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Doctara

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1

Sonntag, 28. Juni 2020, 21:58

"Spezial"-Lenker/Schaltung/Bremse bei Daumengelenksarthrose??

Liebe Fahrradbegeisterte!

Ich bin auf der Suche nach Hilfe für
meine Mutter, die seit Jahrzehnten überzeugte Radlerin ist und
insbesondere Trekkingtouren über alles liebt. Mittlerweile kann sie ihr
Fahrrad allerdings nur noch für kurze Strecken nutzen, da sie durch
massive Arthrose in beiden Daumen- und Handgelenken sehr eingeschränkt
ist. Sowohl Bewegung an sich ist aufgrund von Schmerzen oft nicht
möglich als auch die Ausübung von Kraft, z.B. zum Bedienen der
Gangschaltung (sowohl Daumenschalthebel als auch Drehgriff sind ein
Problem), aber auch beim Bremsen.
Da meine Mutter dieses Jahr 60 wird, sind wir am überlegen, ihr ein
"Spezialrad" zu schenken, mit dem sie trotz ihrer Einschränkung
schmerzfrei auch längere Strecken fahren kann. Aktuell hat sie ein normales E-bike und ich denke, auch die Spezialversion sollte mit E-Unterstützung sein.
Nachdem sie ja sicher
nicht der einzige Mensch mit derartigen Problemen ist, ging ich
eigentlich davon aus, dass es im Radlerbereich da eventuell schon
spezielle Lösungen dafür gibt. Sowohl bei der (noch oberflächlichen)
Internetrecherche als auch beim Fahrradhändler meines Vertrauens bin ich
aber bisher leider nicht fündig geworden. Als Tipp vom Händler habe ich
die Rücktrittbremse bekommen und die Nuvinci-Schaltung, die anscheinend
per Computer bedient werden kann, wenn ich das richtig verstanden habe.

So ganz befriedigt haben mich diese Möglichkeiten allerdings noch
nicht und deshalb dachte ich, ich frage mal ein bisschen in Foren herum,
ob jemand hier eine schlaue Idee hat.
Abgesehen von den Themen
Schaltung und Bremse geht es auch um die Haltung, dass eine abgeknickte
Position der Handgelenke und ein vornübergebeugter Oberkörper, dessen
Gewicht auf den Händen lastet, problematisch sind.

Ich bedanke mich schon mal im Voraus fürs Mitdenken und bin gespannt, ob ihr Ideen dazu habt!

Liebe Grüße
Doctara

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Doctara« (29. Juni 2020, 16:07)


2

Montag, 29. Juni 2020, 11:41

Hallo Doctara,

finde ich super, dass ihr auf der Suche nach einer maßgeschneiderten Lösung für die begeisterte Radlerin seid! :love: Allzu oft wird die Flinte auch einfach ins Korn geworfen oder fortan unsicher und dann immer weniger gefahren.

Zunächst noch eine Frage: Sind beide Seiten gleich stark betroffen?

Dann sind es ja eigentlich drei Probleme: Sitzhaltung/Gewicht auf den Handgelenken, Schalten, Bremsen.

Haltung: Wenn sich Gewicht auf den Händen ganz verbietet, sprechen wir in Richtung Hollandrad-Haltung – hier wird die Haltung, korrekt eingestellt, mit Reiten verglichen, was ich ganz passend finde. Oder aber – ganz anders – man überlegt, ob ein Liegerad eine Idee wäre.

Schalten: Wir reden von einem Fahrrad ohne E-Antrieb, oder? Ich bin hier nicht so im Thema, aber ich glaube, einige Schaltoptionen gibt es nur für Pedelecs und Ebikes. Die elektronisch gesteuerte Rohloff hat zum Beispiel Taster statt Drehgriff, gibt's aber nur für Mopeds… Aus der Nuvinci-Seite werde ich nicht schlau, gäbe es diese Automatik-Geschichte für normale Räder?
Grundsätzlich sehe ich aber drei Optionen: Taster, Automatik, Lenkerendschalthebel.
Taster: Elektronische Schaltungen (bei Shimano heißt das Di2) haben Taster, die mit jedem Finger bedienbar sind und sehr wenig Kraft erfordern.
Automatik: Auch die Di2 hat einen Automatik-Modus… ich meine (wenn das von Interesse ist, müsste man das verifizieren!), dass z.B. eine Alfine-Nabenschaltung mit Di2 diesen Trick auch am "normalen" Rad beherrschen müsste. Da wären dann aber ohnehin auch die Taster vorhanden.
Mechanische Schalthebel: Vielleicht ist das eine Option, den ganzen Elektro-Automatik-Kram bleiben lassen zu können. Die Schaltungsherstellter scheinen nur noch Drehgriffe und das anzubieten, was Shimano als "Rapid Fire" bezeichnet: Quasi Daumentasten unter dem Lenker. Es gibt aber alternative Schaltgriffe zumindest von Jtek und Microshift, die entweder als Lenkerendschaltgriff oder (oh the irony) als Daumenschalthebel/Thumbies bezeichnet werden. Da schaut entweder ein Schalthebel aus dem Lenkerende, der hoch/runtergedrückt wird, oder es steht im Stile alter Torpedo-Schaltungen ein Hebel vom Lenker nach oben. Bei beiden Varianten denke ich, dass die auch zwischen Zeige- und Mittelfinger oder auch mit dem Handballen schaltbar sein sollten. Das Handgelenk zu versteifen und "aus dem Ellenbogen" schalten wäre kein Problem?

