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Freitag, 23. Dezember 2011, 23:07

Schlagwörter

Fahrrad, Fixie

Kurzbeschreibung

Fahrräder mit starrem Antrieb

Artikel

Wohl keine Fahrrad-Spezies dürfte in den letzten Jahren häufiger durch die Medien gegeistert, diskutiert und kritisiert worden sein als das Fixie. Und kein Rad dürfte einem größeren Hype unterliegen. Dabei handelt es sich um die denkbar primitivste Form, sich mit einem Rad fortzubewegen, denn ein Fixie (engl. fixed: fixiert, starr) besitzt keinen Freilauf, d. h., wenn sich das Hinterrad dreht, drehen sich auch die Tretkurbeln. Vorwärts wie rückwärts.

Zugleich ist dieser Antrieb der älteste, den es gibt. Er stellt den direkten Nachfolger der Draisine dar, der Laufmaschine von Freiherr v. Drais, bei der sich der Fahrer noch mit den Füßen vom Boden abstoßen musste. Pierre Michaux (F) gilt als Erfinder des Tretkurbelantriebs (1861), und somit nannten sich die Räder fortan Michaulinen. Erste Freiläufe gab es schon in den 1880er Jahren, doch es dauerte noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, als Freilaufnaben mit der Erfindung von Ernst Sachs (=> Torpedo-Nabe, 1903) eine größere Verbreitung fanden.

Im Bahnradsport jedoch halten sich starre Naben bis heute. Ebenso besitzen Bahnräder weder Schaltung noch Bremsen. Angeblich, um bei den beengten Platzverhältnissen und hohen Geschwindigkeiten das Unfall-/Sturzrisiko zu minimieren (eine Kausalität, die sich mir noch nicht ganz erschlossen hat...). Diese Räder wiederum läuteten in den 1970er Jahren eine Renaissance des starren Antriebs auf öffentlichen Straßen ein, als New Yorker Radkuriere sie für sich entdeckten.

Durch die Bahngeometrie des Rahmens gelten sie als extrem wendig, und das Nichtvorhandensein von Schaltung, Freilauf und Bremsen senkt den Anteil der Verschleißteile auf ein Minimum. Alles Kriterien, die aus Sicht eines Radkuriers Priorität genießen, weil der erstens nicht in Geld schwimmt und zweitens auf ein unter allen Umständen funktionierendes Arbeitsgerät angewiesen ist. Da dieser Tätigkeit - und natürlich auch der recht verwegenen Fahrweise im ständigen Kampf gegen die übermächtigen Autos - ein gewisser Underdog-Status anhaftet, der wiederum einen gehörigen Coolness-Faktor nach sich zieht, sind diese Fixies seit ca. zehn Jahren schwer en vogue.

Wer sich also ein abenteuerliches Image verpassen will und kein Kurier ist, der fährt ein Fixie - und zwar eines ohne Bremsen! Denn bremsen kann man schließlich mittels eines Vorgangs, der sich "skidden" nennt: Man lupft das Hinterrad, und genau in dem Moment, in dem es den Bodenkontakt verliert, hält man die Tretkurbeln in der Horizontalen. Das Hinterrad steht still, und nun bedarf es eines ziemlichen Krafteinsatzes, damit das Hinterrad auch dann noch still steht, wenn es wieder den Boden berührt. Hat das soweit funktioniert, muss man "nur noch" darauf achten, dass man mit blockiertem Hinterrad einigermaßen kontrolliert zum Stillstand kommt oder am Hindernis "vorbeibremst".

Die zahmere Verzögerungsvariante ist das "Kontern": Dabei gilt es, gegen die Kurbeldrehung zu arbeiten. Abgesehen davon, dass die Verzögerungswerte jenseits von Gut und Böse liegen und man auch dazu einiges an "Schmackes" in der Beinmuskulatur benötigt, funktioniert dieser Vorgang nicht mehr, wenn die Trittfrequenz eine gewisse (individuell unterschiedliche) Größe überschritten hat. Das ist selbstverständlich auch von der jeweiligen Übersetzung abhängig. Doch weil man davon ausgehen darf, dass das hintere Ritzel immer kleiner als das vordere Kettenblatt ist, kehrt sich das Kräfteverhältnis beim Bremsen um.

D. h., dass das Hinterrad die Kurbeln mit einer Untersetzung antreibt und somit, was das auftretende Drehmoment betrifft, ganz klar im Vorteil ist. Und je schneller es sich dreht, desto spürbarer tritt dieser Vorteil zutage. Mit anderen Worten: Bei 40km/h bergab hat es sich ausgebremst. Da kann man dann froh sein, wenn einem die Pedale die Schienbeine nicht unter den Lenker schleudern. Hält der menschliche Bewegungsapparat mit der Trittfrequenz oder besser, mit der vom Hinterrad vorgegebenen Kurbeldrehzahl nicht mehr mit, empfiehlt es sich, - taktisch klug - besser freiwillig die Beine hoch zu nehmen und es einfach rollen zu lassen.

Aber selbst dann kann man noch bremsen, und zwar ganz archaisch! Man setzt einen beliebigen Fuß unter's Unterrohr hinter den Gabelkopf und senkt ihn - also den Fuß! - sodann behutsam ab, bis er den Reifen berührt. Je nach Sohlendicke und Wärmeentwicklung variiert man den Bremsdruck und kommt dann irgendwann zum Stillstand. Trägt man Schuhe mit Cleats, sollte man aufpassen, dass der Reifen nicht aufgeschlitzt wird!

Man kann jedoch auch - und nun kommt der Knaller! - mit echten Bremsen bremsen! Die Ordnungshüter sollen ziemlich drauf stehen, und irgendwie ist es auch weit weniger stressig für Fahrer, Umwelt, Schuhe und Hinterradreifen (=> skidden!). Außerdem ist ein Fixie selbst dann noch ein Fixie, weil die Bremsen dem Antrieb ja keinen Freilauf suggerieren...

Gruise, Paule

Lexikon 4.1.5, entwickelt von www.viecode.com