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Donnerstag, 12. September 2013, 19:26

1997 Wheeler Blaster (Revision 2.0)

Servus...



Wie man anhand der Überschrift schon erkennen kann, wird es hier um die Generalüberholung eines Youngtimers gehen. Da mir als Student nicht gerade Zeit und Geld im Übermaß zur Verfügung stehen, wird sich das alles recht in die Länge ziehen. Ziel der Fertigstellung ist der kommende Frühling.
Irgendwie scheint es wie mit dem Photographieren zu sein. Die besten Motive sieht man, wenn man keine Kamera dabei hat. So ging es mir auch mal wieder bei der Suche nach einem Rad für eine Bekannte. Da sieht man schon einiges. Angefangen bei überteuertem Schrott über schöne Diamant-Renner aus den 1980ern, günstige Klein-MTBs aus den frühen 1990ern und hin auch wieder ein Modell, woran man leider nicht ohne weiteres vorbei gehen kann. Da steht man nun und fragt sich, was man nun mit dieser Perle macht. Im Kopf geht man seine komplette Bekanntenliste durch und überlegt, wer auch nur im Entferntesten Sinne dafür bedarf hat; gerade wenn man sich selber dazu durchgerungen hat, seine Radanzahl zu dezimieren. „Klasse statt Masse“, das war das Ziel seit den letzten Jahren und so kamen einige Schönheiten unter den Hammer.
Es war Freitagabend, ein paar Stunden vor Ladenschluss als ich mit meinem Trekkingrad auf den Hof rollte. Vor dem Geschäft stehen die Gebrauchträder. Viel von Interesse war nicht dabei; entweder außerhalb des Budgets oder Qualitativ unzureichend. Ganz am Ende stand jedoch dieses Rad.


[Kurz nach dem Besitzerwechsel...]


Die Farbe gelb mit roten Schriftzügen. Das war schon recht Porno. Der geübte Blick einmal rund um die Teile war ganz zufriedenstellend, jedoch war kein Preis ausgewiesen. Also rein in den Laden und die Jungs gefragt: „Servus. Sag mal, was kostet das Wheeler mit der beschissenen Kurbel da draußen?“ „Was?! Beschissene Kurbel? 200 wegen der Frage!“ … Es folgte eine kurze Rücksprache, da man sich irgendwie noch nicht ganz einig über den Preis war. Letztendlich hieß es hundert Euro. Da klappte mir erst mal der Unterkiefer runter und in meinem Kopf fingen sich die Zahlen an zu drehen, wie ich das finanziert bekomme. … „Hand drauf bis morgen?“ war meine Frage, worauf sie zustimmten und ich sah zu, dass ich heim kam. Dort angelangt sackte ich kurzerhand meine Freundin ein und wir fuhren wieder zurück. Es folgten die Probefahrt und der Kauf zehn Minuten vor Feierabend. Der Zustand des Rades war trotz des Aussehens sehr gepflegt.
Wie wir beim Kauf erfuhren, stand das Rad erst seit wenigen Stunden draußen, da sich der Vorbesitzer für etwas Neues entschieden hatte und sein Rennrad nebst Alltagsrad über den Laden verkauft. Das Rennrad war in ähnlich gutem Zustand, war aber wesentlich teurer.


[Das Cockpit...]


Daheim wurde erst einmal genau recherchiert, was man sich da so alles an Land gezogen hatte. Es handelte sich um ein Modell aus dem Jahre 1997, welches damals knappe 2.000 DM gekostet hatte. Informationen zur Originalausstattung waren leider keine zu finden. Jedenfalls ist ein Optima 4130-Rohrsatz verbaut, welcher auch beim Wheeler 7900 Anwednung fand (so schlecht kann er also nicht sein).


[Only steel is real!]


Unterlagen vor Vorbesitzer gab es – natürlich nicht. (Was machen die Leute immer damit?) Der Antrieb entstammt samt Hinterradnabe der M567er LX-Gruppe und ist bestens in Schuss. Keine sonderlichen Macken, kein überflüssiges Spiel; selbst die Schaltungsrädchen sind in Ordnung. Die Vorderradnabe ist aus dem Hause Wheeler und soweit noch passabel in Schuss. Nicht gerade grandios aber was will man bei einem 16 Jahre alten Rad erwarten? Mit etwas Arbeit lässt sich da sicherlich noch einiges (besser) drehen. Als Felgen kommen einfache Hohlkammerfelgen der ersten Generation zum Einsatz, komplettiert von No-Name-Speichen. „Muss jetzt nichts heißen.“ dachte ich mir. Die Zukunft würde schon zeigen, was von Dauer ist. Auch der DiaTech Ahead-Steuersatz mit seiner Abdeckung der oberen Lagerschale aus Kunststoff wirkte so, als würde er dem Baujahr entsprungen sein. Vielleicht ist er auch drei Jahre jünger...
Im Jahre 2000 muss dieses Rad einen größeren Umbau erfahren haben. So gesellte sich eine gelbe, nicht ganz im Farbton getroffene RockShox Jett hinzu. Diese Hydracoilgabel verrichtet tadellos ihren dienst und fügt sich für meinen Geschmack recht gut in das Erscheinungsbild des Rades ein. Leider weiß ich nicht, wie das Rad Serienmäßig ausgestattet war. Ebenfalls könnten die Bereifung mit den Schwalbe Silento und die M410er Bremsanlage durchaus auf dieses Jahr entfallen.
Nach der M191-Kubel habe ich zugegebener Maßen nicht sonderlich gesucht. Da krampft mir einfach zu sehr der Magen bei dem Anblick. Außer „war billig und macht ihren dienst“ kann man zu dieser wohl nicht sonderlich positives sagen. Jedenfalls kommt diese weg und das so schnell es nur geht. Ist ja peinlich so was.... Letztendlich kann man zusammenfassend jedoch dem Rad einen guten und gepflegten Zustand bescheinigen.


