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Donnerstag, 29. Dezember 2011, 21:47

Schlagwörter

Cruiser, Fahrrad

Kurzbeschreibung

Bei Cruisern handelt es sich um sehr eigenwillige, oft individuell gestaltete Fahrräder, die eher selten einen anderen Zweck erfüllen als den reinen Selbstzweck...

Artikel

Die Fahrrad-Gattung der Cruiser ist etwas ganz Spezielles. Der Name entstammt dem Amerikanischen "to cruise", was soviel wie kreuzen, gemütlich umher fahren bedeutet. Den Urvater aller Cruiser dürfte wohl das "Schwinn Electra" aus den 1930er Jahren darstellen. Der Deutsche Ignaz Schwinn (1860-1945), der u. a. für Heinrich Kleyer (Begründer der Adler-Werke => Fahrräder, Motorräder, Autos, Büromaschinen) Fahrräder konstruiert hatte, wanderte im ausklingenden 19. Jahrhundert nach Chicago aus und gründete mit Adolf Arnold eine Fahrradfirma.

Die großen zurück zu legenden Entfernungen in den USA brachten es mit sich, dass die Massenmotorisierung viel früher und in viel stärkerem Maße voran getrieben wurde als in der restlichen Welt. Das Fahrrad geriet schon bald ins Hintertreffen. Lediglich für Kinder und Zeitungsboten spielte es noch eine Rolle. In den späten 1930er Jahren war im Automobil- und Motorradbau das Stromlinien-Design schwer angesagt, bei dem es aber sicherlich eher um ein schwülstiges Erscheinungsbild als um aerodynamisch motivierte Beweggründe ging.

Dieser Trend machte auch vor Fahrrädern nicht Halt; sie erhielten ausladende Schutzbleche, stromlinienförmige Scheinwerfer und Tankattrappen. Das "Schwinn Electra" wurde aus der Taufe gehoben und blieb bis in die Jetzt-Zeit im Programm. Mitte der 1990er Jahre tauchten die ersten Cruiser in Europa auf. Zaghaft begann sich eine Szene zu entwickeln, die seit der Mitte des ersten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts einen immensen Zuwachs verzeichnet. War es zuerst nur "Stangenware", die auf unseren Straßen zu sehen war, so wurde der Markt bald von Zubehör-Herstellern überschwemmt.

Und es kristallisierten sich Untergruppierungen heraus. Gab es anfangs lediglich originale Schwinn-Cruiser und Nachbauten in Normal- oder Stretch-Version (26"-Räder mit Ballonreifen, geschwungenem Rahmen, superbreitem und nach hinten gezogenem Lenker => Moon Bar), so gesellten sich bald Chopper hinzu, deren Optik an die der motorisierten Vorbilder angelehnt ist. Basman, Dyno, Nirve und Velor sind nur einige Hersteller, die die Szene beliefern. Dieser Szene genügt es jedoch längst nicht mehr, einfach ins Regal zu greifen und daraus Bikes zu bauen.

Wer was auf sich hält, der stellt - bis hin zum Rahmen - alles selber her. Oder lässt es herstellen. Dadurch entstanden weitere "Bike-Kategorien" wie z. B. Lowrider: sooo tief, dass man sie oft nur geradeaus fahren kann, was aber nicht nur an der minimalen Bodenfreiheit liegt, sondern auch an der teilweise eigenwilligen Lenkgeometrie. Es gibt 120mm breite Felgen zu kaufen, aber auch Eigenbauten aus zwei zusammengeschweißten Fahrrad- oder Mopedfelgen. Eigentlich gibt es alles, was man bauen kann. Ob sich das dann auch halbwegs fahren lässt, steht auf einem anderen Blatt.

Es befinden sich regelrechte Kunstwerke darunter, und genau das ist es, was diese Fahrrad-Gattung ausmacht. Erlaubt ist, was gefällt. Jeder kann seine ganz individuelle Note ins Bike einfließen lassen. Fernab der StVZO umweht der "Outlaw Spirit" Bikes wie Reiter, doch es spricht für sich, dass die Unfallbeteiligung verschwindend gering ist. Wer sich solch ein Gefährt unter Einsatz von viel Schweiß, Zeit und Geld aufgebaut hat, der fährt eher nicht wie der letzte Henker, um es möglichst schnell zu schrotten.

Gruise, Paule

Lexikon 4.1.5, entwickelt von www.viecode.com