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kai de cologne

unregistriert

1

Sonntag, 7. April 2013, 10:44

Rocky Mountain - mein erster Eigenbau

Es ist nun schon beinahe ein Jahr her, als ich mit einem klassischen Mountainbike zu liebäugeln begann. Allerdings nicht wirklich für die ‚Mountains‘ gedacht, sondern mehr zum gemütlichen Rumgondeln auf dicken Reifen, und daher auch am liebsten ganz spartanisch ohne Federung und klassisch anmutend - keine überdicken Alurohre also.
Ich habe hier und da geschaut und auch mit manchen Modellen etwas heftiger geflirtet, aber so richtig verknallen konnte ich mich in keines.
Hinzu kam, daß ihr mich hier mit euren Selbstaufbauten ganz verrückt gemacht habt und ich eigentlich noch nie ein Fahrrad auf eigne Faust zusammengeschraubt habe. Und da ich es nicht eilig hatte, habe ich so nebenbei immer mal bei ebay reingeschaut, nach Rahmen, Gabeln und Rahmen/Gabel-Sets.
Mein erster heißer Kandidat war ein feuerroter ‚Rock Lobster‘ Rahmen inklusive Gabel, auf den seltsamerweise kein Mensch bot. Er entsprach ziemlich genau meinem Geschmack bezüglich filigraner Stahlrohre, aber schlußendlich habe ich meiner Liebe auf den ersten Blick doch keine Chance gegeben – 21 Zoll sind zu groß für mich und ich will das Fahrrad ja auch fahren und nicht bloß anschmachten.
Ich suchte weiter und ließ einige andere klassische Rahmen an mir vorbeiziehen ( u.a irgendein Breezer sowie ein Specialized Rockhopper), die mir doch zu renovierungsbedürftig aussahen.
Mittlerweile hatte ich mir nämlich überlegt, daß ich gerne einen alten Rahmen hätte, der zwar noch original aussieht, also nicht neu gepulvert oder ähnliches, dabei aber noch relativ gut erhalten ist.
Nicht so einfach bei Mountainbikes, die zehn oder zwanzig Jahre auf dem Buckel haben…
Und da ich mein Budget auch begrenzt hatte – nicht mehr als 1000€ für das komplette Fahrrad – schieden auch vitrinengepflegte Sammlerstücke aus.
Irgendwann stolperte ich dann über einen Rahmen, der zwar bar jeden Lackes war, dafür aber verführerisch matt-grau-silbrig schimmerte. Ein Rocky Mountain mit ziemlich miesen Photos in der Anzeige und bis dato nur wenigen Mitbietern.
Der Anbieter ließ mir dann noch einige bessere Photos zukommen und ich konnte sehen, daß er bezüglich des Zustandes nicht gelogen hatte. Die Aufkleber zwar ziemlich marode und auch einige Kettenklemmernarben an der rechten Kettenstrebe, aber insgesamt hübsch anzuschauen.
Anhand der Bilder – ich war zu diesem Zeitpunkt schon schwer verschossen und wollte mehr über meine hoffentlich Zukünftige herausfinden – sah ich mich in diversen Foren um und suchte gezielt nach Rocky Mountains aus den frühen Neunzigern. Beonders solche mit diesem charakteristischen ‚Wunschknochen‘ Hinterbau.
Bei retrobike.uk haben sie den Rahmen anhand der Zuganschläge und eben dieses Hinterbaus (Wishbone Monostay) als ein Titanium Race von entweder 1991 oder ´92 klassifiziert.
Für mich sehen ein ‚Titanium‘ oder ein ‚Ti-Bolt‘ zwar genauso aus, aber ja, die Zuganschläge sitzen bei denen nicht am Oberrohr bzw. AUF dem Rohr.
Egal, meine Liebe war entflammt.
So begann ich also mitzubieten und setzte mir eine Schmerzgrenze, ab der jedes weitere Gebot nur noch irrationales Haben-Wollen gewesen wäre und finanziell sowieso bloßer Wahnsinn.
Aber wie das so ist bei diesen Auktionen – mit rasendem Puls beobachtet man die ablaufende Zeit und geht zehn Sekunden vor Ende natürlich nocheinmal über seine ohnehin schon dreimal nach oben korrigierte Schmerzgrenze hinaus . Adrenalin…
Tatsächlich wurde ich aber erneut überboten.
Ich fühlte mich wie nach einer abgeschmetterten Liebeserklärung; allen Mut zusammengenommen, das Herz bis zum Halse pochend, eine merkwürdige Mischung aus Stress- und Glückshormonen im ganzen Körper und dann nichts, Leere. Die Angebetete hatte schon einen anderen im Kopf.
Aber da das Leben manchmal wirklich eine Seifenoper ist und längst Totgeglaubte plötzlich wieder vor der Tür stehen, erhielt ich einige Tage später ein Angebot an den Zweitbieter und knapp eine Woche darauf ein großes Paket mit einem doppelt und dreifach verpackten, verschnürten gepolsterten Rahmen darin.
Und einmal abgesehen von den Aufklebern, denen man das Alter (21-22 Jahre) ansah, war der wirklich in einem guten Zustand.