Bremsen: Das ist vielleicht der kompliziertere Teil. Klar, eine Rücktrittbremse ist in dem Fall vielleicht eine Idee, weil sie eben komplett "handunabhängig" bedient wird. Sie schränkt dann aber die Wahl der Schaltung ein auf Nabenschaltungen, die mit Rücktritt verfügbar sind… elektronisch gesteuert und mit Automatikoption ist das meines Wissens gar keine, aber ich lasse mich da gern korrigieren. So gesehen wäre das ein weiteres Argument für Lenkerendschalthebel. Die gibt es für Shimano 8-Gang – und da gibt es mit der Nexus eine Nabe, die auch mit Rücktritt angeboten wird.
Aber was machen wir mit der zweiten Bremse… nur mit einer Bremse am Hinterrad wollen wir niemanden in den Straßenverkehr entlassen. Daher meine Frage oben, ob beide Hände gleich betroffen sind? Vielleicht kann eine Hand zumindest für die "Notbremse" zuständig sein? Und das dann "üben", wenn die Schmwerzen gerade nicht so stark sind? Allgemein erfordern Hydraulikbremsen geringere Handkräfte, das gibt es sowohl als Scheibenbremse als auch (von Magura) als Felgenbremse. Es gibt auch Konstruktionen, die mit einem Hebel zwei Bremsen bedienen… es wäre ja auch nicht verboten, zwei Hydraulikbremsen über einen Hebel an der vielleicht "besseren" Hand anzusteuern und zusätzlich für die Allerweltsbremsung eine Rücktrittnabe zu nehmen.

Es wird natürlich etwas Maßgeschneidertes werden… ich könnte mir vorstellen, dass die Lösung mit 8-Gang-Nexus mit Rücktritt, Lenkerendschalthebel von Jtek und irgendeine Form von hydraulischer Vorderradbremse noch die günstigste wäre. Vielleicht übersehe ich aber auch was.

Das mal als ein paar erste Ideen. Ich bin ziemlich sicher, dass sich zumindest der Nutzer @Salamander noch mit guten Tipps zu Wort melden wird.

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3

Montag, 29. Juni 2020, 12:18

Hi Goradzilla!
Erstmal danke für deine ausführliche Antwort. Auf so etwas hatte ich gehofft :)

Vielleicht kurz zur Ergänzung:

- Ja, beide Seiten sind nahezu gleich stark betroffen.
- Und meine Eltern haben beide mittlerweile ein E-bike, weil sie in einer Stadt mit sehr steilen Hängen wohnen, die täglich zu bewältigen sind. Und ich glaube, das wäre auch für längere Fahrten dann eher die Option.
LG Doctara

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4

Montag, 29. Juni 2020, 16:01

Ich fange mal ganz klein an: beim Lenker und bei den Griffen. Da würde ich mal Ergotec anfunken, ob aus deren Erfahrung heraus z.B. eine andere Lenkerform was bringen würde oder Griffe mit Auflageflächen für die Handballen. Ich hatte an meinem Batavus solche Griffe und fand die echt gut, weil die das Gewicht besser verteilten und damit gerade die Innenseite der Handgelenke entlastet haben.
Gruß, Astrid

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5

Dienstag, 30. Juni 2020, 11:07

Ich denke gerne um die Ecke, und Gora hat es ja auch schon angedeutet. Vielleicht weg vom "normalen" Fahrrad? Frag mal Deine Suchtante nach Dreirädern für Behinderte (ich weiß, blöder Begriff, aber ich kann ja nichts für die Suchmaschinen).

Dreiräder (und natürlich auch mit E-Antrieb), lassen sich für alle möglichen körperlichen Einschränkungen anpassen. Da gibt es z.B. richtige Schaltknüppel, die speziell für eingeschränkte Funktion von Hand- und Armgelenken ausgelegt sind. Sowohl in Stuttgart, als auch in Reutlingen gibt es ein Drei-Rad-Zentrum. Dort wird Euch bestimmt eine passende Lösung angeboten. Also zumindest technisch passend. Ob es auch für den Geldbeutel passt, weiß ich nicht.

Und ich bin sicher, dass auch ein modernes Dreirad spaß macht, vor allem, wenn das geliebte Radfahren sonst nur mit Schmerzen möglich ist.
Ach ja, es gibt sogar Drei-Räder für zwei Personen, auch nebeneinander sitzend ...
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