[Die Frontpartie...]


Ein paar Tage später folgten die ersten Umbauten. Zuerst mussten die Schutzbleche gehen. Schließlich habe ich ein Trekkingrad, meine Freundin ebenso. Unter den Schellen war der Lack an der Gabel erfreulicherweise noch in Ordnung. Danach war die alte 420er Alivio-Bremsanlage mit Point-Bremsklötzern fällig. Die flog natürlich runter. Die Bremshebel fanden noch am Winterrad Anklang, die Bremsarme sind im Grunde nur noch etwas für Oma im Flachland (als modernem Pendant zur Stempelbremse). Durch eine Fehlbestellung fanden sich Avid FR5-Bremshebel einst an meinem Winterrad (auch Restekiste genannt) an, welche nun nach einem Winter natürlich eine zünftige Heimat bekommen. Kombiniert wurden diese mit Avid SD7-Bremsarmen. Es gibt sogar noch die legendären BR-M600 V-Brakes in meinem Teilefundus, nur wurden diese mit all den Jahren nicht besser. Aktuell kippen mir diese zu sehr entlang ihrer Lagerbuchse beim Bremsvorgang nach vorn. Schade, aber was solls... Hinzu gesellte sich eine weitere „Fehlinvestition“, nämlich Bremskraftverstärker aus Karbon von SittingBull. Einst gekauft als Leichtbau-Alternative zu den Bremskraftverstärkern von Tektro aus Aluminium an meinem X8-Lite. Jedoch musste ich da feststellen, dass Aluminium doch in manchen Fällen leichter als Karbon ist. So passen sich diese zumindest in die schrille Optik des Rades ein.


[Bremsanlage mit provisorischen Zügen]


Ebenso der bei dieser Bestellung mitgelieferte rote Flaschenhalter „Holding Hole“. Einst nur als abschreckendes Beispiel im Kellerregal gelagert fügt sich dieser geradezu harmonisch in die ästhetische Kombination des Rades ein.


[DER Flaschenhalter, leider nur einmalig am Rad, da es die Firma nicht mehr gibt.]


Auch die Specialized Griffe mussten erst mal den etwas leichteren Ergon GA1 Evo aus der Restekiste Platz machen Natürlich mussten die Bremszüge auch gewechselt werden. Im Keller fanden sich noch ein paar Gebrauchte, beziehungsweise Resthüllen. Auch der schwere Lookin-Sattel musste dem 175g schweren SLR XC Flow weichen.


[Das Cockpit im Moment...]


Für meinen Schatz suchte ich dann noch eine zweite Sattelstütze und ratet mal, welches Maß hier zum Tragen kam. Der Durchmesser betrug 26,4mm. An sich eine tolle Kombination zum Stahlrahmen aber sehr Stiefmütterlich behandelt. Glücklicherweise fand ich noch eine Sattelstütze, sogar von Wheeler und „neu“, beziehungsweise gut eingelagert. Ebenso musste mal ein gescheiter Schnellspanner her. Der Serienmäßige war mir in der Verarbeitung zu minderwertig und so kam ebenfalls ein neuer Shogun dran. Das wird den Fahrerwechsel wesentlich erleichtern.


[Die neue Sattelstütze nebst Schnellspanner.]


Es folgten nun die Schwalbe Silento Reifen (2.0"). An sich eine nette Wahl für die Straße aber dahin soll es nicht gehen. Aus dem vorhergehenden Projekt „1994er Marin Muirwoods“ war noch ein Satz Mäntel übrig.


[Oben ist der Urzustand mit dem Reifensatz, unten der generalüberholte Zustand. Vielleicht gibt es dazu auch noch mal eine Geschichte...]


Diese wurden nun mit Schwalbe Downhill-Schläuchen verbaut, quasi als kleine Nachbesserung des Pannenschutzes. Ja, es ist ja nur ein Provisorium. Da kommt natürlich noch etwas Ordentliches zum Einsatz, zumindest ist so der Plan.
Zu guter Letzt fand sich noch ein Sigma Sport BC500 aus dem Jahre 1996 an. Dieser hat zwar eine kleine Macke, dass er die erste Zahl auf dem Display nicht mehr anzeigt, funktioniert jedoch sonst tadellos.


[Oldschool united!!!]