Die Aufkleber habe ich also entfernt und den ganzen Rahmen ordentlich geschrubbt.
Kurz überlegt, ob man ihn strahlen lassen und wie neuwertig erglänzen lassen sollte, aber irgendwie mag ich die Patina, die von einem langen Fahrradleben erzählt, die kleinen Macken und Schrammen hier und da, das blankgescheuerte Oberrohr und überhaupt den zurückhaltenden matten Glanz des Materials.
Auf dem Bild hier kommt das leider nicht so zum Vorschein:

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Salamander

2

Sonntag, 7. April 2013, 12:34

Moin Kai,

na biste dem Verkäufer schön aufgessen. Der hat sein Maximum erzielt. Er hat schön mit Zweitaccount eine irrwitzige Summe geboten und komischerweise will der Höbie das Teil auf einmal nicht mehr, auf das er ja sooooo inbrünstig geboten hatte und ein paar Tage nach der Auktion bist du natürlich der Glückliche.

Egal, du hast es! Also mach was draus. Die Messlatte ist hoch klick ;) Ich wollte zuerst auch lieber einen Stahlrahmen, aber der Zufall spielte mir das GT zu. Somit bekam es die Verschönerungskur, allerdings mit modernen Parts.

Wie willst du es bauen? Klar, als Balloonbike. Aber eher historisch korrekt? Singlespeed oder Schaltung? Wenn du später doch noch Decals kleben willst, die bekommt man noch in der englischen Bucht: klick. Bei den dicken Pellen musst du dir nur bei fetten Felgen und der Verwendung einer Magura HS-11 oder 33 Gedanken machen, denn da geht das Gefrickel richtig los. Und fette Pellen kommen erst mit fetten Felgen so richtig zur Geltung: klick 8)

Gruß Bora
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3

Sonntag, 7. April 2013, 14:24

Bin gespannt was Draus machst ... Viel Erfolg bei allem :thumbsup:
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kai de cologne

unregistriert

4

Sonntag, 7. April 2013, 14:29

Hmm... jein.
Mag sein, daß da mit einem Zweitaccount gewerkelt wurde, aber letztendlich habe ich keinen unanständigen Preis bezahlt.
Und meine 'Schmerzgrenze' hatte ich in der Hinsicht angepasst, als ich vorher in anderen Foren etc. geschaut hatte, was ein solcher Rahmen noch wert sein könnte.
"retrobike.uk" war auch da sehr hilfreich.

Was den Aufbau angeht: Das 1000€ Budget habe ich ein wenig überreizt, aber nicht sehr. Also gibt es keine zeitgemäßen NOS-Pretiosen, sondern moderne Teile, die erstmal ihren Dienst verrichten und eventuell irgendwann mal gegen standesgemäßere Sachen getauscht werden.
Decals sind auf dem Wege. Kommen aus Kanada zu mir. Aber nur für das Steuerrohr. Der Rahmen bleibt schlicht und undekoriert.

