extrakilometern belohnt wird. Scherzhaft meine ich zu Sporky, dass er ja noch ein Ründchen drehen könne, um seine 300km zu vervollständigen. Endlich auf dem Platz, haben Jacqueline und Konni alles soweit vorbereitet, dass wir an der richtigen Stelle unser Lager aufschlagen können.

262 Kilometer (in 13:01h, also ein 20er Schnitt) sind nun im Kasten, für mich okay, für Sporky hingegen nicht. Nachdem er sein Zelt aufgebaut und seinen Kram darin verstaut hat, raucht er noch 'ne Zigarette und macht sich dann tatsächlich zu seinem "Ründchen" auf - mit den Worten "Vielleicht verfahre ich mich ja noch, dann habe ich bestimmt 300km." verabschiedet er sich in die Dunkelheit. Wir schlafen längst, als er zurückkommt, und erfahren am nächsten Morgen, dass er noch zum Dollart, dieser Emsmündungsbucht gefahren ist, was dann insgesamt 305 Kilometer ergaben.

Gruß, Paule
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17

Sonntag, 25. Juni 2017, 22:38

Teil 16:

Nach dem Frühstück reißen wir unser Lager ab und fahren wieder Richtung "Pier 23", besuchen jedoch ein anderes Cafe, um dort den Zwanni zu verballern, den Sporky von seinem Chef mit auf die Reise bekommen hatte, um im Ziel einen Belohnungsdrink zu nehmen. Ach ja, und vorher checken wir am Leerer Bahnhof, wann der IC 2209 eintrudelt, den wir ursprünglich in Norden hätten besteigen wollen. Wir haben noch Zeit satt, so dass wir uns am "Yachthafen" (oder was immer das auch sein mag) auf eine Wiese legen,...

...nachdem Sporky und ich wohl Deutschlands erste Fahrradreifen-Waschanlage direkt neben dem Cafe getestet haben (=> siehe Jacquelines Fotos). Ich hatte seit Raesfeld eine Hühnerfeder am vorderen Reifen pappen und wollte nicht länger als vermeintlicher Hühnerkiller dastehen. Gegen halb fünf ist der Zeitpunkt gekommen, um uns von unserem Begleitteam zu verabschieden, denn Jacqueline und Konni wollen auf jeden Fall vor uns in Duisburg sein.

So packen Sporky und ich all den Kram, den wir nun nicht mehr an den Rädern und in den Taschen brauchen in Konnis Twingo und ziehen hinaus ins Stadtgebiet von Leer, wo wir den Julianenpark aufsuchen wollen, den ich im Stadtplan entdeckt habe, den meine Freundin vom Campingplatz mitgenommen hat. Zwecks besserer Standortbestimmung fahren wir zuerst wieder zum Bahnhof. Beinahe überflüssig zu erwähnen, dass wir diesen Park nicht finden, und als wir ihn dann doch fast gefunden haben, ziehen unheilvolle dunkle Wolken am näheren Horizont auf.

Sporky hat es nicht für nötig gehalten, sein Regenzeug als überflüssigen Kram ins Auto zu werfen - ich dagegen schon. Ich dränge darauf, zurück zum Bahnhof zu fahren, denn mir steht nicht der Sinn danach, in nassen Klamotten im Zug zu hängen. So lungern wir noch etwas am Bahnhof rum, schieben die Bikes auf den Bahnsteig und malen uns aus, welche Art von Fahrradabteil wir wohl vorfinden werden. Hoffentlich nicht einen dieser alten Wagen mit den extrem schmalen Einstiegen.

Doch Sporky meint - er kombiniert häufiger die Bahn mit längeren Radtouren (für die An- und Abreise) -, dass die alten Wagen selten geworden seien. Wir befinden uns im Abschnitt B, also genau da, wo laut Wagenstandsanzeiger unser Radabteil halten soll. Kurz vor der Einfahrt des Zuges heißt es jedoch plötzlich Abschnitt D, wie Sporky bemerkt. Also ziehen wir um und hoffen darauf, dass sich nicht wieder was daran ändert.