In den folgenden Tagen ging es noch einmal zu den Jungs in der Werkstatt. Es ging um die Frage, für welche Kurbeln ich noch Ersatzteile bekommen kann. Dann verstrichen wieder einige Tage sowie endlose E-bay Auktionen. Das Teilweise zwanzig Jahre alte gebrauchte Kurbeln an die Neupreise von vor einigen wenigen Jahren heranreichen, war mir neu. Dann gibt es noch die Typen, welche meinen, sie hätten da Goldstaub im Angebot. Offenbar habe ich es mit den Augen, denn meist sehe ich nur runter gefahrene Kettenblätter zu Höchstpreisen. Letztendlich wurde ich eines Abends doch fündig. Es wurde, zur Revision 1.0 passend, eine M570er mit der Mountainbike-Übersetzung. Ja, der Kenner weiß sofort: „Halt! Das ist eine 9fach! Du hast aber einen 8fach-Antrieb.“ und recht hat er. Momentan ist hinten noch die HG30 in der 11-28T Abstufung drin. Das das nicht so bleibt, dürfte klar sein. … Wir werden sehen, ob sich die Kurbel mit der 11-30T LX-Kassette vertragen wird oder eben nicht.


[Die neue alte Kurbel, zumindest passt sich diese besser ein.]


Gekauft wurde übrigens eine 175er Kurbel, angekommen ist eine 170er. Die Restlichen fünf Millimeter sind wohl irgendwie auf der Strecke geblieben. „Schei**e“ hätte ich da fast gesagt. Schauen wir mal, wie sich die Kurbel überhaupt einfügt. Zur Not ist am 1994er Marin meiner Freundin immer Platz für eine 170er Kurbel.
Die erste Aktion war, wie jemand der alten Forenhasen im Gelben schon mal treffend beschrieben hatte: „Gewichtstuning durch putzen.“ und es wurden immerhin satte vier Gramm. (Ja, ich die Kurbel im dreckigen und im sauberen Zustand gewogen, nicht den Dreck an sich.) Die beliebteste Aufgabe ist immer wieder aufs Neue das Lösen der Kettenblattschrauben. Natürlich kam es wie es kommen musste. Zuerst fragt man sich, was eher aufgibt. Der Innensechskantschlüssel oder die Schraube? Beides waren keine sonderlich rosigen Aussichten bis diese unter einem Krachen nachgeben. Natürlich wurde die gesamte Kurbel vorher ordentlich mit WD40 eingenebelt, um nicht zu sagen getränkt. Irgendwie schien es wenig zu helfen. Zwei gingen gut, die dritte ging nicht ins Auge, sondern in die Hand. Besser gesagt das 44er Kettenblatt machte eins auf Sägeblatt. (Aaaaaaaaaaahhhhh, Schei*****!) So kann ich wenigstens sagen, dass ich diese mit Blut und Schweiß gereinigt habe. „Egal, lass laufen, wir haben wichtigeres zu tun.WD40 half nicht, also nun der Griff zu den harten Drogen. Terpentinersatz, aber nur mit allen Fenstern offen und auch nicht gespart an dem Stoff. Damit kam man dann den alten Ölbelägen endlich an den Kragen. Offenbar war ich mal wieder der Erste nach dem Kauf, der das Teil gereinigt hat. Zumindest erweckten die Schrauben und der Schmutz den Eindruck.
Nun ging es endlich der FC-M191 an den Kragen. Der Vorbesitzer hatte sich wirklich Mühe gegeben beim Umbau. Shminaos Montagepaste war’s nicht, aber irgendein gelbliches Fett hatte er dazwischengepappt. Damit ließ sich die Kurbel ganz gut lösen. Bleibt zu hoffen, das Tretlager sich ähnlich gut lösen lässt. Freundlicherweise wurde ein Vierkantlager zu der FC-M570er Kurbel mitgeschickt, jedoch hatte ich keine Zeit zum großen Wechsel. Also die LX-Kurbel auf das bestehende Tretlager wieder drauf und ab in die Werkstatt. So wie der Zug aussah, brauchte ich einen neuen aber nein, der Mechaniker hat es mir gerichtet. Ich stand daneben und staunte Bauklötzchen.


[Das klassische Vorher-Nachher-Bild.]


Danach war das Rad erst mal fit für den Kurzurlaub in Hessen. Da wurde auch der weitere Fahrplan abgesteckt. Die Felgen erweisen sich so als nicht Plangedreht, was nun mit der wesentlich besseren Bremsanlage zu einem netten Rüttelspiel wurde. Schade, so hat sich das Rad für einen neuen Laufradsatz qualifiziert, da sich Umspeichen bei aller liebe wohl eher weniger lohnen wird. Ebenso muss das Tretlager mal gewechselt werden. Da muss ich mal schauen, was es so als leichte Alternativen am Markt gibt.

Fortsetzung folgt...

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »the Godfather« (12. September 2013, 19:44) aus folgendem Grund: Kleinere Korrekturen...


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Freitag, 13. September 2013, 13:28

Schöner Bericht! Viel Erfolg!