Und bezüglich der Messlatte... da werde ich gemütlich drunter her joggen.
Kann und will mich mit keinem der anderen Projekte hier messen. :)

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5

Sonntag, 7. April 2013, 14:34

Mach es zu deinem Projekt und Dich damit glücklich , alles andere ist nicht von Bedeutung ... irgendwo dran messen sollte sich hier auch niemand, sondern einfach Spaß an dem Projekt haben ...
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6

Sonntag, 7. April 2013, 20:54

Und bezüglich der Messlatte... da werde ich gemütlich drunter her joggen.
Kann und will mich mit keinem der anderen Projekte hier messen. :)


Das war ja auch nur ein Wink mitdem Lattenzaun... :D

Bin gespannt auf das Resultat.

Gruß Bora
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kai de cologne

unregistriert

7

Dienstag, 4. Juni 2013, 16:50

Um es zum Abschluss zu bringen:

Leider kein sonderlich detaillierter Bericht und beim Resultat werden Klassik-Freunde sicherlich empört mit dem Fuß aufstampfen. ;)

Letztendlich habe ich mich für einen Eingang-Aufbau entscheiden, um mir erstens zusätzliche Arbeit zu ersparen, zweitens den Rahmen frei von zusätzlichen Zügen zu halten, und drittens, weil es ein Vergnügen ganz besonderer Art ist, mit nur einem Gang durch die Gegend zu gondeln.
Die Übersetzung ist 38:16, was mir im flachen Köln bergauf vollends genügt und in der Ebene noch befriedigende Geschwindigkeiten ermöglicht.

Eigentlich hatte ich die ursprünglichen Spezifikationen im Auge:


Aber die Suche nach diesen Teilen gestaltet sich doch sehr mühselig.
Gleichzeitig wollte ich das Rad auch möglichst schnell auf die Straße bringen.
Naja, ich behalte es im Hinterkopf und wer weiß, vielleicht bringe ich im Laufe der Zeit einen 'historisch korrekten' Aufbau zustande...

Die jetzige Ausstattung ist nicht wirklich aufwendig, aber schon funktional wie ich glaube.
Meinen Ansprüchen und der Nutzung des Rades genügt sie jedenfalls bisher.
Im Einzelnen wären dies:

Laufräder NC-17 Lupus It's Paul
Gabel Surly 1x1
Tretlager & Kurbeln Shimano Deore (M590)
Steuersatz NC-17 Imperator Pro
Vorbau Ritchey Classic
Lenker Ritchey Classic
Sattelstütze NC-17 Imperator Pro
Bremsen Magura HS33
Pedale DMR V8
Griffe Pro Grips 'Atherton'
Kettenspanner Shimano Alfine



Im Nachhinein hätte ich Lenker und Vorbau sowie Sattelstütze wohl lieber in schwarz gehabt, damit der Rahmen optisch ganz für sich allein steht und die silbernen Teile nicht den Blick auf sich ziehen, aber nichtsdestotrotz gefällt mir das Rad so wie es ist.
Kleiner Schönheitsfehler: als optischen Akzent habe ich Vorbauspacer und Schnellspanner von Hope im gleiche Eloxalrot gewählt, was sich leider ein wenig mit dem Rot der Griffe beisst.

Ferner ist auf den Bildern die hintere Bremsleitung viel zu lang, das werde ich noch ändern.
Außerdem prangen auf Steuer- wie Sitzrohr mittlerweile die alten Rocky Mountain Logos aus den Neunzigern.

Mein Resümee: Ich bin recht angetan von dem Rad, schaue es mir immer wieder gerne an und fahre es auch regelmäßig. Und dafür, daß es mein erstes Mal war, daß ich mehr an einem Rad gemacht habe als bloß Bremsen einzustellen, läuft es auch ganz gut und hat nun auch schon die ersten 500km 'überlebt'...


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stilleswasser