Gruise, Paule
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18

Sonntag, 25. Juni 2017, 22:41

Teil 17:

Der Zug läuft ein und siehe da: Es ist ein Wagen mit dem alten schmalen Einstieg! Egal, denn wir sind ja zu zweit, es ist aber trotzdem nervig. Es hängen/stehen bereits drei Rennräder, ein Trekkingbike und ein Lastenrad im Abteil, es wird eng. Uuund es halten sich zwei jüngere Typen im Radabteil auf (jaaa, ich weiß, aus der Sicht eines Mannes in meinem Alter gibt es sehr viele "jüngere Typen"), Nicolai und Stefan. Die kennen uns sogar, und zwar von der R2NSC, weil sie selber auch dran teilgenommen haben.

Nicolai ist einer des LASSErollen-Teams (oder so ähnlich), ihm gehört das Transportrad. Jou, da liegt es auf der Hand, dass wir schnell ins Gespräch kommen, fachsimpeln und rumspinnen. Nicolai steht die ganze Zeit, Sporky und Stefan sitzen auf Klappsitzen, ich nehme der Einfachheit halber auf DMC Platz. Das ist (auch) das Gute an Choppern: Man sitzt so tief, dass man diese Räder auch als reine Sitzmöglichkeit zweckentfremden kann.

Das Gute an diesem alten Wagen ist die Tatsache, dass er sooo alt ist, dass sich die Fenster öffnen lassen. Weniger gut ist, dass das Federungs-/Dämpfersystem ebenso alt sein dürfte, denn während der Fahrt wird man immer wieder von derben Schlenkern überrascht. Zeitweilig könnte man meinen, in einem dieser typischen gnadenlos überfüllten Züge auf Gleisen mit variabler Spurweite in Indien unterwegs zu sein - irgendwo zwischen Bombay und Kalkutta.

Bei genauerer Überlegung gelange ich zu dem Schluss, dass dieser Seelenverkäufer von Intercity doch recht gut ins Gesamtbild passt: Ich sitze auf einem Ratbike und habe ein Ratphone in der runtergekommenen Ratweste. Ich gebe dem IC 2209 den Namen "Intercity-Ratte" oder meinetwegen "Rattenfänger von Leer". Nicolai steigt in Münster aus, Stefan in Gelsenkirchen, es wird komfortabler im Abteil.

Gruise, Paule
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19

Sonntag, 25. Juni 2017, 22:43

Teil 18:

Auf dem letzten Teilstück vor Duisburg wagt sich eine Frau des Frauengrüppchens, das sich wenige Meter von uns im selben Wagen aufhält (Kegeltour? Keine Ahnung, ist jedenfalls ziemlich lebhaft/laut bei denen), in unser Abteil. Sie bleibt wie angewurzelt mit starrem Blick stehen, als sei ihr soeben die Jungfrau Maria erschienen - oder auch das genaue Gegenteil. Inzwischen klatscht Regen gegen die Scheiben.

Neeee, bitte nicht auf den letzten Metern noch 'ne nasse Packung von oben! In Duisburg angekommen, tragen Sporky und ich unsere Bikes die Treppe vom Bahnsteig runter..., wo Jacqueline bereits wartet. Zu dritt cruisen wir nach Hause, und ich freue mich tierisch auf einen leckeren Cappuccino.

P.S.: Bezüglich der Sitzgelegenheiten in Neudersum muss ich mich der Fairness halber korrigieren, denn es gab im Lokal und auch draußen noch welche. Nur habe ich diese in der allgemeinen Hektik der Aufbruchstimmung gar nicht wahrgenommen.

Es war, obwohl wir das Ziel nicht erreicht haben, eine erstklassige Tour. Unseren Dank an das Orga-Team, dem wir es kaum anlasten können - besonders ich nicht -, dass wir uns anderthalb Stunden Verspätung eingehandelt haben. Wären diese Schnitzer nicht passiert, hätte es wahrscheinlich gut gepasst...

Gruise, Paule
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